Protokollübersicht: KR-081

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Teucrium chamaedrys

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Lamiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Teucrii chamaedrydis herba)

Historisch als Bitterdroge verwendet; heute wegen hepatotoxischer Risiken weitgehend verlassen.

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Diterpene (Neo-clerodan-Diterpene, z. B. Teucrin A)

– Flavonoide

– Bitterstoffe

– ätherische Öle

Toxikologisch entscheidend: Neo-clerodan-Diterpene

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre pharmakologische Wirkung auf das Gerinnungssystem dokumentiert.

 

 

Q2 – CYP-System

Diterpene werden hepatisch über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert.

Metabolische Aktivierung führt zur Bildung reaktiver Metaboliten.

 

 

Q3 – CNS

Keine relevante zentrale pharmakologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine etablierte immunmodulatorische Wirkung.

 

 

Q5 – Kardio

Keine direkte kardiovaskuläre Wirkachse dokumentiert.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Achse beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Historisch als Bitterstoffpflanze verwendet.

Mögliche Nebenwirkungen:

– Übelkeit

– Bauchschmerzen

– gastrointestinale Reizung

 

 

Q8 – Endokrin

Keine hormonelle Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Wirkung dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine relevante dermatologische Wirkachse.

 

 

Q11 – Hepatische Risikodimension

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung durch Neo-clerodan-Diterpene

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über CYP-Enzyme

Mechanismus

Teucrin A wird über CYP-Enzyme metabolisch aktiviert.

Dabei entstehen reaktive Metaboliten, die oxidativen Stress und hepatocelluläre Schäden verursachen können.

Klinische Relevanz

– zahlreiche Fälle arzneimittelinduzierter Hepatitis beschrieben

– akute hepatocelluläre Leberschädigung möglich

– Leberversagen in Einzelfällen berichtet

– Anwendung in mehreren Ländern regulatorisch eingeschränkt oder verboten

Evidenzklassifikation

E2–E3

(klinische Fallberichte, toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)

Risikostufe im Leber-Cluster

Hoch

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente

– Alkoholabusus

– langfristige Anwendung

 

 

Q12 – Toxikologische Risikodimension

Primäre Interaktionsachse

Arzneimittelinduzierte Leberschädigung

Sekundäre Achse

Oxidativer Stress durch bioaktivierte Metaboliten

 

Mechanismus

Reaktive Metaboliten der Neo-clerodan-Diterpene können zelluläre Proteine und Mitochondrien schädigen. Dadurch entstehen hepatocelluläre Schäden.

 

Klinische Relevanz

– mehrere Arzneimittel-Hepatitisfälle beschrieben

– Risiko steigt bei längerer Einnahme

– Anwendung heute kaum noch therapeutisch vertretbar

Evidenzklassifikation

E2–E3

(pharmakovigilante Berichte, toxikologische Studien)

Risikostufe im Toxikologie-Cluster

Hoch

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit bestehender Lebererkrankung

– Polypharmazie

– langfristige Einnahme pflanzlicher Präparate

 

Pharmakokinetische Hinweise

Neo-clerodan-Diterpene werden intestinal resorbiert und hepatisch metabolisiert.

Die hepatotoxische Wirkung beruht auf bioaktivierten Metaboliten.

 

Methodische Einordnung

Gamander ist eine historisch verwendete Bitterpflanze.

Aufgrund dokumentierter hepatotoxischer Risiken gilt sie heute als toxikologisch relevante Pflanze ohne etablierte therapeutische Anwendung.

 

Quellen

EMA Assessment Reports – Teucrium chamaedrys

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

Stickel F. et al. Hepatotoxicity of herbal medicines

Teschke R. Herbal hepatotoxicity studies

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 081

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/gamander

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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