Cluster
Dermatologisches & Bindegewebiges System
Cluster Q10
K&R 001
Aloe vera
(Aloe barbadensis Miller, topische Anwendung)
Primäre Interaktionsachse
Wundheilungsfördernde und antiinflammatorische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Beeinflussung der Hautbarriere; potenzielle Kontaktdermatitis bei sensiblen Personen.
Mechanismus
Polysaccharide (v. a. Acemannan) fördern Fibroblastenaktivität und Kollagensynthese.
Antiinflammatorische Effekte über Hemmung entzündlicher Mediatoren beschrieben.
Hydratisierende Wirkung durch Feuchtigkeitsbindung in der Epidermis.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei leichten Verbrennungen, Irritationen und oberflächlichen Wunden.
– Allergische oder irritative Reaktionen selten, aber möglich.
– Bei frischen, tiefen oder infizierten Wunden nicht ausreichend evidenzbasiert.
– Systemische Interaktionen bei topischer Anwendung nicht relevant.
Evidenzklassifizierung
Wundheilung (leichte Läsionen): E2
Antiinflammatorische Wirkung: E2
Kontaktdermatitis: E2
Besondere Risikogruppen
– Allergiker
– Atopische Dermatitis
– Offene, tiefe oder infizierte Wunden
– Säuglinge (hochkonzentrierte Produkte)
K&R 002
Ringelblume
(Calendula officinalis)
Primäre Interaktionsachse
Wundheilungsfördernde und antiinflammatorische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergisches Potenzial (Korbblütler).
Mechanismus
Triterpensaponine und Flavonoide hemmen proinflammatorische Mediatoren.
Förderung der Granulation und Epithelisierung in präklinischen und klinischen Modellen beschrieben.
Antimikrobielle Effekte leicht ausgeprägt.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei oberflächlichen Wunden, Dermatitis, leichten Verbrennungen.
– Unterstützung der Wundheilung bei intakter Immunlage.
– Kontaktdermatitis bei Korbblütler-Allergie möglich.
– Keine relevante systemische Interaktion bei topischer Anwendung.
Evidenzklassifizierung
Wundheilung: E2
Antiinflammatorische Effekte: E2
Allergische Reaktionen: E2
Besondere Risikogruppen
– Korbblütler-Allergie
– Atopische Haut
– Chronische oder infizierte Wunden
K&R 003
Kamille
(Matricaria chamomilla)
Primäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische und reizlindernde Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergisches Potenzial (Korbblütler).
Mechanismus
Bisabolol, Chamazulen und Flavonoide hemmen entzündliche Mediatoren (u. a. COX- und LOX-abhängige Signalwege).
Beruhigende Wirkung auf irritierte Haut; leichte antimikrobielle Effekte.
Barriereunterstützende Eigenschaften bei entzündlicher Dermatitis.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei leichten Ekzemen, irritativer Dermatitis und oberflächlichen Entzündungen.
– Kontaktallergien bei Sensibilisierung gegen Korbblütler möglich.
– Bei offenen oder stark exsudierenden Wunden begrenzte Evidenz.
– Systemische Interaktionen bei topischer Anwendung nicht relevant.
Evidenzklassifizierung
Antiinflammatorische Wirkung: E2
Dermatitis-Anwendung: E2
Kontaktallergien: E2
Besondere Risikogruppen
– Korbblütler-Allergie
– Atopische Dermatitis
– Hochsensible Haut
K&R 004
Hamamelis
(Hamamelis virginiana)
Primäre Interaktionsachse
Adstringierende und entzündungshemmende Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Barrierestabilisierende Effekte; potenzielle Hautreizung bei alkoholhaltigen Zubereitungen.
Mechanismus
Gerbstoffe (v. a. Hamamelitannine) führen zu Proteinpräzipitation in der oberflächlichen Hautschicht → adstringierender Effekt.
Reduktion kapillarer Permeabilität und leichte antiinflammatorische Wirkung.
Antioxidative Effekte beschrieben.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei leichten Entzündungen, Ekzemen, Insektenstichen und Hämorrhoiden (topisch).
– Reduktion von Nässen und oberflächlicher Irritation.
– Alkoholhaltige Extrakte können bei sensibler Haut irritativ wirken.
– Keine relevante systemische Interaktion bei äußerlicher Anwendung.
Evidenzklassifizierung
Adstringierende Wirkung: E1–E2
Antiinflammatorische Effekte: E2
Kontaktreaktionen: E2
Besondere Risikogruppen
– Trockene oder empfindliche Haut
– Atopische Dermatitis
– Kinder (alkoholhaltige Präparate vermeiden)
K&R 005
Teebaumöl
(Melaleuca alternifolia)
Primäre Interaktionsachse
Antimikrobielle Wirkung (bakterizid, fungizid).
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergenes und irritatives Potenzial.
Mechanismus
Terpinen-4-ol und weitere Monoterpene destabilisieren mikrobielle Zellmembranen.
Antiinflammatorische Effekte durch Reduktion proinflammatorischer Zytokine beschrieben.
Oxidationsprodukte erhöhen das Sensibilisierungspotenzial.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei Akne, oberflächlichen Pilzinfektionen und leichten Hautinfektionen.
– Kontaktdermatitis relativ häufig bei unsachgemäßer oder hochkonzentrierter Anwendung.
– Phototoxizität nicht typisch, aber Hautreizung möglich.
– Systemische Interaktionen bei topischer Anwendung nicht relevant.
Evidenzklassifizierung
Antimikrobielle Wirkung: E1–E2
Aknebehandlung: E2
Kontaktallergien: E2
Besondere Risikogruppen
– Atopische oder empfindliche Haut
– Kinder (nicht hochkonzentriert anwenden)
– Personen mit Kontaktallergien
– Anwendung auf großflächig geschädigter Haut vermeiden
K&R 006
Johanniskrautöl
(Hypericum perforatum, topische Anwendung)
Primäre Interaktionsachse
Wundheilungsfördernde und antiinflammatorische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Phototoxisches Potenzial (Hypericin); mögliche Kontaktreaktionen.
Mechanismus
Hyperforin wirkt antibakteriell und fördert die Epithelisierung.
Hypericin besitzt photosensibilisierende Eigenschaften.
Antiinflammatorische Effekte über Modulation proinflammatorischer Mediatoren beschrieben.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei leichten Verbrennungen, Prellungen, Neuralgien und oberflächlichen Hautläsionen.
– Phototoxische Reaktionen bei UV-Exposition möglich, insbesondere bei hochkonzentrierten Präparaten.
– Kontaktdermatitis selten, aber möglich.
– Systemische CYP-Induktion bei topischer Anwendung klinisch nicht relevant.
Evidenzklassifizierung
Wundheilung (oberflächlich): E2
Antiinflammatorische Effekte: E2
Phototoxizität: E2
Besondere Risikogruppen
– UV-Exposition (Sonne, Solarium)
– Helle oder photosensible Haut
– Großflächige Anwendung vermeiden
– Offene, tiefe Wunden
Gesamteinordnung im Q10-Cluster
Lokal wirksam mit relevanter Photosensibilisierung.
Systemisches Interaktionsrisiko gering bei äußerlicher Anwendung.
K&R 007
Arnika
(Arnica montana)
Primäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische und antiexsudative Wirkung (topisch).
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergenes Potenzial; toxisch bei systemischer Aufnahme.
Mechanismus
Sesquiterpenlactone (v. a. Helenalin) hemmen NF-κB-abhängige Entzündungssignalwege.
Reduktion von Ödem und Hämatombildung bei äußerlicher Anwendung beschrieben.
Stark sensibilisierendes Potenzial durch Lactone.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei Prellungen, Hämatomen, Verstauchungen (nur äußerlich).
– Kontaktdermatitis relativ häufig bei Sensibilisierung.
– Nicht auf offene Wunden auftragen.
– Systemische Anwendung toxisch (kardiotoxisch, neurotoxisch).
