Protokollübersicht: KR-003

Erstellt: 2026.03.01

Version 1.0

 

 


 

Cynara scolymus

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix verbindlich)

(Standardisierte wissenschaftliche Referenzabbildung oberhalb – isolierte Ganzpflanze, Weißhintergrund, klare botanische Darstellung.)

 

Botanische Identität

Familie: Asteraceae

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (Cynarae folium)

 

Nicht gemeint:

Gemüsekopf als Nahrungsmittel

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Caffeoylchinasäuren (z. B. Cynarin)

– Chlorogensäure

– Flavonoide (Luteolin-Derivate)

– Bitterstoffe

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine belastbare klinische Evidenz für direkte gerinnungshemmende oder -fördernde Wirkung.

Keine bekannte primäre Interaktionsachse mit Antikoagulanzien.

 

 

Q2 – CYP-System

In-vitro-Hinweise auf Enzymmodulation, jedoch keine konsistente klinisch relevante CYP-Induktion oder -Hemmung beim Menschen belegt.

Einordnung:

Keine gesicherte klinisch relevante CYP-Interaktionsachse.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkung.

Keine belastbare Datenlage für relevante ZNS-Interaktionen.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinische Hinweise auf antioxidative und antiinflammatorische Effekte.

Keine klinisch gesicherte immunmodulierende Wirkung.

 

 

Q5 – Kardio

Untersuchte Effekte:

– leichte LDL-Senkung in Humanstudien

– mögliche Verbesserung lipidbezogener Parameter

Evidenz: heterogen, meist moderate Studiendesigns.

Klinische Relevanz:

Kein Ersatz für etablierte lipidsenkende Therapie.

 

 

Q6 – Renal

Keine gesicherte nephrotoxische Wirkung.

Keine relevante renale Interaktionsachse belegt.

 

 

Q7 – Gastro (primäre Achse)

Wirkmechanismus

– Stimulation der Gallensekretion (choleretisch)

– Förderung des Galleflusses (cholagog)

– Bitterstoff-vermittelte Verdauungsstimulation

 

Evidenzlage

Humanstudien zeigen moderate Effekte bei dyspeptischen Beschwerden.

Wirksamkeit bei funktioneller Dyspepsie teilweise belegt.

 

Kontraindikationen

– Gallengangsverschluss

– schwere Lebererkrankung

– bekannte Allergie gegen Asteraceae

Risiko

Bei Gallensteinen mögliche Kolikprovokation.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine belastbare klinische Evidenz für direkte hormonelle Effekte.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine gesicherte relevante Wirkung auf Blutbild oder Hämatopoese.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Allergische Reaktionen möglich bei Korbblütler-Sensitivität.

Keine primär dermatologische Anwendung relevant.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Wirkstoffe überwiegend phenolische Verbindungen.

Orale Bioverfügbarkeit variabel.

Standardisierte Extrakte deutlich besser untersuchbar als Teezubereitungen.

 

Risikogruppen

– Patienten mit Gallenwegsobstruktion

– Personen mit Gallensteinen

– Asteraceae-Allergiker

– Schwere Lebererkrankung (mangels ausreichender Sicherheitsdaten)

 

Methodische Einordnung

Artischockenblätter sind vergleichsweise gut untersucht im Kontext funktioneller Dyspepsie.

Dennoch heterogene Studienqualität, unterschiedliche Extraktstandards.

Nicht mit dem Verzehr des Gemüses gleichzusetzen.

 

Quellen

ESCOP Monographs: Cynarae folium.

EMA Herbal Monograph: Cynara scolymus L., folium.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Monographie Artischockenblätter.

Gebhardt R. Anticholestatic and choleretic effects of artichoke leaf extract.

Holtmann G et al. Clinical efficacy of artichoke leaf extract in dyspepsia.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 003

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/Artischocke

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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