Protokollübersicht: KR-087

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Atropa belladonna

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Solanaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Blätter (Belladonnae folium)

– Wurzel (Belladonnae radix)

– gesamte Pflanze toxikologisch relevant

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Atropin

– Scopolamin

– Hyoscyamin

– Tropanalkaloide

Atropin / Hyoscyamin sind toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Tropanalkaloide werden überwiegend hepatisch metabolisiert.

Relevante CYP-Interaktionen sind klinisch selten beschrieben.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Zentrale anticholinerge Wirkung.

Blockade muskarinerger Acetylcholinrezeptoren.

Beschriebene Symptome:

– Delir

– Halluzinationen

– Desorientierung

– Agitation

– Krampfanfälle

Schwere Vergiftungen sind dokumentiert.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Anticholinerge Effekte können verursachen:

– Tachykardie

– Herzrhythmusstörungen

– Hypertonie

 

 

Q6 – Renal

Harnretention möglich durch anticholinerge Wirkung.

 

 

Q7 – Gastro

Typische anticholinerge Effekte:

– Mundtrockenheit

– verminderte Darmmotilität

– Obstipation

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Anticholinerge Effekte können verursachen:

– trockene Haut

– verminderte Schweißsekretion

– Hautrötung

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine primäre hepatotoxische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine relevante genotoxische Primärachse dokumentiert.

 

 

Q13 – Reproduktion

Für Tropanalkaloide bestehen Hinweise auf plazentagängige Wirkungen.

Anwendung während der Schwangerschaft gilt als kontraindiziert.

 

 

Q14 – Anticholinerge Neurotoxizität (Primärachse)

Blockade muskarinerger Rezeptoren führt zu:

– zentralem anticholinergem Syndrom

– neurologischen und kardiovaskulären Effekten

Typisches Vergiftungsbild:

„anticholinerges Syndrom“.

Pharmakokinetische Hinweise

Tropanalkaloide werden rasch resorbiert.

Vergiftungen können auftreten durch:

– Aufnahme der Beeren

– Pflanzenverwechslung

– traditionelle Anwendungen

Besonders Kinder sind gefährdet.

 

Risikogruppen

– Kinder

– Personen mit neurologischen Erkrankungen

– Patienten mit Glaukom

– Patienten mit Prostatahyperplasie

– Schwangerschaft

 

Methodische Einordnung

Die Tollkirsche gehört zu den klassischen alkaloidhaltigen Giftpflanzen Europas.

Die pharmakologische Bedeutung liegt in der anticholinergen Wirkung von Atropin, das sowohl therapeutisch als auch toxikologisch relevant ist.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Herbal Monographs

European Pharmacopoeia

Chan TYK – Poisoning by Atropa belladonna

IARC Toxicological Reviews

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 087

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/tollkirsche⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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