Protokollübersicht: KR-036
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Jacobaea vulgaris
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Asteraceae
Verwendete Pflanzenteile: historisch Kraut; heute keine therapeutische Anwendung aufgrund toxikologischer Risiken.
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Pyrrolizidinalkaloide (Senecionin, Jacobin, Seneciphyllin)
– Pyrrolizidinalkaloid-N-Oxide
– Flavonoide
– Bitterstoffe
Leitsubstanzen: Pyrrolizidinalkaloide (PA) – toxikologisch entscheidend.
Q1 – Gerinnung
Keine primäre pharmakologische Wirkung auf das Gerinnungssystem dokumentiert.
Q2 – CYP-System
Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisch aktiviert.
Dabei entstehen hochreaktive Pyrrol-Metaboliten.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale pharmakologische Wirkachse beschrieben.
Q4 – Immunsystem
Keine therapeutisch relevante immunmodulatorische Wirkung bekannt.
Q5 – Kardio
Keine direkte kardiovaskuläre Wirkachse.
Sekundäre Effekte können bei fortgeschrittener Lebererkrankung auftreten.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse dokumentiert.
Q7 – Gastro
Akute Aufnahme kann zu gastrointestinalen Symptomen führen:
– Übelkeit
– Bauchschmerzen
– Erbrechen
Diese Symptome können frühe Zeichen einer Intoxikation sein.
Q8 – Endokrin
Keine hormonelle Wirkachse bekannt.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Wirkdimension beschrieben.
Q10 – Dermatologisch
Keine dermatologische therapeutische Achse dokumentiert.
Q11 – Hepatische Risikodimension
Primäre Interaktionsachse
Hepatotoxische Wirkung durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Metabolische Aktivierung über hepatische CYP-Enzyme
Mechanismus
Die in Jakobskreuzkraut enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber enzymatisch zu reaktiven Pyrrol-Metaboliten aktiviert. Diese Metaboliten binden an zelluläre Proteine und schädigen insbesondere das Endothel der Lebervenolen. Dadurch können hepatocelluläre Schäden, Fibrosen sowie vaskuläre Lebererkrankungen entstehen.
Klinische Relevanz
– Fälle schwerer Leberschäden beschrieben
– Entwicklung einer hepatischen sinusoidalen Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung) möglich
– chronische Aufnahme kann zu Leberfibrose oder Zirrhose führen
– Risiko auch bei niedriger, langfristiger Aufnahme über kontaminierte Produkte
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, klinische Fallberichte, regulatorische Bewertungen)
Risikostufe im Leber-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit Lebererkrankungen
– Kinder
– Schwangere
– chronische Aufnahme kontaminierter Kräuterprodukte
– Polypharmazie mit hepatotoxischen Arzneistoffen
Q12 – Genotoxische / Kanzerogene Risikodimension
Primäre Interaktionsachse
Genotoxisches Risiko durch Pyrrolizidinalkaloide
Sekundäre Achse
Chronische Aufnahme über kontaminierte pflanzliche Produkte oder Lebensmittel
Mechanismus
Reaktive Pyrrol-Metaboliten können DNA-Addukte bilden und dadurch mutagene Prozesse auslösen. Langfristige Exposition wird mit genotoxischen und potenziell kanzerogenen Effekten in Verbindung gebracht.
Klinische Relevanz
– kein therapeutischer Einsatz vertretbar
– Risiko bei chronischer Exposition
– Kontamination von Kräuterprodukten, Tees oder Honig möglich
– regulatorische Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide eingeführt
Evidenzklassifikation
E2–E3
(toxikologische Studien, Risikobewertungen internationaler Behörden)
Risikostufe im Toxikologie-Cluster
Hoch
Besondere Risikogruppen
– Kinder
– Schwangere
– Personen mit chronischem Konsum kontaminierter Pflanzenprodukte
– Personen mit eingeschränkter Entgiftungskapazität
Pharmakokinetische Hinweise
Pyrrolizidinalkaloide werden intestinal resorbiert und anschließend hepatisch metabolisiert.
Die toxischen Effekte resultieren aus der bioaktivierten Metabolitenbildung.
Methodische Einordnung
Jakobskreuzkraut ist keine Arzneipflanze, sondern eine toxikologisch relevante Pflanze mit ausgeprägter hepatotoxischer und genotoxischer Wirkung.
Die klinische Bedeutung liegt vor allem in:
– Vergiftungsfällen
– Kontamination pflanzlicher Produkte
– toxikologischer Risikobewertung pflanzlicher Inhaltsstoffe.
Quellen
EMA – Public Statement on Pyrrolizidine Alkaloids
EFSA Scientific Opinion on Pyrrolizidine Alkaloids in food and feed
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
Fu PP et al. Pyrrolizidine alkaloids: toxicology review
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken 036
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/jakobskreuzkraut
Abrufdatum: 23.02.2026
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