Cluster

Immunsystem & Risikogruppen


Cluster Q4


K&R 001

 

Echinacea

(Echinacea purpurea / angustifolia)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunstimulation (Aktivierung unspezifischer Immunantwort).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinmodulation; potenzielle Beeinflussung immunsuppressiver Therapie.

 

Mechanismus

Alkylamide, Polysaccharide und Cichoriensäure stimulieren Makrophagenaktivität, Phagozytose und Zytokinfreisetzung (z. B. TNF-α, IL-1, IL-6 in präklinischen Modellen).

Teilweise Modulation von NF-κB-Signalwegen beschrieben.

Keine starke, konsistent belegte CYP-Induktion wie bei Johanniskraut.

 

Klinische Relevanz

– Theoretisches Risiko bei Autoimmunerkrankungen (z. B. MS, rheumatoide Arthritis, Lupus).

– Mögliche Abschwächung immunsuppressiver Medikation (z. B. nach Transplantation).

– Vorsicht bei Patienten unter Biologika oder systemischen Kortikosteroiden.

– Keine primär hepatotoxische Hochrisikopflanze, aber immunologisch relevant.

 

Evidenzklassifizierung

Immunstimulation (präklinisch gut belegt): E1–E2

Klinische Daten zur Autoimmun-Verschlechterung: begrenzt (E3)

Interaktionen mit Immunsuppressiva: theoretisch/plausibel (E3)

 

Besondere Risikogruppen

– Autoimmunerkrankungen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Chronisch entzündliche Erkrankungen

 


K&R 002

 

Astragalus

(Astragalus membranaceus)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunstimulation (zelluläre und humorale Immunantwort).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinmodulation; potenzielle Interaktion mit Immunsuppressiva und onkologischen Therapien.

 

Mechanismus

Polysaccharide, Saponine (Astragaloside) und Flavonoide stimulieren Makrophagen, NK-Zellen und T-Lymphozyten.

Erhöhte Interleukin- und Interferon-Aktivität in präklinischen und klinischen Modellen beschrieben.

Teilweise Modulation der Th1/Th2-Balance.

Keine konsistente starke CYP-Induktion belegt.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Therapie (z. B. Ciclosporin, Tacrolimus).

– Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen (potenzielle Krankheitsaktivierung).

– In der Onkologie teils als adjuvant eingesetzt, jedoch mit möglicher Interaktion bei Immuntherapien.

– Keine primär hepatotoxische Hochrisikopflanze, aber immunologisch aktiv.

 

Evidenzklassifizierung

Immunstimulierende Effekte: E1–E2 (präklinisch und kleinere klinische Studien)

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (theoretisch/plausibel)

Autoimmun-Verschlechterung: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Chronisch entzündliche Erkrankungen

 


K&R 003

 

Katzenkralle

(Uncaria tomentosa)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunmodulation mit immunstimulierender Tendenz.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinmodulation; potenzielle Beeinflussung immunsuppressiver Therapie.

 

Mechanismus

Oxindolalkaloide und weitere sekundäre Pflanzenstoffe modulieren Makrophagenaktivität und Zytokinfreisetzung (z. B. IL-1, IL-6, TNF-α in präklinischen Modellen).

Teilweise Stimulation der T-Zell-Aktivität beschrieben.

Keine konsistente starke CYP-Induktion belegt; immunologische Wirkung steht im Vordergrund.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Medikamente (z. B. nach Transplantation).

– Potenzielle Aktivierung oder Verschlechterung bei Autoimmunerkrankungen.

– Vorsicht bei Patienten unter Biologika oder systemischer Immunsuppression.

– In der Onkologie teils komplementär eingesetzt, Interaktionen mit Immuntherapien nicht ausreichend untersucht.

 

Evidenzklassifizierung

Immunmodulierende Effekte: E2 (präklinisch, kleinere klinische Studien)

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (theoretisch/plausibel)

Autoimmun-Verschlechterung: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Chronisch entzündliche Erkrankungen


K&R 004

 

Ashwagandha

(Withania somnifera)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunmodulation mit immunstimulierender Komponente.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Schilddrüsenfunktion; vereinzelte hepatotoxische Signale.

 

Mechanismus

Withanolide zeigen immunmodulierende Effekte mit Aktivierung von Makrophagen und NK-Zellen in präklinischen Modellen.

Modulation pro- und antiinflammatorischer Zytokine beschrieben.

