Protokollübersicht: KR-088
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Datura stramonium
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Solanaceae
Verwendete Pflanzenteile:
– Blätter
– Samen
– gesamte Pflanze toxikologisch relevant
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Scopolamin
– Hyoscyamin
– Atropin
– Tropanalkaloide
Hyoscyamin und Scopolamin sind toxikologisch leitend.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.
Q2 – CYP-System
Tropanalkaloide werden überwiegend hepatisch metabolisiert.
Relevante klinische Interaktionen über CYP-Systeme sind selten dokumentiert.
Q3 – CNS (Primärachse)
Zentrale anticholinerge Neurotoxizität.
Mechanismus:
Blockade muskarinerger Acetylcholinrezeptoren im zentralen Nervensystem.
Typische Symptome:
– Halluzinationen
– Delir
– Desorientierung
– Agitation
– Krampfanfälle
Stechapfelvergiftungen sind weltweit dokumentiert.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.
Q5 – Kardio
Anticholinerge Effekte können verursachen:
– Tachykardie
– Herzrhythmusstörungen
– Hypertonie
Q6 – Renal
Harnverhalt möglich durch anticholinerge Wirkung auf die Blasenmuskulatur.
Q7 – Gastro
Anticholinerge Effekte:
– Mundtrockenheit
– verminderte Darmmotilität
– Obstipation
Q8 – Endokrin
Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Typisch im Rahmen des anticholinergen Syndroms:
– trockene Haut
– verminderte Schweißsekretion
– Hautrötung
Q11 – Hepatisch
Keine primäre hepatotoxische Wirkachse beschrieben.
Q12 – Genotoxizität
Keine relevante genotoxische Primärachse dokumentiert.
Q13 – Reproduktion
Tropanalkaloide sind plazentagängig.
Aufgrund der starken anticholinergen Wirkung gilt eine Anwendung während der Schwangerschaft als kontraindiziert.
Q14 – Anticholinerge Neurotoxizität (Primärachse)
Blockade muskarinerger Rezeptoren führt zum anticholinergen Syndrom.
Typische Vergiftungssymptome:
– Mydriasis
– Delir
– Halluzinationen
– Hyperthermie
– Tachykardie
Pharmakokinetische Hinweise
Tropanalkaloide werden rasch resorbiert und wirken sowohl zentral als auch peripher.
Vergiftungen treten häufig auf durch:
– Aufnahme der Samen
– Verwechslung mit essbaren Pflanzen
– missbräuchliche Verwendung wegen halluzinogener Effekte
Risikogruppen
– Kinder
– Jugendliche bei experimentellem Konsum
– Patienten mit Glaukom
– Patienten mit Prostatahyperplasie
– Schwangerschaft
Methodische Einordnung
Stechapfel gehört zu den klassischen tropanalkaloidhaltigen Giftpflanzen.
Die toxikologische Bedeutung liegt im anticholinergen Syndrom, das durch zentrale und periphere Blockade muskarinerger Rezeptoren verursacht wird.
Quellen
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
EMA Herbal Monographs
European Pharmacopoeia
Chan TYK – Datura poisoning
Toxicological Reviews on Tropane Alkaloids
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. K&R 088
Version 3.0 – Stand: März 2026
Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/stechapfel�
Abrufdatum: 14.03.2026
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