Cluster 

Hepatisches System


Cluster Q11


 

K&R 001

Kava

Piper methysticuml

 

Primäre Interaktionsachse:

Hepatotoxische Wirkung / idiosynkratische Leberschädigung

 

Sekundäre Achse:

CYP2D6- und CYP3A4-Modulation

 

Mechanismus:

Kavalactone werden hepatisch metabolisiert und können die mikrosomale Enzymaktivität beeinflussen. Diskutiert werden reaktive Metaboliten, mitochondriale Dysfunktion sowie idiosynkratische Immunreaktionen, die zu hepatocellulärer Schädigung führen können.

 

Klinische Relevanz:

– Fälle schwerer Leberschäden und Leberversagen beschrieben

– Erhöhte Transaminasen möglich

– Risiko bei gleichzeitiger hepatotoxischer Medikation erhöht

– In mehreren Ländern regulatorische Einschränkungen oder Verbote

– Risiko steigt bei nicht standardisierten Extrakten

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (klinische Fallserien, pharmakovigilante Berichte, experimentelle Studien)

Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:

Hoch

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– Alkoholabusus

– Polypharmazie

 


 

Schöllkraut

Chelidonium majus

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung / idiosynkratische Leberschädigung

 

Sekundäre Achse

Beeinflussung hepatischer Metabolisierungssysteme

 

Mechanismus

Schöllkraut enthält Isochinolin-Alkaloide wie Chelidonin, Sanguinarin und Berberin-Derivate. Diese werden hepatisch metabolisiert und können die mikrosomale Enzymaktivität beeinflussen. Diskutiert werden reaktive Metaboliten, mitochondriale Dysfunktion sowie idiosynkratische Immunreaktionen, die zu hepatocellulärer oder cholestatischer Leberschädigung führen können.

 

Klinische Relevanz

– Fälle arzneimittelinduzierter Leberschäden beschrieben

– Erhöhte Transaminasen möglich

– Cholestatische oder gemischte Hepatitisformen berichtet

– Risiko steigt bei gleichzeitiger hepatotoxischer Medikation

– In mehreren europäischen Ländern regulatorische Warnhinweise oder Einschränkungen

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Fallberichte, pharmakovigilante Daten, experimentelle Studien)

Risikostufe im CYP- / Leber-Cluster

Moderat bis hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– Alkoholabusus

– Polypharmazie

– langfristige Anwendung nicht standardisierter Extrakte


 

Grüner Tee

Camellia sinensis

 

Primäre Interaktionsachse

 

Hepatotoxisches Risiko bei hochkonzentrierten Extrakten

 

Sekundäre Achse

Beeinflussung hepatischer Arzneistoffmetabolisierung (CYP-System)

 

Mechanismus

Grüner Tee enthält Catechine, insbesondere Epigallocatechingallat (EGCG). Diese werden hepatisch metabolisiert und können in hohen Konzentrationen oxidativen Stress sowie mitochondriale Dysfunktion in Hepatozyten auslösen. Diskutiert werden reaktive Metaboliten und idiosynkratische Reaktionen, die zu hepatocellulärer Schädigung führen können. Das Risiko ist vor allem bei hochdosierten Extrakten beschrieben.

 

Klinische Relevanz

– Fälle arzneimittelinduzierter Leberschädigung bei Grüntee-Extrakt beschrieben

– Transaminasenanstieg möglich

– Risiko steigt bei hochkonzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln

– Geringes Risiko bei traditionellem Teeaufguss

– Regulatorische Warnhinweise für hochdosierte Extrakte in mehreren Ländern

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(pharmakovigilante Berichte, klinische Fallserien, experimentelle Studien)

Risikostufe im CYP- / Leber-Cluster

Moderat

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– hochdosierte Extraktpräparate

– nüchterne Einnahme von konzentrierten Extrakten

– Polypharmazie


Chaparralstrauch

Larrea tridentata

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung

 

