Protokollübersicht: KR-022
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Foeniculum vulgare
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Apiaceae
Verwendete Pflanzenteile: Früchte (Foeniculi fructus),
ätherisches Öl
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– trans-Anethol
– Fenchon
– Estragol (Methylchavicol)
– Flavonoide
Q1 – Gerinnung
Keine konsistent belegte klinisch relevante gerinnungshemmende Wirkung.
Keine systematisch abgesicherten Interaktionen mit Antikoagulanzien.
Q2 – CYP-System
Estragol wird hepatisch metabolisiert.
Keine klar belegte klinisch relevante CYP-Induktion oder -Hemmung bei üblichen Dosierungen.
Theoretische Relevanz bei hochkonzentrierten ätherischen Ölen.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse.
In sehr hohen Dosen ätherischen Öls potenziell neurotoxisch (Krampfneigung).
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunmodulierende Achse.
Antioxidative Effekte präklinisch beschrieben.
Q5 – Kardio
Keine konsistente kardiovaskuläre Wirkachse belegt.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Wirkung dokumentiert.
Q7 – Gastro (Primärachse)
Wirkmechanismus:
Spasmolytisch auf glatte Muskulatur.
Karminativ → Reduktion von Blähungen.
Indikationen (traditionell):
– Dyspeptische Beschwerden
– Meteorismus
– Säuglingskoliken
Nebenwirkungen:
Selten allergische Reaktionen.
Q8 – Endokrin
Leicht östrogenähnliche Effekte diskutiert (Anethol).
Keine gesicherte hormonelle Therapieindikation.
Vorsicht bei hormonabhängigen Tumoren (theoretisch).
Q9 – Hämatologisch
Keine konsistente hämatologische Toxizität belegt.
Q10 – Dermatologisch
Allergische Reaktionen möglich (Apiaceae-Sensitivität).
Pharmakokinetische Hinweise
Ätherisches Öl rasch resorbiert.
Estragol wird metabolisch aktiviert; in Tiermodellen kanzerogen bei hohen Dosen.
Relevanz bei therapeutischer Kurzzeitanwendung als gering eingeschätzt, bei hochdosierten Ölen differenziert zu bewerten.
Risikogruppen
– Säuglinge (kein hochdosiertes ätherisches Öl)
– Hormonabhängige Erkrankungen (theoretische Vorsicht)
– Allergie gegen Doldenblütler
Methodische Einordnung
Fenchel ist gut untersucht bei funktionellen gastrointestinalen Beschwerden.
Wirksamkeit moderat belegt, besonders in Kombination mit anderen Karminativa.
Sicherheitsprofil bei sachgerechter Anwendung günstig.
Quellen
EMA Herbal Monograph: Foeniculum vulgare Mill., fructus.
ESCOP Monographs.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Alexandrovich I et al. Fennel for infantile colic – clinical trial.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 022
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/fenchel
Abrufdatum: 23.02.2026
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