Evidenzklassifizierung
Topische antiphlogistische Wirkung: E2
Kontaktallergien: E2
Systemische Toxizität: E1
Besondere Risikogruppen
– Korbblütler-Allergie
– Atopische Dermatitis
– Offene Hautläsionen
– Großflächige Anwendung vermeiden
K&R 008
Neem
(Azadirachta indica)
Primäre Interaktionsachse
Antimikrobielle und antiparasitäre Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische Effekte; potenzielles irritatives oder allergisches Reaktionsrisiko.
Mechanismus
Azadirachtin, Nimbidin und weitere Limonoide wirken antibakteriell, antifungal und insektizid.
Modulation entzündlicher Signalwege beschrieben.
Topische Anwendung führt zu lokaler Keimreduktion und Entzündungshemmung.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei Akne, Ekzemen, oberflächlichen Hautinfektionen und Parasitenbefall (z. B. Läuse).
– Kontaktdermatitis oder Hautirritation möglich, insbesondere bei hochkonzentrierten Ölen.
– Systemische Toxizität bei oraler Einnahme möglich, insbesondere bei Kindern.
– Keine relevante systemische Interaktion bei äußerlicher Anwendung.
Evidenzklassifizierung
Antimikrobielle Wirkung: E2
Antiparasitäre Effekte: E2
Kontaktreaktionen: E2
Systemische Toxizität (oral, v. a. Kinder): E2–E3
Besondere Risikogruppen
– Säuglinge und Kleinkinder (keine orale Anwendung)
– Atopische oder empfindliche Haut
– Großflächige Anwendung vermeiden
– Schwangere (keine orale Anwendung)
K&R 009
Lavendel
(Lavandula angustifolia)
Primäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische und leicht antimikrobielle Wirkung (topisch).
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergenes Potenzial; mögliche hormonelle Diskussion bei Dauerexposition (nicht gesichert).
Mechanismus
Linalool und Linalylacetat wirken entzündungshemmend und beruhigend auf irritierte Haut.
Leichte antibakterielle und fungistatische Effekte beschrieben.
Oxidationsprodukte von Linalool erhöhen das Sensibilisierungspotenzial.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei leichten Hautirritationen, Insektenstichen, oberflächlichen Läsionen.
– Kontaktdermatitis möglich, insbesondere bei oxidiertem Öl.
– Keine relevante systemische Interaktion bei topischer Anwendung.
– Hormonelle Effekte (z. B. bei präpubertärer Gynäkomastie) diskutiert, Datenlage begrenzt.
Evidenzklassifizierung
Antiinflammatorische Wirkung: E2
Antimikrobielle Effekte: E2
Kontaktallergien: E2
Hormonelle Diskussion: E3
Besondere Risikogruppen
– Atopische oder empfindliche Haut
– Kinder (hochkonzentrierte ätherische Öle vermeiden)
– Personen mit Duftstoffallergie
K&R 010
Schafgarbe
(Achillea millefolium)
Primäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische und adstringierende Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Kontaktallergenes Potenzial (Korbblütler); mögliche Photosensibilisierung (gering ausgeprägt).
Mechanismus
Flavonoide und Sesquiterpenlactone hemmen entzündliche Mediatoren.
Gerbstoffe wirken adstringierend und unterstützen die Wundoberfläche.
Leichte antimikrobielle Effekte beschrieben.
Klinische Relevanz
– Anwendung bei kleineren Wunden, Hautirritationen, Ekzemen.
– Kontaktdermatitis bei Sensibilisierung gegen Korbblütler möglich.
– Nicht auf großflächig geschädigte Haut ohne Kontrolle anwenden.
– Systemische Interaktionen bei topischer Anwendung nicht relevant.
Evidenzklassifizierung
Antiinflammatorische Wirkung: E2
Adstringierende Effekte: E2
Kontaktallergien: E2
Besondere Risikogruppen
– Korbblütler-Allergie
– Atopische Dermatitis
– Sensible Haut
– Großflächige Anwendung vermeiden