Cluster
CYP-Enzyme & Leber
Cluster Q2
K&R 001
Einjähriger Beifuß
Artemisa annua
Primäre Interaktionsachse:
CYP3A4-Induktion
Sekundäre Achse:
Autoinduktion / potenzielle Hepatotoxizität
Mechanismus:
Artemisinin wird über CYP3A4 metabolisiert und kann bei wiederholter Einnahme CYP3A4 induzieren. Zusätzlich tritt eine Autoinduktion auf, wodurch die eigene Bioverfügbarkeit sinkt. Eine Beteiligung von CYP2B6 ist möglich.
Klinische Relevanz:
– Verminderte Plasmaspiegel von CYP3A4-Substraten möglich
– Relevanz bei hormoneller Kontrazeption denkbar
– Potenzielle Interaktion mit antiretroviraler Therapie
– Einzelfälle von Transaminasenerhöhungen beschrieben
– Wirkung nimmt bei längerer Einnahme durch Autoinduktion ab
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (pharmakokinetische Studien, Fallberichte; E1 nur im Kontext standardisierter Antimalariatherapie)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Moderat
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Lebererkrankungen
– CYP3A4-abhängige Dauermedikation
– Hormonelle Kontrazeption
– Polypharmazie
K&R 002
Grapefruit
Citrus x paradisi
Primäre Interaktionsachse:
Irreversible CYP3A4-Hemmung (intestinal)
Sekundäre Achse:
Transporter-Modulation (P-Glykoprotein, OATP)
Mechanismus:
Furanocumarine wie Bergamottin hemmen intestinales CYP3A4 irreversibel. Dadurch steigt die Bioverfügbarkeit zahlreicher CYP3A4-Substrate. Der Effekt kann 24–72 Stunden anhalten, da eine Neusynthese des Enzyms erforderlich ist.
Klinische Relevanz:
– Deutlicher Spiegelanstieg bei Simvastatin und Atorvastatin
– Verstärkte Wirkung von Calciumkanalblockern
– Sedierungszunahme bei bestimmten Benzodiazepinen
– Spiegelanstieg bei Tacrolimus und Ciclosporin möglich
– Relevanz auch bei Arzneimitteln mit engem therapeutischem Fenster
Evidenzklassifikation:
E1–E2 (kontrollierte Humanstudien mit klarer pharmakokinetischer Relevanz)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Hoch
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit CYP3A4-abhängiger Dauermedikation
– Transplantierte
– Ältere mit Polypharmazie
– Medikamente mit engem therapeutischem Fenster
K&R 003
Goldenseal
Hydrastis canadensis
Primäre Interaktionsachse:
CYP3A4- und CYP2D6-Hemmung
Sekundäre Achse:
P-Glykoprotein-Modulation
Mechanismus:
Die Alkaloide, insbesondere Berberin, hemmen CYP3A4 und CYP2D6. Dadurch kann der Metabolismus zahlreicher Arzneistoffe verlangsamt werden. In der Folge steigen Plasmaspiegel empfindlicher Substanzen. Zusätzlich ist eine Modulation von P-Glykoprotein beschrieben.
Klinische Relevanz:
– Erhöhte Spiegel von CYP3A4-Substraten (z. B. bestimmte Statine, Calciumkanalblocker)
– Erhöhte Spiegel von CYP2D6-Substraten (z. B. einige Antidepressiva, Betablocker)
– Risiko steigt bei Polypharmazie
– Besonders relevant bei Arzneimitteln mit engem therapeutischem Fenster
Evidenzklassifikation:
E2 (Humanstudien mit pharmakokinetischen Parametern) + E3 (in vitro)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Moderat bis hoch
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit CYP3A4- oder CYP2D6-abhängiger Dauermedikation
– Polypharmazie
– Arzneimittel mit engem therapeutischem Fenster
K&R 004
Kava
Piper methysticum
Primäre Interaktionsachse:
Hepatotoxizität
Sekundäre Achse:
CYP2C9- und CYP2C19-Hemmung
Mechanismus:
Kavalactone können hepatische Stoffwechselwege beeinflussen. Zusätzlich sind Hemmungen von CYP2C9 und CYP2C19 beschrieben. Klinisch relevanter ist jedoch das dokumentierte Risiko für Leberschädigung bis hin zum Leberversagen. Der Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, vermutlich multifaktoriell (Metaboliten, Extraktqualität, individuelle Prädisposition).
