Protokollübersicht: KR-028

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Hydrastis canadensis

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Ranunculaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Rhizom und Wurzel (Hydrastidis rhizoma)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Berberin

– Hydrastin

– Canadine

– Isochinolin-Alkaloide

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine konsistent belegte primäre gerinnungshemmende Wirkung.

Berberin zeigt in vitro Effekte auf Thrombozyten, klinische Relevanz unklar.

Vorsicht bei Kombination mit Antikoagulanzien (unzureichend untersucht).

 

 

Q2 – CYP-System (Relevanzachse)

Berberin hemmt u. a. CYP3A4, CYP2D6 und CYP2C9 (präklinisch und teilweise klinisch relevant).

Interaktionspotenzial mit:

– Antikoagulanzien

– Antidepressiva

– Antipsychotika

– Betablocker

– Immunsuppressiva

– Oralen Antidiabetika

Klinisch relevantes Interaktionsrisiko möglich.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

Keine gesicherte neuroaktive Therapieindikation.

 

 

Q4 – Immunsystem

Traditionell bei Infekten verwendet.

Antimikrobielle Effekte von Berberin präklinisch gut dokumentiert.

Keine gesicherte systemische Immuntherapie.

 

 

Q5 – Kardio

Berberin zeigt in Studien Effekte auf Lipid- und Glukosestoffwechsel.

Goldenseal selbst ist jedoch nicht standardisiert wie isoliertes Berberin.

Keine etablierte kardiovaskuläre Therapie.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Achse beschrieben.

Datenlage bei Niereninsuffizienz unzureichend.

 

 

Q7 – Gastro

Berberin wirkt antimikrobiell im Gastrointestinaltrakt.

Nebenwirkungen:

– Übelkeit

– Obstipation

– Bauchschmerzen

Dosisabhängig.

 

 

Q8 – Endokrin

Berberin kann Blutzucker senken.

Interaktion mit Antidiabetika möglich.

Goldenseal-Präparate variieren stark im Alkaloidgehalt.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine konsistente hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Topische Anwendung traditionell bei Hautinfektionen.

Keine gesicherte dermatologische Standardindikation.

Pharmakokinetische Hinweise

Berberin geringe orale Bioverfügbarkeit.

Deutliche CYP-Hemmung möglich.

Extraktstandardisierung stark variabel.

 

Risikogruppen

– Polypharmazie (CYP-abhängige Arzneimittel)

– Antidiabetische Therapie

– Schwangerschaft (kontraindiziert)

– Stillzeit

– Neugeborene (Berberin-Risiko)

 

Methodische Einordnung

Goldenseal wird häufig mit isoliertem Berberin gleichgesetzt, ist jedoch phytochemisch komplexer und variabler.

Interaktionsrisiko über CYP-Hemmung ist die sicherheitsrelevante Hauptachse.

Langzeitsicherheitsdaten begrenzt.

 

Quellen

EMA Assessment Report: Hydrastis canadensis.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Guo Y et al. Berberine pharmacology and CYP interactions.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 028

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/goldenseal

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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