Protokollübersicht: KR-025
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Senecio jacobea
Asteraceae
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze mit Blatt-, Blüten- und Wurzeldetail, Weißhintergrund.)
Botanische Identität
Familie: Asteraceae
Wichtige Arten in der Risikoanalyse
– Senecio jacobaea
– Senecio vulgaris
– Senecio alpinus
Verwendete Pflanzenteile
– oberirdische Pflanzenteile
Greiskraut-Arten sind weltweit verbreitet und gehören zu den pyrrolizidinalkaloidhaltigen Risikopflanzen.
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Senecionin, Seneciphyllin, Retrorsin)
– N-Oxide der Pyrrolizidinalkaloide
– Flavonoide
– Bitterstoffe
Pyrrolizidinalkaloide bestimmen das toxikologische Profil der Pflanze.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.
Q2 – CYP-System
Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber über hepatische Enzymsysteme metabolisch aktiviert.
Dabei entstehen reaktive Pyrrol-Metaboliten.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse beschrieben.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.
Q5 – Kardio
Keine primäre kardiale Wirkstruktur dokumentiert.
Q6 – Renal
Keine primäre renale Zielstruktur.
Q7 – Gastro
Unspezifische gastrointestinale Symptome möglich:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Bauchschmerzen
Diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der Toxizität.
Q8 – Endokrin
Keine primäre endokrine Zielstruktur beschrieben.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Wirkachse dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Kontaktreaktionen möglich, jedoch selten beschrieben.
Q11 – Hepatisch (Primärachse)
Greiskraut gehört zu den pyrrolizidinalkaloidhaltigen hepatotoxischen Pflanzen.
Mechanismus
Pyrrolizidinalkaloide verursachen:
– Endothelschäden der Lebervenolen
– Bildung reaktiver Pyrrol-Metaboliten
– Protein- und DNA-Addukte
Dies kann zur Entwicklung einer
hepatischen sinusoidalen Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung)
führen.
Langfristige Exposition kann zu
– Leberfibrose
– Zirrhose
– chronischer Leberschädigung
führen.
Q12 – Genotoxizität
Pyrrolizidinalkaloide besitzen:
– genotoxische Eigenschaften
– mutagene Effekte
Reaktive Metaboliten können DNA-Addukte bilden.
Pharmakokinetische Hinweise
Pyrrolizidinalkaloide werden nach metabolischer Aktivierung zu reaktiven Pyrrol-Metaboliten umgewandelt.
Diese können langfristig:
– DNA-Schäden verursachen
– toxische Proteinbindungen eingehen.
Risikogruppen
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Kinder
– Schwangere
– chronische Exposition über kontaminierte Kräuterprodukte
– Aufnahme über kontaminierten Honig oder pflanzliche Lebensmittel
Methodische Einordnung
Greiskraut gehört zu den weltweit wichtigsten pyrrolizidinalkaloidhaltigen Risikopflanzen.
Die wissenschaftliche Bedeutung liegt in der Untersuchung pflanzenbedingter Lebertoxizität und genotoxischer Effekte.
Quellen
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
EFSA – Pyrrolizidine Alkaloids Risk Assessment
EMA Safety Assessments on Herbal Substances
Edgar JA et al. – Pyrrolizidine Alkaloids in Food and Medicinal Plants
Fu PP – Toxicity of Pyrrolizidine Alkaloids
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 025
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/greiskraut
Abrufdatum: 23.02.2026
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