Cluster

Gerinnung & Blutungsrisiko


Cluster Q1


K&R 001

Johanniskraut 

Hypericum perforatum

 

Primäre Interaktionsachse: CYP3A4- und P-Glykoprotein-Induktion

Sekundäre Achse: Wirkspiegelreduktion gerinnungsrelevanter Arzneimittel

Mechanismus (pharmakokinetisch):

Johanniskraut induziert CYP3A4 sowie P-Glykoprotein. Dadurch kann es zu einer beschleunigten Metabolisierung und verminderten Plasmakonzentration bestimmter Antikoagulanzien kommen.

 

Klinische Relevanz:

– mögliches Wirkverlust-Risiko bei DOAK

– INR-Schwankungen unter Vitamin-K-Antagonisten

– erhöhtes thromboembolisches Risiko bei Wirkabschwächung

Nicht primär relevant:

Keine direkte thrombozytenhemmende Wirkung im Sinne klassischer Blutungsförderung.

 

Evidenzklassifikation:

E1–E2 (klinische Interaktionsdaten + pharmakokinetische Studien)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Moderat bis hoch (abhängig vom Antikoagulans)

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter DOAK

– mechanische Herzklappen

– Vorhofflimmern mit Antikoagulation

– perioperative Situation


K&R 002

Ginkgo

Ginko biloba

 

Primäre Interaktionsachse: Thrombozytenaggregation (PAF-Antagonismus)

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Ginkgolide wirken als Antagonisten des Platelet Activating Factor (PAF) und können die Thrombozytenaggregation hemmen. Eine Verlängerung der Blutungszeit ist pharmakologisch plausibel. CYP-Effekte sind gering und klinisch meist sekundär.

 

Klinische Relevanz:

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel

– Potenziell erhöhtes Risiko unter Antikoagulanzien (Warfarin, DOAK)

– Perioperative Blutungskomplikationen in Fallberichten beschrieben

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien mit Surrogatparametern, Fallberichte)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Moderat

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Ältere mit Polypharmazie

 


K&R 003

Knoblauch

Allium sativum

 

Primäre Interaktionsachse: Thrombozytenhemmung

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Schwefelverbindungen wie Allicin und Ajoen können die Thrombozytenaggregation hemmen und die Blutungszeit verlängern. Der Effekt ist dosisabhängig und zubereitungsabhängig (roh, Extrakt, Öl).

 

Klinische Relevanz:

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel

– Erhöhte Blutungsneigung unter Warfarin möglich

– Theoretisch additive Effekte unter DOAK

– Perioperative Blutungskomplikationen in Fallberichten beschrieben

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien zur Thrombozytenfunktion, Fallberichte)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Moderat (hoch bei hochdosierten Extrakten)

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Patienten mit Gerinnungsstörungen

 


K&R 004

Ingwer

Zingiber officinale

 

Primäre Interaktionsachse: Thrombozytenhemmung (COX-/Thromboxan-Modulation)

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Gingerole und Shogaole können die Thrombozytenaggregation hemmen und die Thromboxan-Synthese beeinflussen. Eine Verlängerung der Blutungszeit ist dosisabhängig pharmakologisch plausibel. Effekte auf CYP-Enzyme sind uneinheitlich und klinisch meist untergeordnet.

 

Klinische Relevanz:

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel möglich

– Unter Warfarin vereinzelte INR-Veränderungen beschrieben

– Theoretisch additive Effekte bei DOAK

– Perioperativ bei hochdosierter Einnahme potenziell relevant

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien zur Thrombozytenfunktion, Fallberichte)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Niedrig bis moderat (dosisabhängig)

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Hochdosierte Extrakteinnahme

 


K&R 005

Kurkuma

Curcuma longa

 

Primäre Interaktionsachse: Thrombozytenhemmung (COX-/Thromboxan-Modulation)

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Curcumin kann die Thrombozytenaggregation hemmen und proinflammatorische Signalwege modulieren. Eine Verlängerung der Blutungszeit ist pharmakologisch plausibel. Zusätzlich bestehen in vitro Hinweise auf CYP-Hemmung, klinische Relevanz ist dosis- und formulierungsspezifisch.

 

Klinische Relevanz:

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel möglich

– Unter Warfarin vereinzelte INR-Erhöhungen beschrieben

– Theoretisch additive Effekte bei DOAK

– Perioperativ bei hochdosierten Extrakten potenziell relevant

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien zu Thrombozytenfunktion, Fallberichte)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Niedrig bis moderat (erhöht bei hochdosierten oder bioverfügbaren Extrakten)

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Hochdosierte Extraktanwendung

 


K&E 006

Weidenrinde

Salix purpurea

 

Primäre Interaktionsachse: Salicylatwirkung (COX-Hemmung)

Sekundäre Achse: Additives Blutungs- und gastrointestinales Risiko

Mechanismus:

Salicin wird im Körper zu Salicylsäure metabolisiert und kann die Prostaglandinsynthese sowie die Thrombozytenfunktion beeinflussen. Im Gegensatz zu ASS erfolgt keine irreversible COX-Acetylierung, jedoch ist eine funktionelle Hemmung pharmakologisch plausibel.

