Protokollübersicht: KR-072

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Chelidonium majus

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Papaveraceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Chelidonii herba), Milchsaft

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Isochinolin-Alkaloide

– Chelidonin

– Sanguinarin

– Berberin (geringe Mengen)

– Flavonoide

– Phenolcarbonsäuren

Alkaloide sind toxikologisch relevant.

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungshemmende Achse belegt.

 

 

Q2 – CYP-System

Alkaloide potenziell enzymmodulierend (präklinisch).

Klinische Interaktionsdaten begrenzt.

Interaktionspotenzial bei Polypharmazie nicht auszuschließen.

 

 

Q3 – CNS

Alkaloide wirken spasmolytisch auf glatte Muskulatur.

Keine primäre sedierende ZNS-Achse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine etablierte immuntherapeutische Indikation.

 

 

Q5 – Kardio

Keine konsistente kardiovaskuläre Primärachse.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Achse dokumentiert.

 

 

Q7 – Gastro (traditionelle Achse)

Spasmolytische Effekte im biliären System beschrieben.

Historische Anwendung bei:

– Gallenkoliken

– Dyspeptischen Beschwerden

 

 

Q8 – Endokrin

Keine hormonelle Wirkachse belegt.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch (topisch)

Milchsaft traditionell bei Warzen angewendet.

Risiken:

– Hautreizungen

– Kontaktdermatitis

– Nekrotische Reaktionen bei unsachgemäßer Anwendung

Hepatische Achse (Sicherheitsrelevant)

Mehrere Fallberichte über medikamentös induzierte Leberschädigung bei oraler Anwendung.

Risiko:

– Hepatitis

– Transaminasenanstieg

– Cholestatische Muster

EMA hat die Anwendung oral eingeschränkt.

Pharmakokinetische Hinweise

Alkaloidgehalt variabel.

Rohkraut ≠ standardisierter Extrakt.

Topische Anwendung ≠ orale Einnahme.

 

Risikogruppen

– Lebererkrankungen

– Polypharmazie

– Schwangerschaft

– Stillzeit

– Kinder

 

Methodische Einordnung

Schöllkraut besitzt spasmolytisches Potenzial, jedoch relevante hepatotoxische Fallberichte.

Orale Anwendung kritisch zu bewerten.

Topische Anwendung begrenzt und mit Vorsicht.

Sicherheitsachse hepatisch entscheidend.

 

Quellen

EMA Assessment Report: Chelidonium majus L., herba.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Stickel F et al. Hepatotoxicity of Chelidonium majus.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 072

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/schöllkraut

Abrufdatum: 23.02.2026

 

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.