Cluster

Endokrines System


Cluster Q8


K&R 001

 

Ashwagandha

(Withania somnifera)

 

Primäre Interaktionsachse

Schilddrüsenmodulation.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse); mögliche Modulation von Testosteronspiegeln.

 

Mechanismus

Withanolide können in Humanstudien mit einer Erhöhung von T3 und T4 assoziiert sein.

Modulation der Stressachse mit Senkung von Cortisol beschrieben.

Einfluss auf Androgenspiegel in kleineren Studien beobachtet.

 

Klinische Relevanz

– Risiko einer Hyperthyreose-Exazerbation bei prädisponierten Patienten.

– Interaktion mit Schilddrüsenhormonersatztherapie möglich.

– Relevanz bei autoimmuner Thyreoiditis.

– Hormonelle Veränderungen bei langfristiger Einnahme nicht vollständig geklärt.

– Einzelfälle von Hepatotoxizität berichtet.

 

Evidenzklassifizierung

Schilddrüsenhormonanstieg: E2

Cortisolmodulation: E2

Androgenveränderung: E2–E3

Klinische Interaktionsdaten: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hyperthyreose

– Schilddrüsenhormonersatztherapie

– Autoimmune Thyreoiditis

– Hormonabhängige Erkrankungen

– Lebererkrankungen

 


K&R 003

 

Traubensilberkerze

(Actaea racemosa)

 

Primäre Interaktionsachse

Modulation klimakterischer Beschwerden (nicht klassisch östrogenagonistisch).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Mögliche Interaktion mit hormoneller Therapie; hepatotoxische Signale.

 

Mechanismus

Triterpenglykoside beeinflussen serotonerge und dopaminerge Signalwege im Hypothalamus.

Keine konsistente direkte Bindung an Östrogenrezeptoren nachweisbar.

Wirkung vermutlich zentralnervös regulierend auf thermoregulatorische Zentren.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei menopausalen Beschwerden untersucht.

– Keine klare östrogene Stimulation, aber Vorsicht bei hormonabhängigen Tumoren.

– Einzelfälle von Leberschädigung berichtet.

– Interaktion mit Hormonersatztherapie nicht eindeutig geklärt.

 

Evidenzklassifizierung

Klimakterische Symptomreduktion: E2

Östrogenrezeptorbindung: nicht konsistent (E3–E4)

Hepatotoxische Fallberichte: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen

– Lebererkrankungen

– Hormonersatztherapie

– Polypharmazie

 

K&R 002

 

Mönchspfeffer

(Vitex agnus-castus)

 

Primäre Interaktionsachse

Dopaminerge Modulation der Hypophysenfunktion (Prolaktinregulation).

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HPG-Achse).

 

Mechanismus

Diterpene wirken dopaminagonistisch an D2-Rezeptoren der Hypophyse.

Reduktion erhöhter Prolaktinspiegel.

Sekundäre Normalisierung der lutealen Phase durch Beeinflussung von LH/Progesteron.

 

Klinische Relevanz

– Anwendung bei prämenstruellem Syndrom (PMS) und Zyklusstörungen.

– Interaktion mit dopaminergen Medikamenten möglich.

– Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Antipsychotika (Prolaktin-Gegenregulation).

– Nicht geeignet bei hormonabhängigen Tumoren ohne ärztliche Kontrolle.

– Einfluss auf hormonelle Kontrazeption nicht eindeutig belegt, theoretisch relevant.

 

Evidenzklassifizierung

PMS-Wirksamkeit: E1–E2

Prolaktinsenkung: E2

Interaktionsdaten mit Dopaminantagonisten: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Dopaminantagonistische Therapie (z. B. Antipsychotika)

– Hormonabhängige Erkrankungen

– Schwangerschaft

– Stillzeit

 



K&R 004

 

Rotklee

(Trifolium pratense)

 

Primäre Interaktionsachse

Phytoöstrogene Wirkung (Isoflavone).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Interaktion mit hormonabhängigen Erkrankungen; mögliche Beeinflussung hormoneller Therapien.

 

Mechanismus

Isoflavone (Genistein, Daidzein, Biochanin A) binden an Östrogenrezeptoren, bevorzugt ER-β.

Teilweise agonistische oder modulierte Wirkung abhängig vom hormonellen Milieu.

Keine relevante CYP3A4-Induktion, aber hormonelle Signalwegmodulation.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei klimakterischen Beschwerden untersucht.

– Vorsicht bei hormonabhängigen Tumoren (z. B. Brust-, Endometriumkarzinom).

– Interaktion mit Tamoxifen theoretisch möglich.

– Einfluss auf Schilddrüsenfunktion bei hoher Isoflavonzufuhr diskutiert.

