Protokollübersicht: KR-024

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Panax ginseng C.A. Meyer

 

Familie: Araliaceae

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze mit Wurzeldetail, Blatt- und Fruchtdetail, Weißhintergrund.)

 

Botanische Identität

Familie: Araliaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel (Panax ginseng radix) 

European Medicines Agency (EMA) +1

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Ginsenoside (Triterpensaponine)

– Polysaccharide

– Polyacetylene

– weitere extraktabhängige Begleitstoffe 

European Medicines Agency (EMA) +1

 

 

Q1 – Gerinnung

Für Ginseng ist eine potenzielle Interaktionsrelevanz mit Warfarin beschrieben. Publiziert wurden insbesondere Hinweise auf INR-Abfall bzw. Abschwächung der antikoagulatorischen Wirkung; die Gesamtlage ist jedoch nicht in allen Datensätzen konsistent. 

PMC +2

Bewertung:

Sekundäre Gerinnungsachse mit klinischer Vorsicht bei Antikoagulation. 

PMC +1

 

 

Q2 – CYP-System

Für Panax ginseng werden in vitro und in pharmakokinetischen Bewertungen Modulationen einzelner CYP-Isoenzyme diskutiert, darunter CYP3A4. Die klinische Relevanz bleibt wegen heterogener Präparate und begrenzter Übertragbarkeit unsicher. 

European Medicines Agency (EMA) +1

Bewertung:

Relevante, aber nicht klar gesicherte Interaktionsachse. Bei enger therapeutischer Breite ist Vorsicht sachgerecht. 

European Medicines Agency (EMA) +1

 

 

Q3 – CNS

Beschrieben sind Insomnie, Nervosität, Unruhe und Kopfschmerzen. NCCIH nennt insbesondere Schlafstörungen als mögliche Nebenwirkung bei asiatischem Ginseng. 

NCCIH

Bewertung:

Q3 ist klinisch relevant, vor allem bei empfindlichen Patienten und bei gleichzeitiger stimulierender oder psychotroper Medikation. 

NCCIH

 

 

Q4 – Immunsystem

Es gibt präklinische und funktionelle Daten zu immunmodulatorischen Effekten. Eine belastbare klinische Einstufung als Immuntherapeutikum lässt sich daraus nicht ableiten. 

NCCIH +1

 

 

Q5 – Kardio

Mögliche Effekte auf Blutdruck und vegetative Aktivierung werden beschrieben, eine konsistente hochwertige Evidenz für eine klare kardiale Leitwirkung fehlt jedoch. 

NCCIH +1

Bewertung:

Sekundäre Achse, relevanter bei Hypertonie, vegetativer Übererregbarkeit und kardiovaskulärer Dauermedikation. 

NCCIH

 

 

Q6 – Renal

Keine klar belegte primäre renale Toxizitäts- oder Interaktionsachse. Belastbare nephrologische Risikosignale stehen derzeit nicht im Vordergrund. 

NCCIH +1

 

 

Q7 – Gastro

Zu den berichteten unerwünschten Wirkungen zählen gastrointestinale Beschwerden wie Magen-Darm-Reizung oder Durchfall. 

NCCIH

 

 

Q8 – Endokrin (Relevante Achse)

Für Ginseng werden blutzuckersenkende Effekte diskutiert. Daraus ergibt sich eine potenzielle Interaktionsrelevanz mit Antidiabetika, insbesondere bei instabiler Glukoseführung oder Kombination mit Insulin bzw. anderen antidiabetischen Wirkstoffen. 

NCCIH +1

Bewertung:

Q8 ist eine der wichtigsten klinischen Überwachungsachsen dieser Pflanze. 

Healthline +1

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Leitachse über Blutbildveränderungen. Die Relevanz liegt eher indirekt über Q1 als über direkte hämatologische Toxizität. 

PMC +1

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primär dermatologische Achse. Allergische oder irritative Reaktionen sind möglich, aber nicht leitend. 

NCCIH +1

 

 

Q11 – Hepatisch

Ginseng gilt nicht als klassische Hochrisiko-Leberpflanze. LiverTox beschreibt jedoch Fallberichte, in denen unter gleichzeitiger Medikation eine mögliche Verstärkung arzneimittelassoziierter Leberschäden diskutiert wurde. 

NCBI

Bewertung:

Sekundäre hepatogene Achse, besonders relevant bei Polypharmazie und Lebervorschädigung. 

NCBI

 

 

Q12 – Reproduktion

Für Schwangerschaft und Stillzeit bestehen unzureichende Sicherheitsdaten. NCCIH empfiehlt Zurückhaltung und weist darauf hin, dass manche Experten von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit abraten. 

NCCIH +1

 

Bewertung:

Q12 ist eine klare Vorsichtsachse. 

NCCIH +1

 

Pharmakokinetische Hinweise

Die Präparate unterscheiden sich deutlich nach Herkunft, Verarbeitung, Extraktion und Ginsenosidprofil. Dadurch ist die Vergleichbarkeit klinischer Studien begrenzt; nicht jeder Ginseng-Extrakt ist pharmakologisch gleichwertig. 

European Medicines Agency (EMA) +1

 

Risikogruppen

– Patienten unter Warfarin oder anderer Antikoagulation

– Patienten mit Diabetesmedikation

– Patienten mit Insomnie oder vegetativer Übererregbarkeit

– Schwangerschaft und Stillzeit

– Patienten mit Polypharmazie oder Lebervorschädigung 

NCCIH +2

 

Methodische Einordnung

Die regulatorische Einordnung durch die EMA bezieht sich auf die traditionelle Anwendung bei Asthenie-Symptomen wie Müdigkeit und Schwäche. Für viele weitergehende Wirk- und Interaktionsaussagen ist die Datenlage heterogen und stark präparateabhängig. 

European Medicines Agency (EMA) +1

Quellen

EMA. European Union herbal monograph on Panax ginseng C.A. Mey., radix. 

NCCIH. Asian Ginseng: Usefulness and Safety. 

NIH LiverTox. Ginseng. 

Dong H et al. Ginseng-warfarin interaction. 

Chua YT et al. Interaction between warfarin and Chinese herbal medicines. 

European Medicines Agency (EMA) +1

NCCIH

NCBI

PMC

PMC

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 024

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/ginseng

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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