Teilweise Steigerung der Schilddrüsenhormonspiegel (T3/T4) in kleineren Studien beobachtet.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Therapie (z. B. nach Transplantation).

– Potenzielle Aktivierung bei Autoimmunerkrankungen nicht ausgeschlossen.

– Schilddrüsenaktivierung kann bei autoimmuner Thyreoiditis klinisch relevant sein.

– Einzelne Berichte über arzneimittelinduzierte Leberschädigung.

 

Evidenzklassifizierung

Immunmodulation: E2 (präklinisch, kleinere Humanstudien)

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (plausibel, unzureichend klinisch untersucht)

Schilddrüseneffekte: E2–E3

Hepatotoxische Fallberichte: E3

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Autoimmune Thyreoiditis

– Lebererkrankungen

 


K&R 006

 

Ginseng

(Panax ginseng)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunstimulation (zelluläre Immunantwort).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinmodulation; mögliche Beeinflussung immunsuppressiver Therapie.

 

Mechanismus

Ginsenoside modulieren Makrophagen, NK-Zellen und T-Lymphozyten.

Steigerung bestimmter Interleukine und Interferon-Expression in präklinischen und kleineren klinischen Studien beschrieben.

Teilweise antiinflammatorische Effekte je nach Dosis und Kontext.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Medikamente (z. B. nach Organtransplantation).

– Potenzielle Aktivierung bei Autoimmunerkrankungen nicht ausgeschlossen.

– In der Onkologie teilweise adjuvant eingesetzt, Interaktionen mit Immuntherapien nicht ausreichend untersucht.

– Keine ausgeprägte hepatotoxische Hochrisikopflanze, immunologisch jedoch relevant.

 

Evidenzklassifizierung

Immunmodulation: E2 (präklinisch und kleinere Humanstudien)

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (plausibel, begrenzte klinische Daten)

Autoimmun-Verschlechterung: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Chronisch entzündliche Erkrankungen

 


K&R 006

 

Süßholz

(Glycyrrhiza glabra)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunmodulation mit antiinflammatorischer und glukokortikoidähnlicher Wirkung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Mineralokortikoide Effekte (Pseudoaldosteronismus); potenzielle Beeinflussung von Kortikosteroidtherapien.

 

Mechanismus

Glycyrrhizin und Glycyrrhetinsäure hemmen 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2. Dadurch steigt die Wirkung von endogenem Cortisol an Mineralokortikoidrezeptoren.

Zusätzlich werden antiinflammatorische Effekte über NF-κB- und Zytokinmodulation beschrieben.

Immunmodulation ist eher regulierend als stark stimulierend.

 

Klinische Relevanz

– Potenzielle Verstärkung systemischer Kortikosteroidwirkungen.

– Relevanz bei Patienten unter Langzeit-Steroidtherapie.

– Elektrolytverschiebungen (Hypokaliämie), Hypertonie und Ödeme bei hoher oder langfristiger Einnahme.

– Indirekte Relevanz bei chronisch entzündlichen oder autoimmunen Erkrankungen.

 

Evidenzklassifizierung

11β-HSD2-Hemmung: E1

Mineralokortikoide Effekte: E1–E2

Immunmodulation: E2

Interaktion mit Kortikosteroiden: E2–E3

Besondere Risikogruppen

– Patienten unter systemischer Kortikosteroidtherapie

– Hypertonie

– Herzinsuffizienz

– Nierenerkrankungen

– Chronisch entzündliche oder autoimmune Erkrankungen

 


K&R 007

 

Kurkuma

(Curcuma longa)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunmodulation mit antiinflammatorischer Wirkung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokin- und NF-κB-Modulation; potenzielle Interaktion mit Immuntherapien und Antikoagulation.

 

Mechanismus

Curcuminoide (v. a. Curcumin) hemmen NF-κB, COX-2 und verschiedene proinflammatorische Zytokine (u. a. TNF-α, IL-1, IL-6).

Wirken eher immunregulierend als stimulierend.

Teilweise Beeinflussung zellulärer Signalwege, die auch bei onkologischen Immuntherapien relevant sind.

 

Klinische Relevanz

– Potenzielle Interaktion mit Immuncheckpoint-Inhibitoren theoretisch möglich (Signalweg-Überschneidung).

– Modulation chronisch entzündlicher Erkrankungen, jedoch nicht eindeutig stimulierend.

– Antikoagulative Effekte möglich → indirekte Relevanz bei multimorbiden Patienten.

– Hepatobiliäre Effekte bei hochdosierten Extrakten beschrieben.

 

Evidenzklassifizierung

NF-κB-Hemmung: E1–E2

Antiinflammatorische Effekte: E2

Interaktion mit Immuntherapien: E3 (theoretisch/plausibel)

Hepatotoxische Signale bei Hochdosis: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Chronisch entzündliche Erkrankungen

– Patienten unter Antikoagulation

– Lebererkrankungen

– Polypharmazie

 


K&R 008

 

Reishi

(Ganoderma lucidum)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunstimulation und Immunmodulation.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinregulation; potenzielle Beeinflussung immunsuppressiver Therapie; antithrombozytäre Effekte.

 

Mechanismus

Polysaccharide (β-Glucane) stimulieren Makrophagen, NK-Zellen und T-Lymphozyten.

Triterpene modulieren entzündliche Signalwege und Zytokinexpression (u. a. IL-2, TNF-α).

Teilweise Hemmung der Thrombozytenaggregation beschrieben.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Therapie (z. B. nach Organtransplantation).

– Potenzielle Aktivierung bei Autoimmunerkrankungen.

– Relevanz bei onkologischen Patienten unter Immuntherapie nicht abschließend geklärt.

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien möglich.

– Einzelfälle von Hepatotoxizität berichtet.

 

Evidenzklassifizierung

Immunmodulation: E2

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (plausibel, begrenzte klinische Daten)

Blutungsberichte: E2–E3

Hepatotoxische Fallberichte: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Patienten unter Antikoagulation

– Lebererkrankungen

 


K&R 009

 

Johanniskraut

(Hypericum perforatum)

 

Primäre Interaktionsachse

CYP3A4- und P-Glykoprotein-Induktion mit Relevanz für Immunsuppressiva.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Metabolisierung antiretroviraler und onkologischer Therapien.

 

Mechanismus

Induktion von CYP3A4 und P-Glykoprotein durch Hyperforin.

Beschleunigter Abbau von Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin, Tacrolimus), bestimmten antiretroviralen Substanzen sowie einigen Zytostatika.

Keine primär immunstimulierende Pflanze, sondern pharmakokinetisch relevant.

 

Klinische Relevanz

– Abfall von Ciclosporin- oder Tacrolimus-Spiegeln mit Risiko für Transplantatabstoßung.

– Wirkverlust antiretroviraler Therapie möglich.

– Beeinflussung onkologischer Therapieschemata denkbar.

– Kritisch bei stabil eingestellter Immunsuppression.

 

Evidenzklassifizierung

CYP3A4-Induktion: E1

Reduktion von Ciclosporin-Spiegeln: E1

Interaktion mit antiretroviraler Therapie: E1–E2

Onkologische Relevanz: E2–E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– HIV-Patienten

– Onkologische Patienten

– Polypharmazie

 


K&R 010

 

Andrographis

(Andrographis paniculata)

 

Primäre Interaktionsachse

Immunmodulation mit immunstimulierender und antiinflammatorischer Komponente.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zytokinregulation; potenzielle Beeinflussung immunsuppressiver Therapie; seltene hepatotoxische Signale.

 

Mechanismus

Andrographolid moduliert NF-κB-abhängige Signalwege und beeinflusst die Expression proinflammatorischer Zytokine (u. a. TNF-α, IL-6).

Stimulation bestimmter zellulärer Immunantworten (Makrophagen, T-Zellen) in präklinischen Modellen beschrieben.

Immunologisch regulierend, nicht rein stimulierend.

 

Klinische Relevanz

– Theoretische Abschwächung immunsuppressiver Therapie bei Transplantierten.

– Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen aufgrund möglicher Immunaktivierung.

– In Einzelfällen allergische Reaktionen und Leberenzymanstiege berichtet.

– Interaktionen mit onkologischen Immuntherapien nicht ausreichend untersucht.

 

Evidenzklassifizierung

Immunmodulation: E2 (präklinisch, kleinere klinische Studien)

Interaktion mit Immunsuppressiva: E3 (plausibel, unzureichend klinisch validiert)

Hepatotoxische Signale: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Organtransplantierte

– Patienten unter Immunsuppressiva

– Autoimmunerkrankungen

– Onkologische Patienten unter Immuntherapie

– Lebererkrankungen