 

Evidenzklassifizierung

Klimakterische Symptomatik: E2

Östrogenrezeptorbindung: E1–E2

Interaktion mit antihormoneller Therapie: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen

– Antihormonelle Therapie (z. B. Tamoxifen)

– Schilddrüsenerkrankungen

– Schwangerschaft

 


K&R 005

 

Soja

(Glycine max)

 

Primäre Interaktionsachse

Phytoöstrogene Wirkung (Isoflavone).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Schilddrüsenhormonaufnahme; mögliche Interaktion mit antihormoneller Therapie.

 

Mechanismus

Isoflavone (Genistein, Daidzein) binden an Östrogenrezeptoren, bevorzugt ER-β.

Partielle agonistische oder modulierende Wirkung abhängig vom endogenen Hormonstatus.

Beeinträchtigung der intestinalen Resorption von Levothyroxin beschrieben.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei klimakterischen Beschwerden untersucht.

– Vorsicht bei hormonabhängigen Tumoren (Brust-, Endometriumkarzinom).

– Mögliche Abschwächung der Wirkung von Levothyroxin bei gleichzeitiger Einnahme.

– Interaktion mit Tamoxifen theoretisch relevant, Daten uneinheitlich.

 

Evidenzklassifizierung

Östrogenrezeptorbindung: E1–E2

Klimakterische Symptomatik: E2

Interaktion mit Levothyroxin: E2

Interaktion mit antihormoneller Therapie: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen

– Schilddrüsenhormonersatztherapie

– Autoimmune Thyreoiditis

– Schwangerschaft

 


K&R 006

 

Süßholz

(Glycyrrhiza glabra)

 

Primäre Interaktionsachse

Mineralokortikoide Wirkung (Pseudoaldosteronismus).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Cortisol-Metabolisierung; Modulation der Androgen- und Östrogenbalance.

 

Mechanismus

Glycyrrhizin hemmt 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2.

Dadurch wird Cortisol nicht ausreichend zu Cortison inaktiviert und wirkt verstärkt am Mineralokortikoidrezeptor.

Zusätzlich Hemmung bestimmter Enzyme der Steroidbiosynthese beschrieben (z. B. 17β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase).

 

Klinische Relevanz

– Natriumretention, Kaliumverlust, Hypertonie (endokrin vermittelt).

– Potenzielle Beeinflussung des Cortisolhaushalts.

– Senkung von Testosteronspiegeln in Humanstudien beschrieben.

– Interaktion mit Kortikosteroidtherapie möglich.

– Relevanz bei Nebennieren- oder Elektrolytstörungen.

 

Evidenzklassifizierung

11β-HSD2-Hemmung: E1

Mineralokortikoide Effekte: E1–E2

Testosteronreduktion: E2

Interaktion mit Steroidtherapie: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hypertonie

– Nebennierenfunktionsstörungen

– Kortikosteroidtherapie

– Hormonelle Dysbalancen

– Elektrolytstörungen

 


K&R 007

 

Bockshornklee

(Trigonella foenum-graecum)

 

Primäre Interaktionsachse

Blutzuckerregulation (insulinmodulierend).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Androgen- und Prolaktinmodulation; mögliche Beeinflussung der Schilddrüsenfunktion (uneinheitliche Datenlage).

 

Mechanismus

Galactomannane verzögern die Glukoseaufnahme im Darm.

4-Hydroxyisoleucin kann die Insulinsekretion stimulieren.

Steroidale Saponine (z. B. Diosgenin) wirken hormonmodulierend, ohne direkte klassische Hormonagonistenwirkung.

 

Klinische Relevanz

– Senkung von Nüchternblutzucker und HbA1c in Studien bei Typ-2-Diabetes.

– Additive Wirkung mit Antidiabetika oder Insulin möglich → Hypoglykämierisiko.

– Einfluss auf Testosteronspiegel in kleineren Studien beschrieben.

– Einsatz in der Stillzeit traditionell, jedoch hormonelle Effekte nicht vollständig geklärt.

 

Evidenzklassifizierung

Blutzuckersenkung: E2

Insulinmodulation: E2

Androgene Effekte: E2–E3

Interaktionsdaten mit Antidiabetika: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Diabetes mellitus (unter Medikation)

– Hypoglykämieneigung

– Hormonabhängige Erkrankungen

– Schwangerschaft

 


K&R 008

 

Maca

(Lepidium meyenii)

 

Primäre Interaktionsachse

Modulation der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (funktionell, nicht klassisch hormonagonistisch).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung sexueller Funktion und Libido; mögliche Wirkung auf Stimmung und Stressachsen.

