Protokollübersicht: KR-026

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Camellia sinensis

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Theaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (nicht fermentiert = Grüner Tee)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Catechine (v. a. Epigallocatechingallat – EGCG)

– Epicatechin

– Epigallocatechin

– Coffein

– L-Theanin

 

 

Q1 – Gerinnung

Catechine zeigen in vitro leichte Hemmung der Thrombozytenaggregation.

Klinische Relevanz in üblicher Teedosierung gering.

Vorsicht bei hochdosierten Extrakten in Kombination mit:

– Antikoagulanzien

– Thrombozytenaggregationshemmern

 

 

Q2 – CYP-System (Relevanzachse bei Extrakten)

EGCG kann CYP3A4 und CYP2C9 beeinflussen (präklinisch).

Coffein über CYP1A2 metabolisiert.

Interaktionspotenzial:

– Clozapin

– Theophyllin

– Antikoagulanzien

– Betablocker

Relevanz abhängig von Dosierung (Tee vs. hochdosierte Extrakte).

 

 

Q3 – CNS

Coffein:

– Zentrale Stimulation

– Wachheit

– Unruhe bei empfindlichen Personen

L-Theanin:

– Modulierende Effekte auf Aufmerksamkeit

Risiken:

– Schlafstörungen

– Tachykardie

– Nervosität

 

 

Q4 – Immunsystem

Antioxidative und antiinflammatorische Effekte präklinisch beschrieben.

Keine gesicherte immuntherapeutische Indikation.

 

 

Q5 – Kardio

Untersuchungen zu Lipidprofil und Endothelfunktion.

Epidemiologische Daten zeigen mögliche kardiovaskuläre Vorteile.

Keine Arzneimittelindikation.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Wirkung bei moderater Teezufuhr.

Hochdosierte Extrakte: seltene Berichte über hepatotoxische Ereignisse, nicht renal primär.

 

 

Q7 – Gastro

Hochdosierte Extrakte:

– Übelkeit

– Lebertoxizität (seltene, dokumentierte Fälle)

Teezubereitung meist gut verträglich.

 

 

Q8 – Endokrin

Beeinflussung des Glukosestoffwechsels diskutiert.

Keine gesicherte endokrine Therapieindikation.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Toxizität.

Indirekte Relevanz über Q1 bei Hochdosispräparaten.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkachse.

Topische antioxidative Anwendungen experimentell untersucht.

Pharmakokinetische Hinweise

Coffein rasch resorbiert.

EGCG-Bioverfügbarkeit begrenzt und stark dosisabhängig.

Extraktpräparate unterscheiden sich erheblich von traditioneller Teezubereitung.

 

Risikogruppen

– Lebererkrankungen (bei hochdosierten Extrakten)

– Herzrhythmusstörungen (Coffein)

– Schwangerschaft (Coffeinlimitierung)

– Polypharmazie mit CYP1A2-Substraten

 

Methodische Einordnung

Grüner Tee als Getränk ist nicht mit hochkonzentrierten Nahrungsergänzungsextrakten gleichzusetzen.

Hepatotoxizität wurde primär bei konzentrierten Extrakten beschrieben.

Epidemiologische Vorteile ersetzen keine medikamentöse Therapie.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Camellia sinensis folium.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Isomura T et al. Green tea and cardiovascular outcomes.

Mazzanti G et al. Hepatotoxicity from green tea extracts.

 


Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 026

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/grünertee

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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