Protokollübersicht: KR-033

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Heliotropium europaeum

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Botanische Einordnung

Familie: Boraginaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

oberirdische Pflanzenteile

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Pyrrolizidinalkaloide (z. B. Lasiocarpin, Heliotrine)

– N-Oxide der Pyrrolizidinalkaloide

– Phenolische Verbindungen

– Flavonoide

Die toxikologische Bedeutung liegt primär bei den Pyrrolizidinalkaloiden.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber durch hepatische Enzymsysteme metabolisch aktiviert.

Dabei entstehen reaktive Pyrrol-Metaboliten.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q5 – Kardio

Keine spezifische kardiale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Zielstruktur.

 

 

Q7 – Gastro

Unspezifische Symptome möglich:

– Übelkeit

– Erbrechen

– abdominale Beschwerden

Diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der Toxizität.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Wirkung dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktreaktionen möglich, jedoch selten beschrieben.

 

 

Q11 – Hepatisch (Primärachse)

Heliotrop gehört zu den pyrrolizidinalkaloidhaltigen hepatotoxischen Pflanzen.

Mechanismus

Pyrrolizidinalkaloide werden metabolisch aktiviert und bilden:

– reaktive Pyrrol-Metaboliten

– Protein-Addukte

– DNA-Addukte

Diese verursachen:

– hepatische sinusoidale Obstruktionskrankheit (veno-okklusive Erkrankung)

– hepatocelluläre Nekrose

– progressive Leberfibrose

 

 

Q12 – Genotoxizität / Kanzerogenität

Pyrrolizidinalkaloide sind:

– genotoxisch

– mutagen

– potenziell kanzerogen

Langfristige Exposition kann zur Entstehung von Lebertumoren beitragen.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Nach metabolischer Aktivierung entstehen reaktive Pyrrol-Metaboliten, die:

– kovalent an Proteine binden

– DNA-Addukte bilden

– langfristige toxische Effekte auslösen können.

 

Risikogruppen

– Patienten mit Lebererkrankungen

– Kinder

– Schwangere

– chronische Aufnahme über kontaminierte Kräuterprodukte

– Aufnahme über kontaminierten Honig oder pflanzliche Lebensmittel

 

Methodische Einordnung

Heliotropium-Arten gehören zu den pyrrolizidinalkaloidhaltigen Risikopflanzen.

Die toxikologische Bedeutung liegt insbesondere in:

– hepatotoxischen Effekten

– genotoxischen Wirkmechanismen

– möglichen chronischen Vergiftungssyndromen.

 

Quellen

WHO – Monographs on Selected Medicinal Plants

EFSA – Pyrrolizidine Alkaloids Risk Assessment

EMA – Herbal Medicinal Products Safety Assessments

Fu PP et al. – Pyrrolizidine Alkaloids Toxicology

Edgar JA et al. – Pyrrolizidine Alkaloids in Food

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 033

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/heliotrop

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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