Cluster
Hoch Risiko
Genotoxische / kanzerogene Risikodimension
Cluster Q12
Jakobskreuzkraut
Jacobaea vulgaris (Syn.: Senecio jacobaea)
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme
Mechanismus
Jakobskreuzkraut enthält Pyrrolizidinalkaloide wie Senecionin, Jacobin und Seneciphyllin. Diese Alkaloide werden in der Leber durch hepatische Enzymsysteme metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese Metaboliten können kovalent an zelluläre Proteine und Endothelzellen der Lebervenolen binden. Die Folge kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) sein.
Klinische Relevanz
– schwere hepatocelluläre Leberschäden beschrieben
– Entwicklung einer sinusoidalen Obstruktionskrankheit möglich
– chronische Exposition kann zu Leberfibrose oder Zirrhose führen
– Aufnahme auch über kontaminierte Kräuterprodukte oder Honig möglich
– toxikologisch relevante Pflanze mit regulatorischer Bedeutung
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, klinische Fallberichte, regulatorische Bewertungen)
Risikostufe im Leber-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung
– Kinder
– Schwangere
– chronische Aufnahme über kontaminierte Pflanzenprodukte
– Polypharmazie mit hepatotoxischen Arzneistoffen
Huflattich
Tussilago farfara
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme
Mechanismus
Huflattich enthält Pyrrolizidinalkaloide wie Senkirkine und verwandte Alkaloide. Diese Substanzen werden in der Leber metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese Metaboliten können an zelluläre Proteine binden und das Endothel der Lebervenolen schädigen. Dadurch kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) entstehen.
Klinische Relevanz
– hepatotoxische Effekte bei längerer Exposition beschrieben
– Risiko vor allem bei PA-haltigen Pflanzenpräparaten
– Transaminasenanstieg möglich
– regulatorische Beschränkungen für PA-haltige Pflanzenprodukte
– moderne Züchtungen und Extrakte sind häufig PA-reduziert oder PA-frei
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)
Risikostufe im Leber-Cluster
Moderat bis hoch (abhängig vom Pyrrolizidinalkaloid-Gehalt)
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Kinder
– Schwangere
– langfristige Einnahme nicht standardisierter Pflanzenpräparate
Beinwell
Symphytum officinale
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme
Mechanismus
Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Symphytin, Echimidin). Diese werden in der Leber metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese Metaboliten können kovalent an zelluläre Proteine binden und insbesondere das Endothel der Lebervenolen schädigen. Dadurch kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) entstehen.
Klinische Relevanz
– Fälle schwerer Leberschäden beschrieben
– Entwicklung einer veno-okklusiven Lebererkrankung möglich
– chronische Aufnahme kann zu Leberfibrose oder Zirrhose führen
– innerliche Anwendung in vielen Ländern regulatorisch eingeschränkt
– äußerliche Anwendung bei intakter Haut weiterhin verbreitet
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, pharmakovigilante Daten)
Risikostufe im Leber-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung
– Schwangere
– Kinder
– langfristige Einnahme
– gleichzeitige hepatotoxische Medikamente
Pestwurz
Petasites hybridus
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxisches Risiko durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme
Mechanismus
Pestwurz enthält neben den pharmakologisch wirksamen Sesquiterpenestern Petasin und Isopetasin auch Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese Alkaloide können in der Leber metabolisch aktiviert werden und reaktive Pyrrol-Metaboliten bilden. Diese Metaboliten können hepatocelluläre Schäden verursachen und zu vaskulären Veränderungen der Leber führen.
Moderne Arzneiextrakte werden daher PA-frei oder stark PA-reduziert hergestellt.
Klinische Relevanz
– hepatotoxische Effekte bei PA-haltigen Präparaten beschrieben
– Risiko besonders bei nicht standardisierten Pflanzenprodukten
– Transaminasenanstieg möglich
– regulatorische Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide etabliert
– moderne Arzneiextrakte gelten als PA-frei
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, pharmakovigilante Berichte)
Risikostufe im Leber-Cluster
Moderat
(hoch bei PA-haltigen Präparaten)
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung
– Schwangere
– Kinder
– Einnahme nicht standardisierter Pflanzenpräparate
Geißkraut
Galega officinalis
Primäre Interaktionsachse
Metabolische Wirkung auf den Glukosestoffwechsel
Sekundäre Achse
Potenzielle Beeinflussung antidiabetischer Medikation
Mechanismus
Geißkraut enthält Guanidin-Derivate, insbesondere Galegin. Diese Substanzen beeinflussen den Glukosestoffwechsel und können eine blutzuckersenkende Wirkung auslösen. Galegin gilt historisch als Vorbild für die Entwicklung der Biguanid-Wirkstoffe, aus denen später Metformin abgeleitet wurde.
Klinische Relevanz
– blutzuckersenkende Effekte beschrieben
– mögliche Verstärkung antidiabetischer Medikamente
– Risiko für Hypoglykämie bei gleichzeitiger Medikation
– historische Bedeutung in der Diabetesforschung
Evidenzklassifikation
E1–E2
(experimentelle Studien, pharmakologische Untersuchungen)
Risikostufe im Stoffwechsel-Cluster
Moderat
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit Diabetes unter medikamentöser Therapie
– Kombination mit Antidiabetika
– unkontrollierte Dosierung pflanzlicher Präparate
Heliotrop
Heliotropium europaeum
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme
Mechanismus
Heliotrop-Arten enthalten Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Heliotrin, Lasiocarpin). Diese Alkaloide werden in der Leber enzymatisch metabolisch aktiviert und bilden reaktive Pyrrol-Metaboliten. Diese Metaboliten können kovalent an zelluläre Proteine binden und insbesondere das Endothel der Lebervenolen schädigen. Die Folge kann eine hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) sein.
Klinische Relevanz
– schwere Leberschäden bei chronischer Exposition beschrieben
– Entwicklung einer veno-okklusiven Lebererkrankung möglich
– chronische Aufnahme kann zu Leberfibrose oder Zirrhose führen
– Aufnahme auch über kontaminierte Getreideprodukte möglich
– Pyrrolizidinalkaloide gelten als potenziell genotoxisch
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, klinische Fallberichte)
Risikostufe im Leber-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung
– Kinder
– Schwangere
– chronische Aufnahme kontaminierter Pflanzenprodukte
– Polypharmazie mit hepatotoxischen Arzneistoffen
Osterluzei
Aristolochia clematitis
Primäre Interaktionsachse
Genotoxische und kanzerogene Wirkung durch Aristolochiasäuren
Sekundäre Achse
Nephrotoxische Wirkung mit Entwicklung einer chronischen interstitiellen Nephropathie
Mechanismus
Osterluzei enthält Aristolochiasäuren, eine Gruppe stark reaktiver Nitrophenanthren-Carbonsäuren. Nach metabolischer Aktivierung entstehen elektrophile Zwischenprodukte, die DNA-Addukte bilden können. Diese DNA-Schäden führen zu Mutationen und gelten als zentraler Mechanismus der genotoxischen und kanzerogenen Wirkung. Gleichzeitig können die Substanzen das Nierengewebe schädigen und eine progressive interstitielle Fibrose auslösen.
Klinische Relevanz
– stark kanzerogene Wirkung nachgewiesen
– Bildung von DNA-Addukten dokumentiert
– Risiko für Urothelkarzinome beschrieben
– Entwicklung einer aristolochiasäurebedingten Nephropathie möglich
– Verwendung von Aristolochia-Arten in vielen Ländern verboten oder streng reguliert
Evidenzklassifikation
E3
(experimentelle Studien, epidemiologische Daten, klinische Beobachtungen)
Risikostufe im Genotoxizitäts-Cluster
Sehr hoch
Besondere Risikogruppen
– langfristige Einnahme pflanzlicher Präparate mit Aristolochia
– Patienten mit bestehender Nierenerkrankung
– chronische Exposition über traditionelle Pflanzenpräparate
– Personen mit genetischer Prädisposition für metabolische Aktivierung
Kalmus
Acorus calamus
Primäre Interaktionsachse
Genotoxisches und potenziell kanzerogenes Risiko durch β-Asaron
Sekundäre Achse
Hepatische Metabolisierung aromatischer Phenylpropanoide
Mechanismus
Kalmus enthält phenylpropanoide Inhaltsstoffe, insbesondere β-Asaron. Nach metabolischer Aktivierung können reaktive Zwischenprodukte entstehen, die mit DNA reagieren und mutagene Effekte auslösen können. In Tierstudien wurde ein kanzerogenes Potenzial beschrieben, weshalb β-Asaron-haltige Pflanzenpräparate toxikologisch relevant sind.
