Protokollübersicht: KR-060

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Phyllanthus niruri

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix verbindlich)

 

Botanische Identität

 

Familie: Phyllanthaceae

Verwendete Pflanzenteile: Ganzes Kraut (Herba)

 

Synonyme: Chanca piedra, „Steinbrecher“

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Lignane (z. B. Phyllanthin, Hypophyllanthin)

– Ellagitannine

– Flavonoide

– Alkaloide

– Gerbstoffe

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine konsistente klinische Evidenz für relevante pro- oder antikoagulative Effekte.

Einzelne in-vitro-Daten zeigen mögliche Hemmung der Thrombozytenaggregation, jedoch ohne gesicherte Humanrelevanz.

Einordnung:

Keine primäre Gerinnungspflanze. Vorsicht bei Antikoagulation mangels standardisierter Daten.

 

 

Q2 – CYP-System

In-vitro-Hinweise auf Modulation einzelner CYP-Isoenzyme (u. a. CYP3A4).

Keine belastbaren Humanstudien zur klinischen Interaktionsrelevanz.

Bewertung:

Potenzielle, aber nicht gesicherte Interaktionsachse.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

Tierexperimentelle Hinweise auf mögliche neuroprotektive Effekte; klinisch nicht belegt.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinische Daten zeigen antivirale und immunmodulatorische Effekte (u. a. in-vitro gegen Hepatitis-B-Modelle).

Klinische Evidenz heterogen und methodisch limitiert.

Bewertung:

Experimentelle Datenlage vorhanden, keine gesicherte therapeutische Immunwirkung.

 

 

Q5 – Kardio

Tierexperimentelle Hinweise auf antihypertensive Effekte.

Keine konsistente hochwertige Humanstudienlage.

 

 

Q6 – Renal (Primäre Achse)

Untersuchte Effekte:

– Hemmung der Kristallaggregation (Calciumoxalat) in experimentellen Modellen

– Spasmolytische Effekte auf Harnwege in Tierstudien

Humanstudien:

Kleine Studien zur Unterstützung bei Nephrolithiasis; methodisch heterogen.

Bewertung:

Renale Achse ist die zentrale funktionelle Zuordnung, jedoch mit begrenzter Evidenzqualität.

 

 

Q7 – Gastro

Traditionelle Anwendung bei dyspeptischen Beschwerden.

Einzelne Studien zu hepatoprotektiven Effekten, jedoch keine robuste klinische Absicherung.

 

 

Q8 – Endokrin

Tierexperimentelle Hinweise auf blutzuckersenkende Effekte.

Keine konsistenten hochwertigen Humanstudien zur antidiabetischen Wirksamkeit.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine gesicherte relevante Wirkung auf Blutbildparameter.

Keine konsistente klinische Evidenz für hämatologische Toxizität.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primär dermatologische Relevanz.

Allergische Reaktionen möglich, jedoch selten dokumentiert.

Pharmakokinetische Hinweise

Bioverfügbarkeit einzelner Lignane unzureichend charakterisiert.

Große Variabilität je nach Extraktstandardisierung.

 

Risikogruppen

– Patienten mit komplexer Dauermedikation (mögliche CYP-Modulation)

– Schwangerschaft und Stillzeit (unzureichende Daten)

– Nierenpatienten ohne ärztliche Begleitung

 

Methodische Einordnung

Die Datenlage ist überwiegend präklinisch oder basiert auf kleinen, heterogenen Humanstudien.

Standardisierte Extrakte sind uneinheitlich.

Die populäre Bezeichnung „Steinbrecher“ ist wissenschaftlich nicht gleichbedeutend mit klinisch gesicherter Litholyse.

 

Quellen

EMA Herbal Assessment (falls vorhanden, länderspezifisch prüfen).

Calixto JB et al. Phyllanthus species – pharmacological review.

Bagalkotkar G et al. Phyllanthus niruri: pharmacological review.

Randomisierte kleinere Studien zur Nephrolithiasis (verschiedene Autoren, heterogene Designs).

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 060

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/phyllanthus

Abrufdatum: 23.02.2026

 

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.