 

Klinische Relevanz:

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel

– Erhöhte Blutungsneigung unter Warfarin möglich

– Theoretisch additive Effekte bei DOAK

– Erhöhtes gastrointestinales Blutungsrisiko bei Kombination mit NSAR

– Perioperativ potenziell relevant

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien zur Salicylatwirkung, Fallberichte)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Moderat bis hoch (abhängig von Dosis und Kombination)

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit ASS oder NSAR

– Ulcus-Anamnese

– Perioperative Patienten

– Salicylat-sensitive Personen

 


K&R 007

Arnika 

Arnica 

 

Primäre Interaktionsachse: Potenzielle Thrombozytenhemmung (schwach belegt)

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Sesquiterpenlactone (v. a. Helenalin) zeigen in vitro Hinweise auf Beeinflussung entzündlicher Signalwege und möglicher Thrombozytenhemmung. Klinische Daten zur systemischen Gerinnungsbeeinflussung sind begrenzt.

 

Klinische Relevanz:

– Additive Blutungsneigung unter Antikoagulanzien theoretisch möglich

– Datenlage überwiegend auf Fallberichte und pharmakologische Plausibilität gestützt

– Hauptproblem ist die systemische Toxizität bei innerlicher Anwendung

 

Evidenzklassifikation:

E3–E4 (Fallberichte, pharmakologische Ableitung)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Niedrig belegt, jedoch toxikologisch problematisch bei oraler Einnahme

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Personen mit Gerinnungsstörungen

– Kardiovaskuläre Vorerkrankungen

– Schwangerschaft

 

Hinweis:

Arnika ist primär für die äußerliche Anwendung vorgesehen. Die innerliche Einnahme ist nicht standardmäßig empfohlen.

 

K&R 008

Chin. Engelwurz

Angelica sinensis

 

Primäre Interaktionsachse: Cumarinähnliche Gerinnungsmodulation

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Dong Quai enthält Cumarin-Derivate sowie Ferulasäure. Eine Beeinflussung der Thrombozytenfunktion und Verstärkung antikoagulatorischer Effekte ist pharmakologisch plausibel. Klinische Daten beziehen sich vor allem auf Warfarin-Interaktionen.

 

Klinische Relevanz:

– INR-Erhöhungen und Blutungskomplikationen unter Warfarin dokumentiert

– Additives Blutungsrisiko unter DOAK theoretisch möglich

– Kombination mit ASS oder Clopidogrel potenziell risikosteigernd

– Perioperativ relevant

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Fallberichte mit klinischer Relevanz, pharmakologische Plausibilität)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Moderat (hoch bei Kombination mit Warfarin)

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Warfarin

– Patienten unter Antikoagulation

– Perioperative Patienten

– Gerinnungsstörungen

 

K&R 009

Teufelskralle

Harpagophytum procumbens

 

Primäre Interaktionsachse:

COX-/Prostaglandin-Modulation

 

Sekundäre Achse:

Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Harpagosid-haltige Extrakte wirken antiinflammatorisch über Modulation von COX- und proinflammatorischen Signalwegen. Eine direkte, starke Thrombozytenhemmung ist nicht gesichert, jedoch ist eine additive Blutungsneigung bei gleichzeitiger Antikoagulation pharmakologisch plausibel.

 

Klinische Relevanz:

– Vereinzelte INR-Veränderungen unter Warfarin beschrieben

– Additive Blutungsgefahr unter DOAK theoretisch möglich

– Kombination mit ASS oder NSAR potenziell risikosteigernd

– Perioperativ vorsichtshalber absetzen

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (begrenzte Humanstudien, Fallberichte, pharmakologische Plausibilität)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Niedrig bis moderat

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Warfarin

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Ulcus-Anamnese

 



K&R 010

Mutterkraut

Tanacetum parthenium

 

Primäre Interaktionsachse: Thrombozytenhemmung (Parthenolid-vermittelt)

Sekundäre Achse: Additives Blutungsrisiko bei Antikoagulation

 

Mechanismus:

Parthenolid kann die Thrombozytenaggregation hemmen und serotonerge Signalwege in Thrombozyten beeinflussen. Eine Verlängerung der Blutungszeit ist pharmakologisch plausibel, klinische Daten sind begrenzt.

 

Klinische Relevanz:

– Additive Blutungsneigung bei Kombination mit ASS oder Clopidogrel möglich

– Unter Warfarin theoretisch risikosteigernd

– Für DOAK keine belastbaren klinischen Daten

– Perioperativ vorsorgliches Absetzen empfohlen

 

Evidenzklassifikation:

E2–E3 (Humanstudien außerhalb des Gerinnungskontexts, pharmakologische Ableitung)

Risikostufe im Gerinnungscluster:

Niedrig bis moderat

 

Besondere Risikogruppen:

– Patienten unter Antikoagulation

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– Perioperative Patienten

– Gerinnungsstörungen