Protokollübersicht: KR-038
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Protokollübersicht: KR-038
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Acorus calamus
Botanische Einordnung
Familie: Acoraceae
Verwendete Pflanzenteile:
Rhizom (Kalmuswurzel)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– β-Asaron
– α-Asaron
– ätherische Öle
– Sesquiterpene
– Bitterstoffe
Die toxikologische Bewertung wird vor allem durch den β-Asaron-Gehalt bestimmt.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.
Q2 – CYP-System
β-Asaron wird über hepatische Enzymsysteme metabolisiert.
Die toxikologische Bedeutung ergibt sich aus der metabolischen Aktivierung zu reaktiven Zwischenprodukten.
Q3 – CNS
Historisch wurde Kalmus aufgrund möglicher zentralnervöser Effekte beschrieben.
Eine primäre pharmakologische CNS-Achse ist jedoch toxikologisch nicht relevant.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunologische Zielstruktur dokumentiert.
Q5 – Kardio
Keine primäre kardiale Wirkachse beschrieben.
Q6 – Renal
Keine primäre renale Zielstruktur beschrieben.
Q7 – Gastro
Mögliche gastrointestinale Symptome:
– Übelkeit
– Schleimhautreizung
– Erbrechen
Diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der toxikologischen Bewertung.
Q8 – Endokrin
Keine primäre endokrine Wirkachse dokumentiert.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Wirkung beschrieben.
Q10 – Dermatologisch
Kontaktreaktionen sind möglich, jedoch selten dokumentiert.
Q11 – Hepatisch
Lebermetabolisierung erfolgt über hepatische Enzymsysteme.
Eine ausgeprägte hepatotoxische Primärachse ist jedoch nicht charakteristisch.
Q12 – Genotoxizität / Kanzerogenität (Primäre Risikodimension)
β-Asaron besitzt in experimentellen Studien:
– genotoxische Eigenschaften
– mutagene Effekte
– kanzerogenes Potenzial
Tierexperimentelle Studien zeigen eine erhöhte Tumorinzidenz bei langfristiger Exposition.
Die toxikologische Bewertung hängt stark von der β-Asaron-Konzentration der jeweiligen Varietät ab.
Pharmakokinetische Hinweise
Nach metabolischer Aktivierung können reaktive Metaboliten entstehen, die mit DNA interagieren und genotoxische Effekte auslösen können.
Risikogruppen
– langfristige Einnahme hochdosierter Präparate
– Verwendung nicht standardisierter Pflanzenprodukte
– Patienten mit eingeschränkter Entgiftungskapazität
– Schwangerschaft
Methodische Einordnung
Kalmus gehört zu den Pflanzen mit potenziell genotoxischen Inhaltsstoffen, deren Risiko stark von der chemischen Zusammensetzung der jeweiligen Pflanzenvarietät abhängt.
Aus diesem Grund bestehen in vielen Ländern regulatorische Einschränkungen für β-Asaron-haltige Präparate.
Quellen
WHO – Monographs on Selected Medicinal Plants
EMA – Assessment Reports on Herbal Substances
EFSA – Scientific Opinion on β-Asarone
IARC – Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 038
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/kalmus
Abrufdatum: 23.02.2026
Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.