Cluster

Hämatologisches System


Cluster Q9


K&R 001

 

Ginkgo

(Ginkgo biloba)

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Mikrozirkulation; potenzielle Verstärkung antithrombotischer Therapie.

 

Mechanismus

Ginkgolide hemmen den plättchenaktivierenden Faktor (PAF).

Reduktion der Thrombozytenaggregation und Veränderung der Gerinnungskaskade.

Antioxidative Effekte auf Gefäßendothel beschrieben.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien (z. B. DOAK, Warfarin).

– Additive Wirkung mit Thrombozytenaggregationshemmern (ASS, Clopidogrel).

– Intrakranielle Blutungen in Fallberichten beschrieben.

– Perioperativ erhöhtes Blutungsrisiko möglich.

 

Evidenzklassifizierung

PAF-Hemmung: E1–E2

Blutungsberichte: E2–E3

Interaktion mit Antikoagulanzien: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 002

 

Knoblauch

(Allium sativum)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung fibrinolytischer Aktivität; mögliche Interaktion mit Antikoagulanzien.

 

Mechanismus

Allicin und weitere Schwefelverbindungen hemmen die Thromboxanbildung und reduzieren die Thrombozytenaggregation.

Teilweise Förderung fibrinolytischer Prozesse beschrieben.

Wirkung dosisabhängig, insbesondere bei hochkonzentrierten Extrakten.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperatives Blutungsrisiko bei hochdosierter Einnahme.

– INR-Veränderungen bei Warfarin beschrieben, Daten uneinheitlich.

– In üblicher Nahrungsmenge geringe Relevanz.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Blutungsberichte: E2–E3

Interaktion mit Warfarin: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

Gesamteinordnung im Q9-Cluster

 


K&R 003

 

Ingwer

(Zingiber officinale)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Hemmung der Thromboxan- und Prostaglandinsynthese; potenzielle Verstärkung antithrombotischer Therapie.

 

Mechanismus

Gingerole und Shogaole hemmen COX-abhängige Signalwege und reduzieren die Thromboxanbildung.

In vitro und in Humanstudien leichte Hemmung der Plättchenaggregation beschrieben.

Wirkung dosisabhängig, stärker bei hochkonzentrierten Extrakten.

 

Klinische Relevanz

– Potenziell erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperatives Risiko bei hochdosierter Einnahme.

– Klinische Daten zur INR-Veränderung uneinheitlich.

– In üblicher Ernährungsmenge geringe Relevanz.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Blutungsberichte: E2–E3

Interaktionsdaten mit Antikoagulanzien: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 004

 

Ginseng

(Panax ginseng)

 

Primäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Thrombozytenaggregation.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Mögliche Interaktion mit Antikoagulanzien; Einfluss auf Gerinnungsparameter (uneinheitliche Datenlage).

 

Mechanismus

Ginsenoside modulieren die Plättchenaktivierung und können in vitro sowohl hemmende als auch modulierende Effekte zeigen.

Einfluss auf die Gerinnungskaskade nicht konsistent, jedoch pharmakologisch plausibel.

 

Klinische Relevanz

– INR-Veränderungen bei Warfarin beschrieben (uneinheitlich; teils Abschwächung der Wirkung).

– Potenziell erhöhtes oder verändertes Blutungsrisiko bei kombinierter antithrombotischer Therapie.

– Perioperative Vorsicht empfohlen.

– Wirkung dosis- und extraktabhängig.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenmodulation: E2–E3

Interaktion mit Warfarin: E2–E3

Klinische Blutungsberichte: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation (Warfarin, DOAK)

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Multimorbide ältere Patienten

– Polypharmazie

 


K&R 005

 

Weidenrinde

(Salix alba)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung (salicylatähnliche Wirkung).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Prostaglandinsynthese; potenzielle Verstärkung antithrombotischer Therapie.

 

Mechanismus

Salicin wird metabolisch zu Salicylsäure umgewandelt.

Hemmung der Cyclooxygenase (COX) → reduzierte Thromboxanbildung → verminderte Plättchenaggregation.

Wirkung schwächer und langsamer als bei Acetylsalicylsäure.

 

Klinische Relevanz

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Gastrointestinale Blutungsgefahr bei prädisponierten Patienten.

– Nicht geeignet bei Salicylatallergie.

– Vorsicht bei gleichzeitiger NSAID-Therapie.

 

Evidenzklassifizierung

Salicylatwirkung: E1

Thrombozytenhemmung: E2

Blutungsberichte: E2–E3

Interaktion mit Antikoagulanzien: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Salicylatallergie

– Gastrointestinale Ulzera

– Geplante operative Eingriffe

 


K&R 006

 

Mädesüß

(Filipendula ulmaria)

 

Primäre Interaktionsachse

Salicylatähnliche Gerinnungshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

COX-Hemmung; potenzielle Verstärkung antithrombotischer Therapie.