 

Mechanismus

Macamide und Macaene wirken vermutlich zentral regulierend auf neuroendokrine Achsen.

Keine konsistente direkte Erhöhung von Testosteron oder Östrogen in Humanstudien.

Wirkung eher adaptiv als hormonell substituierend.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei Libido- und Fertilitätsproblemen untersucht.

– Keine klare direkte Hormonsteigerung, aber endokrine Signalwegmodulation möglich.

– Interaktion mit hormonabhängigen Erkrankungen theoretisch relevant, jedoch nicht eindeutig belegt.

– Keine relevante CYP3A4-Induktion dokumentiert.

 

Evidenzklassifizierung

Libido-/Fertilitätseffekte: E2

Direkte Hormonveränderung: nicht konsistent (E3–E4)

Interaktionsdaten: begrenzt (E3)

 

Besondere Risikogruppen

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen (theoretische Vorsicht)

– Fertilitätsbehandlung

– Schilddrüsenerkrankungen (begrenzte Datenlage)

– Polypharmazie

 


K&T 009

 

Ginseng

(Panax ginseng)

 

Primäre Interaktionsachse

Modulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung des Glukosestoffwechsels; mögliche Modulation von Androgen- und Östrogensignalen.

 

Mechanismus

Ginsenoside wirken adaptogen auf Stressachsen und können Cortisolantworten modulieren.

Verbesserte Insulinsensitivität und Blutzuckersenkung in Humanstudien beschrieben.

Teilweise Interaktion mit Steroidrezeptoren diskutiert, jedoch keine klare klassische Hormonagonistenwirkung.

 

Klinische Relevanz

– Additive Blutzuckersenkung bei antidiabetischer Therapie möglich → Hypoglykämierisiko.

– Einfluss auf Cortisol- und Stressregulation.

– Einzelberichte über Mastalgie oder hormonelle Veränderungen.

– Vorsicht bei hormonabhängigen Erkrankungen (Daten uneinheitlich).

 

Evidenzklassifizierung

Blutzuckerregulation: E2

HPA-Achsen-Modulation: E2

Direkte hormonelle Effekte: E3

Interaktionsdaten mit Antidiabetika: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Diabetes mellitus (unter Medikation)

– Hypoglykämieneigung

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen

– Polypharmazie

 


K&R 010

 

Salbei

(Salvia officinalis)

 

Primäre Interaktionsachse

Modulation klimakterischer Beschwerden (östrogenähnliche Teilwirkung, nicht klassisch agonistisch).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Schweißsekretion; mögliche Interaktion mit Antidiabetika.

 

Mechanismus

Bestandteile wie Flavonoide und Diterpene zeigen schwache phytoöstrogene Effekte.

Reduktion vasomotorischer Symptome vermutlich über zentrale thermoregulatorische Modulation.

In kleineren Studien blutzuckersenkende Effekte beschrieben.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei menopausalen Hitzewallungen untersucht.

– Vorsicht bei hormonabhängigen Tumorerkrankungen (Daten uneinheitlich).

– Additive Blutzuckersenkung bei antidiabetischer Therapie möglich.

– Thujonhaltige Präparate in hoher Dosis neurotoxisch, jedoch primär nicht endokrin.

 

Evidenzklassifizierung

Klimakterische Beschwerden: E2

Blutzuckersenkung: E2–E3

Östrogene Teilwirkung: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hormonabhängige Tumorerkrankungen

– Diabetes mellitus (unter Medikation)

– Schwangerschaft

– Hochdosierte ätherische Öl-Anwendung

 


 

Sägepalme

(Serenoa repens)

 

Primäre Interaktionsachse

Modulation des Androgenmetabolismus durch Hemmung der 5-α-Reduktase (Reduktion der DHT-Bildung).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Mögliche Beeinflussung der Gerinnung; vereinzelte Hinweise auf Blutungsneigung unter Antikoagulation.

 

Mechanismus

Lipophile Fettsäuren und Phytosterole hemmen die 5-α-Reduktase und reduzieren die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT).

Keine direkte Testosteronerhöhung.

Keine klassische Hormonagonistik, sondern enzymatische Modulation.

 

Klinische Relevanz

– Einsatz bei benignen Prostatabeschwerden untersucht.

– Wirkung moderat, Studienlage heterogen.

– Vorsicht bei gleichzeitiger Antikoagulation.

– Kein Ersatz für standardisierte 5-α-Reduktase-Hemmer bei fortgeschrittener BPH.

 

Evidenzklassifizierung

Symptomreduktion bei BPH: E2

5-α-Reduktase-Hemmung: E2–E3

Blutungsrisiko: E3

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulierte Patienten

– Präoperative Situation

– Hormontherapie mit androgenwirksamen Substanzen