Protokollübersicht: KR-095

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

 

Staphisagria macrosperma

(Syn.: Delphinium staphisagria)

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Ranunculaceae. Das Stephanskraut ist eine giftige Art aus der Gattung Staphisagria; die Pflanzenteile, besonders die Samen, enthalten toxische Diterpen-Alkaloide. 

 

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Samen („Stephanskörner“)

– historisch auch oberirdische Pflanzenteile

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Delphinin

– Staphisin

– Isoatizin-Derivate

– Atisin-/Neolin-/Chasmanin-Derivate

Die toxikologische Leitstruktur ist vor allem Delphinin; tödliche Dosen führen nach Krämpfen und Paralyse zu Atemlähmung und Herzstillstand. 

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

Belastbare klinische Interaktionen mit Antikoagulanzien sind nicht belegt.

 

 

Q2 – CYP-System

Keine klinisch definierte Primärachse über CYP-Systeme.

Die Haupttoxizität beruht auf direkter Alkaloidwirkung, nicht auf einer bekannten dominanten Enzyminteraktion. Diese Einordnung ist eine toxikologische Ableitung aus den verfügbaren Beschreibungen. 

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Stephanskraut gehört zu den neurotoxischen Alkaloidpflanzen. Für Delphinin wird eine Aconitin-ähnliche Wirkung beschrieben; klinisch relevant sind:

– Parästhesien

– klonische Krämpfe

– Lähmungserscheinungen

– zentrale respiratorische Gefährdung

Die Hauptgefahr liegt in der fortschreitenden neurotoxischen Symptomatik. 

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Bei schwerer Intoxikation kann es zu Herzstillstand kommen.

Kardiale Effekte erscheinen toxikologisch relevant, stehen aber sekundär hinter der neurotoxischen Hauptachse. 

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Unspezifische gastrointestinale Beschwerden sind möglich, stehen jedoch nicht im Vordergrund der bekannten Toxizität.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Bei Hautkontakt sind starke Entzündungsreaktionen beschrieben. Damit ist eine lokale irritative bzw. dermatologische Relevanz gegeben. 

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine primäre hepatotoxische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine belastbare primäre genotoxische Achse belegt.

 

 

Q13 – Reproduktion

Keine gut belegte primäre reproduktionstoxische Achse verfügbar.

Aufgrund der ausgeprägten Gesamttoxizität ist eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Diese Einordnung ist vorsorglich-toxikologisch.

 

 

Q14 – Neurotoxische Alkaloid-Achse (Primärachse)

Stephanskraut ist ein klarer Q14-Fall.

Die Samen enthalten hochtoxische Alkaloide; die Wirkung wird als aconitinähnlich beschrieben. Klinisch dominieren Krämpfe, Paralyse, Atemlähmung und bei schweren Verläufen Herzstillstand. 

 

Pharmakokinetische Hinweise

Die höchste toxikologische Relevanz liegt in den Samen. Diese enthalten die Hauptalkaloide in relevanter Konzentration; Tiervergiftungen sind beschrieben. 

 

Risikogruppen

– Kinder

– Personen mit unbeabsichtigter Samenaufnahme

– Tiervergiftungen / Weidetiere

– Personen ohne botanische Bestimmungserfahrung

 

Methodische Einordnung

Stephanskraut ist keine moderne Standard-Arzneipflanze, sondern vor allem eine toxikologisch relevante historische Pflanze. Für K&R ist sie methodisch als neurotoxische Hochrisikopflanze mit Schwerpunkt auf den Samen einzuordnen. Die Risikobewertung stützt sich vor allem auf botanisch-toxikologische Literatur und historische Giftbeschreibungen. 

Wikipedia +1

 

Quellen

Wikipedia – Stephanskraut / Staphisagria macrosperma 

Similasan – Stephanskraut / Hauptalkaloid Delphinin 

NetDoktor – Staphisagria / Giftigkeit der Samen 

Springer – Rittersporn, Stephanskraut 

Wikipedia

similasan.swiss

netDoktor

Springer

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 095

Version 1.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/stephanskraut

Abrufdatum: 14.03.2026

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.