 

Mechanismus

Enthält Salicylaldehyd-Derivate und weitere phenolische Verbindungen, die metabolisch salicylatähnlich wirken.

Hemmung der Prostaglandinsynthese → Reduktion der Thrombozytenaggregation.

Wirkung schwächer als Acetylsalicylsäure, aber pharmakologisch verwandt.

 

Klinische Relevanz

– Additives Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Vorsicht bei Salicylatallergie.

– Potenzielles Risiko gastrointestinaler Blutungen bei prädisponierten Patienten.

– Nicht geeignet bei Kindern mit viralen Infekten (Reye-Syndrom-Risiko analog diskutiert, wenn auch nicht klar belegt).

 

Evidenzklassifizierung

Salicylatähnliche Wirkung: E2

Thrombozytenhemmung: E2–E3

Interaktion mit Antikoagulanzien: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Salicylatallergie

– Gastrointestinale Ulzera

– Geplante operative Eingriffe

 


K&R 007

 

Kurkuma

(Curcuma longa)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Modulation der Gerinnungskaskade; mögliche Verstärkung antithrombotischer Therapie.

 

Mechanismus

Curcumin hemmt COX- und LOX-abhängige Signalwege und reduziert die Thromboxanbildung.

In vitro und in Humanstudien leichte Hemmung der Plättchenaggregation beschrieben.

Zusätzlich Beeinflussung entzündungsabhängiger Gerinnungsmechanismen.

 

Klinische Relevanz

– Potenziell erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperative Vorsicht bei hochdosierten Extrakten.

– Klinisch relevante Blutungen selten, aber pharmakologisch plausibel.

– In üblicher Nahrungsmenge geringe Relevanz.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Interaktion mit Antikoagulanzien: E2–E3

Klinische Blutungsberichte: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 008

 

Dong Quai

(Angelica sinensis)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Gerinnungskaskade; potenzielle Interaktion mit Antikoagulanzien

.

Mechanismus

Enthält Cumarin-Derivate und Ferulasäure, die eine Hemmung der Plättchenaggregation fördern können.

Zusätzlich vasodilatatorische Effekte beschrieben.

Gerinnungshemmende Wirkung pharmakologisch plausibel, klinisch dosisabhängig.

 

Klinische Relevanz

– INR-Erhöhungen und Blutungsfälle bei Kombination mit Warfarin dokumentiert.

– Additives Blutungsrisiko bei Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperative Blutungsgefahr möglich.

– Häufig kombiniert in traditionellen Mischpräparaten → schwer kalkulierbares Interaktionsprofil.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Interaktion mit Warfarin: E2

Klinische Blutungsberichte: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation (Warfarin, DOAK)

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 009

 

Cranberry

(Vaccinium macrocarpon)

 

Primäre Interaktionsachse

Potenzielle Interaktion mit Vitamin-K-Antagonisten (v. a. Warfarin).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Milde Beeinflussung der Thrombozytenfunktion (nicht konsistent belegt).

 

Mechanismus

Polyphenole können hepatische Enzyme oder Transporter modulieren; genaue Mechanismen der INR-Veränderung sind nicht abschließend geklärt.

Ein direkter, starker COX-hemmender Effekt wie bei Salicylaten ist nicht belegt.

 

Klinische Relevanz

– INR-Erhöhungen und Blutungsereignisse bei Warfarin in Fallberichten beschrieben.

– Datenlage inkonsistent, aber klinisch relevant bei stabil eingestellter Antikoagulation.

– Keine konsistente relevante Interaktion mit DOAK dokumentiert.

– In üblicher Nahrungsmenge geringe Relevanz.

 

Evidenzklassifizierung

Interaktion mit Warfarin: E2–E3

Direkte Thrombozytenhemmung: E3

Klinische Blutungsberichte: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Warfarin-Therapie

– Antikoagulation mit enger therapeutischer Breite

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 010

 

Reishi

(Ganoderma lucidum)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Modulation der Gerinnungskaskade; mögliche Beeinflussung der Fibrinolyse.

 

Mechanismus

Triterpene und Polysaccharide können die Plättchenaggregation hemmen.

Teilweise Hemmung der Thrombinaktivität und Beeinflussung fibrinolytischer Prozesse beschrieben.

Wirkung dosisabhängig, insbesondere bei konzentrierten Extrakten.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperative Vorsicht empfohlen.

– Einzelne Berichte über verlängerte Blutungszeit.

– Bei üblicher Dosierung meist moderates Risiko, bei Extrakten relevanter.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Gerinnungsmodulation: E2–E3

Klinische Blutungsberichte: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten