Protokollübersicht: KR-029

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Citrus × paradisi

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Rutaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Frucht, Saft

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Furanocumarine (v. a. Bergamottin, 6',7'-Dihydroxybergamottin)

– Flavonoide (Naringin, Naringenin)

– Vitamin C

– Organische Säuren

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungshemmende Wirkung.

Indirekte Relevanz über CYP3A4-Hemmung bei Antikoagulanzien möglich.

 

 

Q2 – CYP-System (hochrelevante Primärachse)

Grapefruit hemmt intestinales CYP3A4 irreversibel.

Zusätzlich Hemmung von P-Glykoprotein und OATP-Transportern.

Folge:

Erhöhte Bioverfügbarkeit zahlreicher Arzneistoffe.

Klinisch relevante Interaktionen u. a. mit:

– Statinen (z. B. Simvastatin, Atorvastatin)

– Calciumkanalblockern

– Benzodiazepinen

– Immunsuppressiva (z. B. Tacrolimus)

– Antiarrhythmika

– Einige Antikoagulanzien

Interaktion dosisabhängig, Wirkung kann 24–72 Stunden anhalten.

 

 

Q3 – CNS

Indirekte Relevanz durch erhöhte Spiegel ZNS-wirksamer Medikamente.

Keine primäre zentrale Wirkachse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunmodulierende Achse.

 

 

Q5 – Kardio

Indirekte Relevanz durch Interaktion mit kardiovaskulären Arzneimitteln.

Keine eigenständige therapeutische Herzindikation.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Wirkung.

Indirekte Relevanz über veränderte Arzneistoffspiegel.

 

 

Q7 – Gastro

Saft säurehaltig → mögliche Reizung bei empfindlichen Personen.

Sonst gut verträglich.

 

 

Q8 – Endokrin

Indirekte Relevanz bei hormonell wirksamen Arzneimitteln (CYP3A4-abhängig).

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine direkte hämatologische Toxizität.

Indirekte Interaktionen mit gerinnungsaktiven Arzneimitteln möglich.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Furanocumarine phototoxisch.

Photosensibilisierung bei hoher Exposition möglich (v. a. Hautkontakt mit Saft/Öl).

Pharmakokinetische Hinweise

Interaktion betrifft primär das intestinale CYP3A4, nicht hepatisches in gleichem Maß.

Schon ein Glas Saft kann relevante Effekte auslösen.

Wirkung hält mehrere Tage an, auch bei einmaliger Einnahme.

 

Risikogruppen

– Polypharmazie

– Statin-Therapie

– Immunsuppressive Therapie

– Antiarrhythmika

– Hochrisikokardiovaskuläre Patienten

 

Methodische Einordnung

Grapefruit ist eines der klinisch relevantesten Lebensmittel im Kontext arzneistoffbezogener Interaktionen.

Interaktion gut dokumentiert und pharmakokinetisch eindeutig.

Nicht alle Zitrusfrüchte zeigen diesen Effekt in gleichem Ausmaß.

 

Quellen

Bailey DG et al. Grapefruit–medication interactions.

EMA Assessment Reports zu CYP3A4-Substraten.

FDA Grapefruit Drug Interaction Safety Communication.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 029

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/grapefruit

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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