Protokollübersicht: KR-009

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Symphytum officinale L.

 

Botanische Identität

 

Familie: Boraginaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

 

Wurzel (Symphyti radix), seltener Blätter (Symphyti folium)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Pyrrolizidinalkaloide (PA)

– Allantoin

– Rosmarinsäure

– Schleimstoffe

– Gerbstoffe

Die toxikologische Relevanz wird primär durch Pyrrolizidinalkaloide bestimmt.

Q-Matrix

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine konsistent belegte direkte Wirkung auf das Gerinnungssystem.

 

 

Q2 – CYP-System

Pyrrolizidinalkaloide werden über hepatische Enzymsysteme metabolisiert.

Dabei entstehen reaktive Pyrrol-Metaboliten, die hepatotoxisch wirken können.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinisch entzündungsmodulierende Effekte beschrieben.

Diese stehen jedoch nicht im Mittelpunkt der Risikobewertung.

 

 

Q5 – Kardio

Keine primäre kardiovaskuläre Zielstruktur.

 

 

Q6 – Renal

Renale Beteiligung kann sekundär bei systemischer Toxizität auftreten.

Primäre nephrotoxische Effekte sind nicht konsistent beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Orale Einnahme kann verursachen:

– Übelkeit

– abdominale Beschwerden

– gastrointestinale Irritation

Aufgrund der hepatotoxischen Risiken wird eine orale Anwendung heute weitgehend vermieden.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine gesicherte endokrine Wirkachse.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Topische Anwendung bei:

– Prellungen

– Zerrungen

– Gelenkbeschwerden

Allantoin wirkt granulationsfördernd und wundheilungsunterstützend.

Kontaktallergien sind selten.

 

 

Q11 – Hepatisch (Primärachse)

Pyrrolizidinalkaloide können schwere hepatische Schäden verursachen.

Mechanismus:

– metabolische Aktivierung zu toxischen Pyrrolen

– Endothelschädigung der Lebergefäße

– hepatische Venenverschlusskrankheit (Veno-occlusive disease)

Klinische Manifestationen:

– Transaminasenerhöhung

– Leberfibrose

– Leberzirrhose

– akutes Leberversagen

 

 

Q12 – Reproduktion

Tierexperimentelle Studien zeigen embryotoxische und genotoxische Effekte der Pyrrolizidinalkaloide.

Eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ist kontraindiziert.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber metabolisch aktiviert.

Die entstehenden reaktiven Metaboliten können:

– DNA-Schäden verursachen

– hepatische Endothelzellen schädigen

– langfristige Lebertoxizität auslösen.

 

Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– Schwangerschaft und Stillzeit

– Kinder

– langfristige orale Anwendung

– Patienten mit Polypharmazie

 

Methodische Einordnung

Symphytum officinale ist eine traditionell verwendete Arzneipflanze.

Aufgrund der bekannten hepatischen Risiken durch Pyrrolizidinalkaloide wird die interne Anwendung heute weitgehend vermieden.

Moderne Anwendungen beschränken sich überwiegend auf PA-arme oder PA-freie topische Zubereitungen.

 

Quellen

EMA Assessment Report: Symphytum officinale

ESCOP Monographs

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

LiverTox Database – Pyrrolizidine Alkaloids

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 009

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/beinwell

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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