Protokollübersicht: KR-090

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Conium maculatum

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Apiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– gesamte Pflanze toxikologisch relevant

– besonders Samen und junge Triebe

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Coniin

– γ-Conicein

– Conhydrin

– Piperidin-Alkaloide

Coniin ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Die Alkaloide werden überwiegend hepatisch metabolisiert.

Die klinische Toxizität beruht jedoch primär auf direkter neurotoxischer Wirkung.

 

 

Q3 – CNS

Frühe neurologische Symptome können sein:

– Schwindel

– Tremor

– Koordinationsstörungen

– Krampfanfälle

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Bei schweren Vergiftungen möglich:

– Bradykardie

– Kreislaufkollaps

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Frühsymptome können sein:

– Übelkeit

– Erbrechen

– Speichelfluss

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontakt mit Pflanzensäften kann gelegentlich leichte Hautreizungen verursachen.

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine primäre hepatotoxische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine relevante genotoxische Primärachse dokumentiert.

 

 

Q13 – Reproduktion

Tierexperimentelle Studien zeigen teratogene Effekte der Alkaloide bei bestimmten Tierarten.

Embryotoxische Wirkungen werden auf neuromuskuläre Blockade während der Entwicklung zurückgeführt.

 

 

Q14 – Neuromuskuläre Neurotoxizität (Primärachse)

Coniin wirkt als Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren.

Folgen:

– neuromuskuläre Blockade

– aufsteigende Lähmung

– Atemlähmung

Die Vergiftung verläuft klassisch mit aufsteigender schlaffer Paralyse.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Piperidin-Alkaloide werden rasch resorbiert.

Vergiftungen entstehen häufig durch:

– Verwechslung mit essbaren Doldenblütlern

– Aufnahme junger Pflanzen

– Verunreinigungen in Wildsammlungen

 

Risikogruppen

– Sammler von Wildpflanzen

– Kinder

– Personen ohne botanische Bestimmungserfahrung

 

Methodische Einordnung

Der Gefleckte Schierling gehört zu den klassischen alkaloidhaltigen Giftpflanzen Europas.

Die toxikologische Bedeutung liegt in der neuromuskulären Blockade durch Coniin, die zu respiratorischer Lähmung führen kann.

Historisch bekannt ist die Pflanze als Gift im Zusammenhang mit der Hinrichtung von Sokrates.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Toxicological Assessments

European Pharmacopoeia

Panter KE – Conium maculatum Toxicity

Toxicological Reviews on Piperidine Alkaloids

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 090

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/schierling⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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