Sekundäre Achse

Oxidativer Stress und mitochondriale Schädigung durch phenolische Lignane

 

Mechanismus

Der Chaparralstrauch enthält hohe Konzentrationen an Nordihydroguaiaretinsäure (NDGA), einem phenolischen Lignan mit stark antioxidativer, aber auch zelltoxischer Wirkung in hohen Dosen. NDGA kann oxidativen Stress, mitochondriale Dysfunktion sowie Störungen des hepatischen Stoffwechsels auslösen. Diskutiert werden auch immunvermittelte idiosynkratische Leberschäden.

 

Klinische Relevanz

– mehrere Fälle arzneimittelinduzierter Hepatitis beschrieben

– akute hepatocelluläre Leberschädigung möglich

– Transaminasenanstieg berichtet

– Einzelfälle von Leberversagen dokumentiert

– Produkte mit Chaparral wurden in mehreren Ländern regulatorisch eingeschränkt

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Fallberichte, pharmakovigilante Daten, toxikologische Studien)

Risikostufe im Leber-Cluster

Hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– Alkoholabusus

– hochdosierte oder langfristige Einnahme von Extrakten


Beinwell

Symphytum officinale

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide

 

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme

 

Mechanismus

Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Symphytin, Echimidin). Diese werden in der Leber metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese können kovalent an zelluläre Proteine binden und zu endothelialen Schäden der Lebergefäße sowie zu hepatocellulärer Toxizität führen. Charakteristisch ist die Entwicklung einer hepatischen sinusoidalen Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung).

 

Klinische Relevanz

– Fälle schwerer Leberschäden beschrieben

– Entwicklung einer veno-okklusiven Lebererkrankung möglich

– chronische Aufnahme kann zu Fibrose oder Zirrhose führen

– innerliche Anwendung in vielen Ländern regulatorisch eingeschränkt

– äußerliche Anwendung bei intakter Haut weiterhin verbreitet

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Fallberichte, toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)

Risikostufe im Leber-Cluster

Hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– Schwangerschaft

– Kinder

– langfristige Einnahme

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente


Jakobskreuzkraut

Jacobaea vulgaris (Syn.: Senecio jacobaea)

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide

 

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme

 

Mechanismus

Jakobskreuzkraut enthält Pyrrolizidinalkaloide wie Senecionin, Jacobin und Seneciphyllin. Diese werden in der Leber enzymatisch über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese Metaboliten können kovalent an zelluläre Proteine binden und insbesondere das Endothel der Lebervenolen schädigen. Dadurch kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) entstehen.

 

Klinische Relevanz

– schwere Leberschäden beschrieben

– Entwicklung einer veno-okklusiven Lebererkrankung möglich

– chronische Exposition kann zu Leberfibrose oder Zirrhose führen

– Risiko auch bei Aufnahme über kontaminierte Kräuterprodukte oder Honig

– Pyrrolizidinalkaloide gelten als potenziell genotoxisch und kanzerogen

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(toxikologische Studien, klinische Fallberichte, regulatorische Bewertungen)

Risikostufe im Leber-Cluster

Hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– Kinder

– Schwangere

– chronische Exposition über kontaminierte Pflanzenprodukte

– Polypharmazie mit hepatotoxischen Arzneistoffen


 

Huflattich

Tussilago farfara

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide

 

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme

 

Mechanismus

Huflattich enthält Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Senkirkine und verwandte Alkaloide). Diese werden in der Leber über Cytochrom-P450-Enzyme zu reaktiven Pyrrol-Metaboliten metabolisiert. Die Metaboliten können kovalent an zelluläre Proteine binden und endothelialen Schaden in den Lebervenolen verursachen. Dadurch kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) entstehen.

