Protokollübersicht: KR-027
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Atractylis gummifera
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Asteraceae
Synonyme: Leimdistel
Verbreitung: Mittelmeerraum
Verwendete Pflanzenteile: historisch Wurzel; heute keine therapeutische Anwendung aufgrund ausgeprägter Toxizität.
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Atractylosid
– Carboxyatractylosid
– Diterpenglykoside
– Harzstoffe
Leitsubstanzen: Atractylosid und Carboxyatractylosid – hochtoxische mitochondriale Toxine.
Q1 – Gerinnung
Keine primäre pharmakologische Wirkung auf das Gerinnungssystem dokumentiert.
Q2 – CYP-System
Die toxische Wirkung beruht nicht primär auf CYP-vermittelter Metabolisierung, sondern auf direkter mitochondrialer Toxizität.
Q3 – CNS
Bei schweren Intoxikationen möglich:
– neurologische Symptome
– Verwirrtheit
– Krampfanfälle
– Bewusstseinsstörungen
Diese treten sekundär durch metabolisches Versagen auf.
Q4 – Immunsystem
Keine therapeutische immunologische Wirkung.
Q5 – Kardio
Schwere Vergiftungen können sekundär zu:
– Kreislaufversagen
– Hypotonie
– Multiorganversagen
führen.
Q6 – Renal
Akute Vergiftungen können verursachen:
– akutes Nierenversagen
– tubuläre Schäden
Q7 – Gastro
Frühe Intoxikationssymptome:
– Übelkeit
– Erbrechen
– schwere Bauchschmerzen
– Durchfall
Q8 – Endokrin
Keine spezifische hormonelle Wirkachse.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Wirkachse dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Keine dermatologische therapeutische Achse.
Q11 – Hepatische Risikodimension
Primäre Interaktionsachse
Schwere hepatotoxische Wirkung durch mitochondriale Toxine
Sekundäre Achse
Blockade mitochondrialer Energiestoffwechselprozesse
Mechanismus
Atractylosid und Carboxyatractylosid hemmen den Adeninnukleotid-Transporter der mitochondrialen Membran.
Dadurch wird die oxidative Phosphorylierung blockiert und die zelluläre ATP-Produktion massiv gestört.
Dies führt zu:
– massiver mitochondrialer Dysfunktion
– hepatocellulärer Nekrose
– akutem Leberversagen
Klinische Relevanz
– schwere Vergiftungen im Mittelmeerraum beschrieben
– hohe Letalität bei Aufnahme der Wurzel
– akutes Leberversagen möglich
– Multiorganversagen beschrieben
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, klinische Vergiftungsberichte)
Risikostufe im Leber-Cluster
Sehr hoch
Besondere Risikogruppen
– Kinder
– versehentliche Aufnahme der Wurzel
– traditionelle Anwendungen im Mittelmeerraum
Q12 – Toxikologische Risikodimension
Primäre Interaktionsachse
Systemische mitochondriale Zelltoxizität
Sekundäre Achse
Energieblockade der Zelle (ATP-Depletion)
Mechanismus
Atractylosid blockiert den mitochondrialen ADP/ATP-Transport.
Dadurch wird die Energieproduktion der Zelle unterbrochen, was zum Zelltod führt.
Klinische Relevanz
– schwere akute Vergiftungen beschrieben
– Multiorganversagen möglich
– hohe Mortalität in Intoxikationsfällen
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, Vergiftungsberichte)
Risikostufe im Toxikologie-Cluster
Sehr hoch
Besondere Risikogruppen
– Kinder
– versehentliche Pflanzenaufnahme
– traditionelle Nutzung ohne toxikologisches Wissen
Pharmakokinetische Hinweise
Atractylosid wird rasch resorbiert und verteilt sich systemisch.
Die toxische Wirkung beruht auf direkter mitochondrialer Energieblockade.
Methodische Einordnung
Atractylis gummifera ist keine Arzneipflanze, sondern eine hochtoxische Pflanze mit erheblicher toxikologischer Relevanz.
Die Bedeutung liegt in:
– Vergiftungsfällen
– toxikologischer Forschung
– Risikoabschätzung pflanzlicher Toxine.
Quellen
WHO Poisonous Plants Monographs
EFSA Toxic Plant Reports
Toxicology of Atractyloside – International Journal of Toxicology
Poisoning by Atractylis gummifera – clinical case studies
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 027
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/gummidistel
Abrufdatum: 23.02.2026
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