Protokollübersicht: KR-055

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Aristolochia clematitis

 

Botanische Einordnung

 

Familie: Aristolochiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzel und oberirdische Pflanzenteile (historisch verwendet)

Heute in vielen Ländern verboten oder stark reguliert.

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Aristolochiasäuren (AA I, AA II)

– Nitroaromatische Phenanthrencarbonsäuren

– weitere toxikologisch relevante Metaboliten

Aristolochiasäuren bestimmen das toxikologische Profil der Pflanze.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Teilweise metabolische Aktivierung über hepatische Enzymsysteme.

Die toxischen Effekte beruhen jedoch primär auf direkter nephrotoxischer und genotoxischer Wirkung.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q5 – Kardio

Keine primäre kardiale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q6 – Renal (Primärachse)

Osterluzei gehört zu den stärksten bekannten pflanzlichen Nephrotoxinen.

Mechanismus

Aristolochiasäuren verursachen:

– tubulointerstitielle Nephritis

– progressive interstitielle Fibrose

– irreversible Niereninsuffizienz

Das Krankheitsbild wird bezeichnet als:

Aristolochic Acid Nephropathy (AAN)

 

 

Q7 – Gastro

Unspezifische Symptome möglich:

– Übelkeit

– Erbrechen

– Bauchschmerzen

Diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der Toxizität.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Wirkachse dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktreaktionen möglich, jedoch selten beschrieben.

 

 

Q11 – Hepatisch

Leberbeteiligung möglich, jedoch sekundär.

Die Haupttoxizität betrifft das renale System.

 

 

Q12 – Genotoxizität / Kanzerogenität

Aristolochiasäuren sind:

– genotoxisch

– mutagen

– kanzerogen

Die Substanzen bilden DNA-Addukte, die mit einem erhöhten Risiko für Urothelkarzinome des oberen Harntraktes assoziiert sind.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Aristolochiasäuren werden metabolisch aktiviert und bilden stabile DNA-Addukte, die langfristige mutagene Effekte verursachen können.

 

Risikogruppen

– Patienten mit Nierenvorschädigung

– Patienten mit unklarer Kräuteranamnese

– Patienten mit Langzeitexposition gegenüber traditionellen Präparaten

– Populationen mit Verwendung aristolochiahaltiger Arzneien

 

Methodische Einordnung

Osterluzei gehört zu den toxikologisch bedeutendsten Arzneipflanzen weltweit.

Die Pflanze wurde historisch in verschiedenen traditionellen Medizinsystemen verwendet, ist heute jedoch aufgrund ihres nephrotoxischen und kanzerogenen Potentials in vielen Ländern verboten.

 

Quellen

WHO – Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA – Safety Statements on Aristolochia

IARC – Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans

Debelle FD et al. – Aristolochic Acid Nephropathy

Grollman AP – Aristolochic Acid and Cancer

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. O55

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/osterluzei

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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