Klinische Relevanz:
– Dokumentierte Fälle von Hepatitis und Leberversagen
– Erhöhtes Risiko bei Kombination mit Alkohol oder anderen hepatotoxischen Substanzen
– Potenzielle Interaktion mit Warfarin (CYP2C9)
– Additive Sedierung bei Kombination mit zentral dämpfenden Arzneimitteln
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (Fallserien, pharmakovigilante Daten, pharmakokinetische Studien)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Hoch
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Polypharmazie
– Alkoholgebrauch
– Einnahme hepatotoxischer Medikamente
K&R 005
Mariendistel
Silybum marianum
Primäre Interaktionsachse:
Schwache CYP3A4- und CYP2C9-Modulation
Sekundäre Achse:
Transporter-Modulation (P-Glykoprotein, OATP)
Mechanismus:
Silymarin-Komponenten zeigen in vitro eine Hemmung von CYP3A4 und CYP2C9 sowie eine Modulation von Arzneistofftransportern. Klinische Relevanz ist meist gering bis moderat und extraktabhängig.
Klinische Relevanz:
– Theoretische Beeinflussung von Warfarin (CYP2C9)
– Potenzielle Interaktion mit CYP3A4-Substraten
– Hypoglykämierisiko bei Kombination mit Antidiabetika möglich
– Keine ausgeprägte intrinsische Hepatotoxizität dokumentiert
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (Humanstudien mit metabolischen Parametern, in vitro-Daten)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Niedrig bis moderat
Besondere Risikogruppen:
– Patienten unter Warfarin
– Polypharmazie mit CYP3A4-Substraten
– Diabetiker unter medikamentöser Therapie
K&R 006
Grüner Tee
Camellia sinensis
Primäre Interaktionsachse:
OATP-Transporter-Hemmung
Sekundäre Achse:
Potenzielle Hepatotoxizität bei hochdosierten Extrakten
Mechanismus:
Catechine, insbesondere EGCG, können intestinale OATP-Transporter hemmen und dadurch die Resorption bestimmter Arzneimittel vermindern. In vitro sind zudem schwache CYP-Modulationen beschrieben. Bei hochkonzentrierten Extrakten wurden hepatotoxische Reaktionen dokumentiert.
Klinische Relevanz:
– Verminderte Resorption bestimmter OATP-Substrate (z. B. Nadolol)
– Theoretische INR-Beeinflussung durch Vitamin-K-Gehalt
– Dokumentierte Transaminasenerhöhungen bei hochdosierten Extrakten
– Teeaufgüsse deutlich risikoärmer als standardisierte Extrakte
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (Humanstudien zu Transporterinteraktionen, Fallberichte zur Hepatotoxizität)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Moderat (extraktabhängig)
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Hochdosierte Extraktanwendung
– Polypharmazie
– Kombination mit hepatotoxischen Medikamenten
K&R 007
Schöllkraut
Chelidonium majus
Primäre Interaktionsachse:
Direkte Hepatotoxizität
Sekundäre Achse:
Additive Leberbelastung bei Polypharmazie
Mechanismus:
Isochinolin-Alkaloide können zu lebertoxischen Reaktionen führen. Der Mechanismus ist nicht vollständig geklärt; diskutiert werden idiosynkratische oder immunvermittelte Prozesse. Eine ausgeprägte CYP-Modulation steht nicht im Vordergrund.
