Protokollübersicht: KR-016

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Vaccinium macrocarpon

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Ericaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Frucht (Cranberry), Extrakte standardisiert auf Proanthocyanidine (PAC)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– A-Typ-Proanthocyanidine (PAC)

– Flavonoide

– Anthocyane

– Organische Säuren (z. B. Benzoesäure, Chininsäure)

 

Q1 – Gerinnung

Einzelfallberichte über INR-Erhöhungen bei gleichzeitiger Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten.

Mechanismus nicht eindeutig geklärt.

Vorsicht bei:

– Warfarin

– Phenprocoumon

Evidenzlage inkonsistent, jedoch klinisch relevant genug für Risikoabwägung.

 

 

Q2 – CYP-System

In-vitro-Hinweise auf mögliche CYP2C9-Modulation.

Klinische Relevanz nicht konsistent belegt.

Interaktionsdiskussion primär im Kontext von Antikoagulanzien.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

Keine gesicherte neuroaktive Wirkung.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine konsistente immunmodulierende Primärachse.

Antioxidative Effekte präklinisch beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Untersuchungen zu Lipidprofil und Gefäßfunktion vorhanden.

Ergebnisse heterogen, keine etablierte kardiovaskuläre Therapie.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Wirkung belegt.

Vorsicht bei Neigung zu Oxalat-Nierensteinen (Oxalatgehalt relevant bei hochdosierten Produkten).

 

 

Q7 – Gastro

In der Regel gut verträglich.

Mögliche Nebenwirkungen:

– Magenbeschwerden

– Durchfall

Hoher Säuregehalt kann bei empfindlichen Personen Reizung verursachen.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine konsistent belegte hormonelle Wirkung.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine direkte hämatologische Toxizität beschrieben.

Indirekte Relevanz über mögliche Gerinnungsinteraktion (Q1).

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkachse.

Urogenital – Funktionelle Primärachse

 

Wirkmechanismus:

A-Typ-Proanthocyanidine hemmen die Adhärenz von E. coli an Uroepithelzellen.

 

Evidenzlage:

Untersuchungen zur Rezidivprophylaxe unkomplizierter Harnwegsinfekte.

Ergebnisse heterogen; Effektgröße moderat und populationsabhängig.

Wichtig:

Nicht geeignet zur Behandlung eines akuten bakteriellen Infekts.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Wirksamkeit abhängig vom PAC-Gehalt standardisierter Extrakte.

Fruchtsaft und Nahrungsergänzungsmittel stark variabel.

 

Risikogruppen

– Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten

– Personen mit Oxalat-Nierensteinneigung

– Schwangere (Daten begrenzt, keine klare Kontraindikation, aber fehlende Langzeitdaten)

 

Methodische Einordnung

Cranberry-Produkte sind stark heterogen hinsichtlich PAC-Gehalt und Standardisierung.

Studien zeigen moderate präventive Effekte bei bestimmten Populationen, jedoch keine konsistente Wirksamkeit in allen Gruppen.

Nicht gleichzusetzen mit antibiotischer Therapie.

 

Quellen

EMA Assessment Report: Vaccinium macrocarpon.

ESCOP Monographs.

Jepson RG et al. Cranberries for preventing urinary tract infections.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 016

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/cranberry

Abrufdatum: 23.02.2026

 

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.

 

Klinische Suchanfragen

 

Diese Monographie zu Cranberry (Vaccinium macrocarpon) beantwortet typische klinische Fragestellungen im Zusammenhang mit Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen.

 

Häufige Suchanfragen:

 

– Cranberry Nebenwirkungen  

– Cranberry Wechselwirkungen mit Medikamenten  

– Cranberry Kontraindikationen  

– Cranberry Risiken bei Multimedikation  

– Cranberry Wechselwirkung mit Antikoagulanzien / Warfarin  

– Cranberry Einfluss auf Gerinnung / INR-Veränderung  

– Cranberry Anwendung bei Harnwegsinfekten / klinische Evidenz  

– Cranberry Einfluss auf Nieren / Oxalat / Nierensteine  

– Cranberry gastrointestinale Nebenwirkungen  

– Cranberry klinische Relevanz und Evidenzlage  

 

Die Bewertung erfolgt anhand definierter Risikoachsen (Q1–Q15), mechanistischer Interaktionsachsen (A1–A6) sowie einer evidenzbasierten Klassifikation (E1–E4).