Protokollübersicht: KR-002

Erstellt: 2026.02.04

Version 1.0

 


Artemisia annua

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix verbindlich)

Botanische Identität

Familie: Asteraceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Herba), blühende Sprossspitzen

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Artemisinin (Sesquiterpenlacton mit Endoperoxid-Brücke)

– Weitere Sesquiterpenlactone

– Flavonoide

– Ätherisches Öl (u. a. Campher, 1,8-Cineol)

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine belastbaren Humanstudien zur relevanten Beeinflussung der plasmatischen Gerinnung durch Krautpräparate.

Für isolierte Artemisinin-Derivate keine konsistente klinisch relevante Gerinnungshemmung belegt.

 

Einordnung:

Keine primäre gerinnungsaktive Pflanze, dennoch Vorsicht bei Antikoagulation mangels Standardisierung.

 

 

Q2 – CYP-System

Mechanismus

Induktionshinweise für CYP3A4 und CYP2B6 durch isoliertes Artemisinin.

Autoinduktion bei wiederholter Gabe beschrieben.

Potenzielle Interaktionspartner

– Orale Kontrazeptiva

– Immunsuppressiva

– Antikonvulsiva

– Bestimmte Antikoagulanzien

Evidenzlage

Pharmakokinetische Humanstudien zu isoliertem Wirkstoff.

Keine valide Datenlage für nicht standardisierte Teezubereitungen.

 

Relevanz:

Primäre Interaktionsachse dieser Pflanze.

 

 

Q3 – CNS

Tierexperimentelle Hinweise auf neurotoxische Effekte bestimmter Artemisinin-Derivate bei hohen Dosen.

Für pflanzliche Zubereitungen keine robuste Humanstudienlage.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinische Daten zeigen immunmodulatorische Effekte in vitro.

Keine belastbare klinische Evidenz für immunstimulierende oder immunsuppressive Wirkung von Krautpräparaten.

 

 

Q5 – Kardio

Keine konsistente klinische Evidenz für direkte kardiale Effekte von Artemisia-annua-Kraut.

 

 

QT-relevante Effekte betreffen primär bestimmte Derivate in Kombinationstherapien, nicht standardisierte Teezubereitungen.

 

 

Q6 – Renal

Keine gesicherte nephrotoxische Wirkung bei standardisierten therapeutischen Dosen isolierter Derivate.

Für Krautpräparate unzureichende systematische Daten.

 

 

Q7 – Gastro

Berichtet: Übelkeit, abdominale Beschwerden unter Artemisinin-Derivaten.

Keine standardisierte Nebenwirkungsdokumentation für frei erhältliche Pflanzenzubereitungen.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine belastbare Humanstudienlage zu relevanten endokrinen Effekten.

Interaktionen über CYP-Achse indirekt möglich (z. B. hormonelle Kontrazeptiva).

 

 

Q9 – Hämatologisch

Einzelfallberichte unter Artemisinin-Derivaten:

– Hämolyse

– Retikulozytopenie

Keine systematische Datengrundlage für unstandardisierte Pflanzenzubereitungen.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primär dermatologisch relevante Wirkachse.

Allergische Reaktionen möglich im Rahmen genereller Asteraceae-Sensitivität.

 

Pharmakokinetik

Kurze Eliminationshalbwertszeit von Artemisinin.

Autoinduktion hepatischer Enzyme möglich.

Nicht standardisierte Produkte zeigen erhebliche Wirkstoffschwankungen.

 

Risikogruppen

– Schwangerschaft (Daten differenziert nur für standardisierte Arzneiformen)

– Stillzeit (unzureichende Daten)

– Patienten mit CYP-abhängiger Dauermedikation

– Selbstmedikation bei schweren Infektionen

 

Methodische Einordnung

Zentrale Differenz: isolierter arzneistoffbezogener Wirkstoff versus unstandardisierte Krautzubereitung.

Ohne Standardisierung keine reproduzierbare Dosis, keine verlässliche Interaktionsabschätzung, keine belastbare Sicherheitsbewertung.

 

Quellen

World Health Organization. Guidelines for the Treatment of Malaria, aktuelle Ausgabe.

Gordi T, Lepist EI. Artemisinin pharmacokinetics and metabolism.

Svensson USH et al. Autoinduction pharmacokinetics of artemisinin.

Efferth T. Pharmacology and toxicology of artemisinin and derivatives.

European Medicines Agency (EMA). Assessment Reports zu Artesunate und Artemether.

 

 


Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 002

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/Artemisa

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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