Protokollübersicht: KR-034

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Tussilago farfara

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Asteraceae

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (Tussilaginis folium), Blüten (historisch verwendet)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Schleimstoffe

– Flavonoide

– Phenolsäuren

– Sesquiterpene

– Pyrrolizidinalkaloide (PA)

Pyrrolizidinalkaloide sind toxikologisch relevant.

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre pharmakologische Wirkung auf das Gerinnungssystem dokumentiert.

 

 

Q2 – CYP-System

Pyrrolizidinalkaloide können über hepatische CYP-Enzyme metabolisch aktiviert werden.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale pharmakologische Achse beschrieben.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine etablierte immunmodulatorische therapeutische Wirkung.

 

 

Q5 – Kardio

Keine primäre kardiovaskuläre Wirkachse.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Wirkung dokumentiert.

 

 

Q7 – Gastro

Traditionell reizlindernd bei Schleimhautreizungen aufgrund der enthaltenen Schleimstoffe.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine hormonelle Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Wirkung dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine relevante dermatologische therapeutische Achse.

 

 

Q11 – Hepatische Risikodimension

Primäre Interaktionsachse

Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide

Sekundäre Achse

Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme

Mechanismus

Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber zu reaktiven Metaboliten aktiviert, die zelluläre Proteine und Endothelstrukturen schädigen können. Dadurch können hepatocelluläre Schäden sowie vaskuläre Lebererkrankungen entstehen.

Klinische Relevanz

– Leberschäden bei chronischer Aufnahme möglich

– Risiko bei nicht PA-freien Präparaten

– regulatorische Beschränkungen in mehreren Ländern

Evidenzklassifikation

E2–E3

(toxikologische Studien, pharmakovigilante Berichte)

Risikostufe im Leber-Cluster

Moderat bis hoch (abhängig vom PA-Gehalt)

Besondere Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– Kinder

– Schwangerschaft

– langfristige Anwendung nicht kontrollierter Pflanzenpräparate

 

 

Q12 – Genotoxische / kanzerogene Risikodimension

Primäre Interaktionsachse

Genotoxisches Risiko durch Pyrrolizidinalkaloide

Sekundäre Achse

Chronische Aufnahme über pflanzliche Produkte

 

Mechanismus

Reaktive Pyrrol-Metaboliten können DNA-Addukte bilden und mutagene Prozesse auslösen.

Klinische Relevanz

– langfristige Exposition kann genotoxische Effekte verursachen

– PA-freie Züchtungen werden bevorzugt verwendet

– regulatorische Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide etabliert

 

Evidenzklassifikation

E2–E3

(toxikologische Studien, regulatorische Bewertungen)

Risikostufe im Toxikologie-Cluster

Moderat

Besondere Risikogruppen

– Kinder

– Schwangere

– chronische Exposition über pflanzliche Produkte

 

Pharmakokinetische Hinweise

Pyrrolizidinalkaloide werden nach intestinaler Aufnahme hepatisch metabolisiert.

Toxische Effekte resultieren aus bioaktivierten Metaboliten.

 

Methodische Einordnung

Huflattich besitzt traditionell verwendete schleimhautreizlindernde Eigenschaften.

Aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide ist die Anwendung jedoch sicherheitsrelevant, weshalb moderne Präparate häufig PA-freie Züchtungen verwenden.

 

Quellen

EMA Assessment Report – Tussilago farfara

EFSA Scientific Opinion on Pyrrolizidine Alkaloids

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 034

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/huflattich

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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