Klinische Relevanz:
– Dokumentierte Fälle von Hepatitis und Transaminasenerhöhungen
– Reversible, teils schwer verlaufende Leberschäden beschrieben
– Erhöhtes Risiko bei Kombination mit hepatotoxischen Arzneimitteln oder Alkohol
– Nicht primär enzymatisch bedingt, sondern toxikologisch
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (Fallserien, pharmakovigilante Daten)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Hoch
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Lebererkrankung
– Polypharmazie
– Alkoholgebrauch
– Einnahme hepatotoxischer Medikamente
K&R 008
Ashwagandha
Withania somnifera
Primäre Interaktionsachse:
Potenzielle Hepatotoxizität
Sekundäre Achse:
Theoretische CYP3A4-/CYP2D6-Modulation
Mechanismus:
Withanolide stehen im Verdacht, idiosynkratische oder immunvermittelte Leberreaktionen auszulösen. Mehrere Fallberichte beschreiben akute, meist reversible Hepatitiden. In vitro wurden Modulationen von CYP3A4 und CYP2D6 beobachtet, klinische Relevanz ist jedoch nicht eindeutig belegt.
Klinische Relevanz:
– Dokumentierte Fälle von Transaminasenerhöhungen und Hepatitis
– Risiko erhöht bei Kombination mit hepatotoxischen Arzneimitteln
– Additive Sedierung bei zentral dämpfenden Substanzen möglich
– Schilddrüsenhormon-Veränderungen beschrieben
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (Fallberichte, pharmakovigilante Daten, mechanistische Studien)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Moderat
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Lebererkrankung
– Polypharmazie
– Kombination mit hepatotoxischen Medikamenten
– Schilddrüsenerkrankungen
K&R 009
Pfefferminze
Mentha x piperita
Primäre Interaktionsachse:
Schwache CYP3A4-Modulation
Sekundäre Achse:
Theoretische CYP2C9- und P-Glykoprotein-Interaktion
Mechanismus:
Menthol und andere Monoterpene zeigen in vitro Hinweise auf CYP3A4- und CYP2C9-Modulation. Klinische Relevanz ist bei normalem Teekonsum gering, kann jedoch bei hochdosierten ätherischen Ölen oder Kapselpräparaten zunehmen.
Klinische Relevanz:
– Theoretische Spiegelveränderungen bei CYP3A4-Substraten
– Vereinzelte INR-Veränderungen unter Warfarin berichtet
– Formulierungsabhängige Unterschiede (Tee vs. ätherisches Öl)
– Keine relevante intrinsische Hepatotoxizität bei therapeutischer Dosierung
Evidenzklassifikation:
E2–E3 (begrenzte Humanstudien, in vitro-Daten)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Niedrig bis moderat (formulierungsspezifisch)
Besondere Risikogruppen:
– Patienten unter Warfarin
– Polypharmazie mit CYP3A4-Substraten
– Hochdosierte ätherische Öl-Anwendung
K&R 010
Johanniskraut
Hypericum perforatum
Primäre Interaktionsachse:
CYP3A4-Induktion
Sekundäre Achse:
P-Glykoprotein-Induktion
Mechanismus:
Hyperforin aktiviert den Pregnan-X-Rezeptor (PXR) und induziert CYP3A4 sowie P-Glykoprotein. Dadurch wird der Metabolismus zahlreicher Arzneimittel beschleunigt. Plasmaspiegel sinken, Wirkverlust ist möglich. Die Induktion entwickelt sich über mehrere Tage und kann bis zu zwei Wochen nach Absetzen persistieren.
Klinische Relevanz:
– Wirkverlust hormoneller Kontrazeptiva
– Reduzierte Spiegel von Immunsuppressiva (z. B. Tacrolimus, Ciclosporin)
– Abschwächung antiretroviraler Therapie
– Verminderte Wirkung bestimmter Antikoagulanzien
– Relevanz bei vielen CYP3A4-abhängigen Substanzen
Evidenzklassifikation:
E1–E2 (klinisch dokumentierte Interaktionen mit harten Endpunkten)
Risikostufe im CYP-/Leber-Cluster:
Hoch
Besondere Risikogruppen:
– Patienten mit Dauermedikation über CYP3A4
– Transplantierte
– Hormonelle Kontrazeption
– HIV-Therapie
– Polypharmazie