Protokollübersicht: KR-100
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Colchicum autumnale
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Colchicaceae
Synonyme:
– Herbstzeitlose
– Wiesensafran
Verwendete Pflanzenteile:
– Samen (Colchici semen)
– Knolle (Colchici tuber)
Alle Pflanzenteile sind toxisch.
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Colchicin
– Demecolcin
– Colchicosid
– Tropolon-Alkaloide
Colchicin ist der toxikologisch und pharmakologisch leitende Wirkstoff.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.
Q2 – CYP-System
Colchicin wird metabolisiert über:
– CYP3A4
– P-Glykoprotein
Interaktionen mit CYP3A4-Hemmern können zu toxischen Colchicinspiegeln führen.
Q3 – CNS
Neurologische Symptome können auftreten bei Intoxikation:
– Verwirrtheit
– neurologische Schwäche
– periphere Neuropathien
Diese treten meist sekundär bei systemischer Toxizität auf.
Q4 – Immunsystem
Colchicin hemmt:
– neutrophile Migration
– inflammatorische Signalwege
Dies ist Grundlage der therapeutischen Anwendung bei Gicht.
Q5 – Kardio
Bei schwerer Vergiftung möglich:
– Herzrhythmusstörungen
– kardiovaskulärer Kollaps
Q6 – Renal
Akute Nierenschädigung möglich im Rahmen systemischer Intoxikation.
Q7 – Gastro (Frühphase der Vergiftung)
Typische Symptome:
– schwere Übelkeit
– Erbrechen
– massive Diarrhö
– abdominale Schmerzen
Diese Symptome treten oft 6–24 Stunden nach Einnahme auf.
Q8 – Endokrin
Keine primäre endokrine Zielstruktur.
Q9 – Hämatologisch
Colchicin hemmt Zellteilung.
Folgen können sein:
– Knochenmarkdepression
– Leukopenie
– Thrombozytopenie
– aplastische Zustände
Q10 – Dermatologisch
Bei Intoxikation möglich:
– Haarausfall
– Hautreaktionen
Q11 – Hepatisch
Leberbeteiligung möglich im Rahmen systemischer Toxizität.
Q12 – Genotoxizität
Colchicin wirkt mitosehemmend durch Blockade der Mikrotubuli.
Die Substanz ist zytotoxisch und beeinflusst die Zellteilung.
Q13 – Reproduktion
Colchicin kann:
– embryotoxisch wirken
– Fehlbildungen verursachen
Schwangerschaft gilt als Kontraindikation.
Q14 – Neurotoxisch / Zytotoxisch (Primärachse)
Der zentrale Mechanismus:
Hemmung der Mikrotubuli-Polymerisation
Folgen:
– Störung der Zellteilung
– Nervenzellschädigung
– systemische Zelltoxizität
Vergiftungen verlaufen häufig in mehrphasigen Intoxikationssyndromen.
Q15 – Nahrungs-Arzneimittel-Interaktionsrisiko
Besonders gefährliche Interaktionen mit:
– CYP3A4-Hemmern
– P-Glykoprotein-Hemmern
Beispiele:
– Clarithromycin
– Verapamil
– Ciclosporin
– Ketoconazol
Diese können zu lebensbedrohlichen Colchicinspiegeln führen.
Pharmakokinetische Hinweise
Colchicin:
– wird schnell intestinal resorbiert
– stark hepatisch metabolisiert
– über biliäre und renale Wege eliminiert
Die Substanz besitzt eine extrem enge therapeutische Breite.
Risikogruppen
– Patienten mit Niereninsuffizienz
– Patienten mit Lebererkrankungen
– gleichzeitige CYP3A4-Medikation
– ältere Patienten
– Kinder
Methodische Einordnung
Die Herbstzeitlose gehört zu den toxikologisch relevantesten Arzneipflanzen Europas.
Die pharmakologische Bedeutung beruht auf Colchicin, das therapeutisch eingesetzt wird, jedoch aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite ein hohes Intoxikationsrisiko besitzt.
Die Pflanze wird im K&R-System primär dem Cluster Q14 zugeordnet.
Quellen
EMA Herbal Monograph – Colchicum autumnale
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
ESCOP Monographs
Goldfrank's Toxicologic Emergencies
European Poison Centre Reports
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. K&R 100
Version 3.0 – Stand: März 2026
Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/herbstzeitlose�
Abrufdatum: [2026.03.14]
Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.
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