Klinische Relevanz
– genotoxische Effekte in experimentellen Studien beschrieben
– kanzerogenes Potenzial in Tiermodellen beobachtet
– Risiko abhängig vom β-Asaron-Gehalt der Pflanze
– europäische und nordamerikanische Varietäten enthalten deutlich weniger β-Asaron
– regulatorische Einschränkungen für β-Asaron-haltige Produkte
Evidenzklassifikation
E2–E3
(experimentelle Studien, toxikologische Bewertungen)
Risikostufe im Genotoxizitäts-Cluster
Moderat
Besondere Risikogruppen
– langfristige Einnahme hochdosierter Pflanzenpräparate
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Schwangerschaft
– Verwendung nicht standardisierter Pflanzenprodukte
Sassafras
Sassafras albidum
Primäre Interaktionsachse
Genotoxisches und kanzerogenes Risiko durch Safrol
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme
Mechanismus
Sassafras enthält das Phenylpropanoid Safrol, das nach metabolischer Aktivierung reaktive Zwischenprodukte bildet. Diese Metaboliten können DNA-Addukte erzeugen und mutagene Prozesse auslösen. In experimentellen Studien wurde ein kanzerogenes Potenzial nachgewiesen.
Klinische Relevanz
– genotoxische Effekte in experimentellen Studien beschrieben
– kanzerogene Wirkung in Tiermodellen dokumentiert
– Safrolhaltige Präparate regulatorisch stark eingeschränkt
– Safrol wurde aus vielen Lebensmitteln und Arzneiprodukten entfernt
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, regulatorische Bewertungen)
Risikostufe im Genotoxizitäts-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– langfristige Einnahme safrolhaltiger Pflanzenpräparate
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Schwangerschaft
– Verwendung nicht standardisierter Pflanzenprodukte
Gummidistel
Atractylis gummifera
Primäre Interaktionsachse
Schwere mitochondriale Zelltoxizität mit ausgeprägter hepatotoxischer Wirkung
Sekundäre Achse
Blockade des mitochondrialen ADP/ATP-Transporters
Mechanismus
Die Gummidistel enthält die hochtoxischen Diterpenglykoside Atractylosid und Carboxyatractylosid. Diese Substanzen hemmen den mitochondrialen Adeninnukleotid-Transporter der inneren Mitochondrienmembran. Dadurch wird der Austausch von ADP und ATP blockiert und die oxidative Phosphorylierung gestört. Die Folge ist eine massive Störung der zellulären Energieproduktion mit mitochondrialer Dysfunktion und Zellnekrose. Besonders empfindlich reagieren Leberzellen.
Klinische Relevanz
– schwere akute Vergiftungen beschrieben
– akutes Leberversagen möglich
– Multiorganversagen berichtet
– hohe Letalität bei Aufnahme der Wurzel
– Vergiftungen insbesondere im Mittelmeerraum dokumentiert
Evidenzklassifikation
E2–E3
(klinische Vergiftungsberichte, toxikologische Studien)
Risikostufe im Genotoxizitäts-/Toxikologie-Cluster
Sehr hoch
Besondere Risikogruppen
– Kinder
– versehentliche Aufnahme der Wurzel
– traditionelle Anwendungen ohne toxikologisches Wissen
– Personen mit eingeschränkter Entgiftungskapazität
Haselwurz
Asarum europaeum
Primäre Interaktionsachse
Genotoxisches Risiko durch Asaron-Verbindungen
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung aromatischer Phenylpropanoide über hepatische Enzymsysteme
Mechanismus
Haselwurz enthält Phenylpropanoid-Verbindungen, insbesondere β-Asaron und α-Asaron. Diese Substanzen können nach metabolischer Aktivierung reaktive Zwischenprodukte bilden. Experimentelle Studien zeigen, dass diese Metaboliten mit DNA interagieren können und mutagene sowie genotoxische Effekte auslösen können.
Klinische Relevanz
– genotoxische Effekte in experimentellen Studien beschrieben
– mutagene Eigenschaften von Asaron-Verbindungen dokumentiert
– potenzielles kanzerogenes Risiko bei langfristiger Exposition
– historische medizinische Verwendung heute weitgehend aufgegeben
Evidenzklassifikation
E2
(experimentelle toxikologische Studien)
Risikostufe im Genotoxizitäts-Cluster
Moderat
Besondere Risikogruppen
– langfristige Einnahme pflanzlicher Präparate
– Verwendung nicht standardisierter Pflanzenprodukte
– Schwangerschaft
– Personen mit eingeschränkter Entgiftungskapazität