 

Klinische Relevanz

– Leberschäden bei längerfristiger Aufnahme beschrieben

– Risiko bei PA-haltigen Pflanzenpräparaten

– regulatorische Beschränkungen für PA-haltige Produkte

– moderne Präparate verwenden PA-freie Züchtungen

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)

Risikostufe im Leber-Cluster

Moderat bis hoch (abhängig vom Pyrrolizidinalkaloid-Gehalt)

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– Kinder

– Schwangere

– langfristige Anwendung nicht kontrollierter Pflanzenpräparate


 

Pestwurz

Petasites hybridus

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxisches Risiko durch Pyrrolizidinalkaloide

 

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme

 

Mechanismus

Pestwurz enthält neben den pharmakologisch wirksamen Sesquiterpenestern Petasin und Isopetasin auch Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese Alkaloide können in der Leber enzymatisch aktiviert werden und reaktive Metaboliten bilden. Diese Metaboliten können hepatocelluläre Schäden verursachen und zu vaskulären Veränderungen der Leber führen. Moderne Arzneiextrakte sind deshalb PA-frei oder stark PA-reduziert.

 

Klinische Relevanz

– Leberschäden bei PA-haltigen Präparaten beschrieben

– Risiko vor allem bei nicht standardisierten Pflanzenprodukten

– moderne Arzneiextrakte werden PA-frei hergestellt

– regulatorische Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide etabliert

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(toxikologische Studien, pharmakovigilante Berichte)

Risikostufe im Leber-Cluster

Moderat (hoch bei PA-haltigen Präparaten)

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– Schwangerschaft

– Kinder

– Einnahme nicht standardisierter Pflanzenpräparate


 

Gamander

Teucrium chamaedrys

 

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung

 

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme

 

Mechanismus

Gamander enthält Neo-clerodan-Diterpene, insbesondere Teucrin A. Diese Substanzen werden in der Leber über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisch aktiviert. Dabei entstehen reaktive Metaboliten, die oxidativen Stress und mitochondriale Schädigung verursachen können. Die resultierende hepatocelluläre Toxizität kann zu entzündlichen Leberschäden führen.

 

Klinische Relevanz

– zahlreiche Fälle arzneimittelinduzierter Hepatitis beschrieben

– akute hepatocelluläre Leberschädigung möglich

– Transaminasenanstieg berichtet

– Einzelfälle von schwerem Leberversagen dokumentiert

– Verwendung als Arzneipflanze in mehreren Ländern regulatorisch eingeschränkt

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Fallberichte, toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)

Risikostufe im Leber-Cluster

Hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– Alkoholabusus

– langfristige Einnahme pflanzlicher Präparate


 

Gummidistel

Atractylis gummifera

 

Primäre Interaktionsachse

Schwere mitochondriale Zelltoxizität mit ausgeprägter hepatotoxischer Wirkung

 

Sekundäre Achse

Blockade des mitochondrialen ADP/ATP-Transporters

 

Mechanismus

Die Gummidistel enthält die hochtoxischen Diterpenglykoside Atractylosid und Carboxyatractylosid. Diese hemmen den mitochondrialen Adeninnukleotid-Transporter der inneren Mitochondrienmembran. Dadurch wird der Austausch von ADP und ATP blockiert, die oxidative Phosphorylierung unterbrochen und die zelluläre Energieproduktion massiv gestört. Besonders betroffen sind hepatale Zellen, was zu schwerer mitochondrialer Dysfunktion und Zellnekrose führen kann.

 

Klinische Relevanz

– schwere akute Vergiftungen beschrieben

– akutes Leberversagen möglich

– Multiorganversagen berichtet

– hohe Letalität bei Aufnahme der Wurzel

– Vergiftungen insbesondere im Mittelmeerraum dokumentiert

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Vergiftungsberichte, toxikologische Studien)

Risikostufe im Leber- / Toxikologie-Cluster

Sehr hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Kinder

– versehentliche Aufnahme der Wurzel

– traditionelle Anwendungen ohne toxikologische Kenntnis

– Personen mit eingeschränkter Entgiftungskapazität