Protokollübersicht: KR-005
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Aloe vera
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze mit Wurzeln, Blütentrieb, Blattquerschnitt, Weißhintergrund.)
Botanische Identität
Familie: Asphodelaceae
Verwendete Pflanzenteile:
– Blattgel (inneres Parenchym)
– Blattexsudat (Latex, anthrachinonhaltig)
Wichtige Differenzierung:
Gel ≠ Latex. Pharmakologisch und toxikologisch getrennt zu betrachten.
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
Blattgel:
– Polysaccharide (Acemannan)
– Glykoproteine
Blattexsudat (Latex):
– Anthrachinone (Aloin A/B, Emodin)
– Anthranoide
Q1 – Gerinnung
Keine konsistente direkte Gerinnungshemmung belegt.
Sekundär relevant bei Elektrolytstörungen (Hypokaliämie → Arrhythmierisiko bei Digitalis).
Q2 – CYP-System
Keine robust belegte klinisch relevante CYP-Induktion oder -Hemmung.
Theoretische Interaktionen über Elektrolytveränderungen relevanter als direkte CYP-Achse.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse.
Elektrolytstörungen können indirekt neurologische Symptome verursachen.
Q4 – Immunsystem
Gel: präklinisch immunmodulatorische Effekte beschrieben.
Keine konsistent belegte klinische Immuntherapie.
Q5 – Kardio
Sekundäre Relevanz über Q7:
Anthrachinon-Laxanzien → Kaliumverlust → Risiko bei:
– Herzglykosiden
– Antiarrhythmika
– Diuretika
Klinisch relevant bei Langzeitanwendung.
Q6 – Renal
Chronischer Missbrauch anthrachinonhaltiger Laxanzien →
– Elektrolytstörungen
– Funktionelle Nierenschädigung möglich
Q7 – Gastro (Primärachse bei Latex)
Wirkmechanismus (Latex):
Stimulation der Darmmotilität durch Anthranoide → Laxation.
Risiken:
– Krampfartige Bauchschmerzen
– Durchfall
– Hypokaliämie
– Abhängigkeit bei Dauergebrauch
Kontraindikationen:
– Darmverschluss
– Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
– Schwangerschaft
– Kinder
Gel:
Oral deutlich geringere irritative Wirkung.
Q8 – Endokrin
Hypoglykämische Effekte präklinisch beschrieben.
Keine belastbare Evidenz für antidiabetische Therapie.
Potenzielle Verstärkung antidiabetischer Medikation möglich.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatotoxische Achse belegt.
Q10 – Dermatologisch (Primärachse bei topischer Anwendung)
Gel:
– Wundheilungsunterstützende Effekte beschrieben
– Anti-inflammatorische Eigenschaften
Risiko:
– Kontaktdermatitis möglich
– Allergische Reaktionen selten
Pharmakokinetische Hinweise
Anthrachinone wirken lokal im Kolon nach bakterieller Aktivierung.
Systemische Resorption gering, jedoch bei chronischer Anwendung relevant.
Risikogruppen
– Patienten unter Diuretika
– Patienten unter Herzglykosiden
– Chronische Obstipation mit Langzeitlaxanziengebrauch
– Schwangerschaft
– Elektrolytinstabile Patienten
Methodische Einordnung
Klare Trennung zwischen:
– Topischem Gel (andere Risikoprofile)
– Oraler Latex-Anwendung (anthrachinonhaltig, klar risikobehaftet)
Langzeitgebrauch anthrachinonhaltiger Laxanzien ist pharmakologisch relevant und klinisch problematisch.
Quellen
EMA Herbal Monograph: Aloe barbadensis Mill., folium.
ESCOP Monographs.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
BfArM Monographie Anthranoid-haltige Laxanzien.
Mueller-Lissner S. Adverse effects of anthraquinone laxatives.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 005
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/aloe
Abrufdatum: 23.02.2026
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