Protokollübersicht: KR-004
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Andrographis paniculata
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze inkl. Wurzeln, Blütendetail, Samen, Weißhintergrund.)
Botanische Identität
Familie: Acanthaceae
Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Andrographidis herba)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Andrographolid (Diterpenlacton, Leitsubstanz)
– Neoandrographolid
– Deoxyandrographolid
– Flavonoide
Q1 – Gerinnung
Keine konsistente klinische Evidenz für direkte Gerinnungshemmung.
Einzelfallberichte über Blutungsneigung sind nicht systematisch abgesichert.
Einordnung:
Keine primäre Gerinnungsachse, Vorsicht bei Antikoagulation mangels robuster Interaktionsdaten.
Q2 – CYP-System
Präklinische Hinweise auf Modulation von CYP3A4, CYP2C9 und CYP2D6.
Humanrelevanz nicht ausreichend belegt.
Mögliche theoretische Interaktionen:
– Orale Antikoagulanzien
– Antidiabetika
– Immunsuppressiva
Evidenz:
Überwiegend in vitro / Tiermodelle.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse.
Keine belastbare klinische Evidenz für neuroaktive Effekte.
Q4 – Immunsystem (Primärachse)
Mechanismus (präklinisch):
– Hemmung proinflammatorischer Zytokine
– NF-κB-Modulation
– Immunmodulatorische Effekte
Klinische Daten:
Untersuchungen bei akuten Atemwegsinfekten zeigen moderate Symptomverkürzung.
Studienqualität heterogen.
Risiko:
Bei Autoimmunerkrankungen theoretisch relevant.
Nicht ausreichend untersucht bei immunsupprimierten Patienten.
Q5 – Kardio
Präklinische Daten zu blutdrucksenkenden Effekten.
Keine robuste klinische Evidenz für kardiovaskuläre Therapie.
Q6 – Renal
Keine gesicherte nephrotoxische Wirkung.
Unzureichende systematische Sicherheitsdaten bei Niereninsuffizienz.
Q7 – Gastro
Bitterstoffcharakter → mögliche Magenreizung.
Berichtet: Übelkeit, Durchfall, abdominale Beschwerden.
Q8 – Endokrin
Präklinische Hinweise auf Blutzuckersenkung.
Keine belastbare klinische Evidenz für antidiabetische Therapie.
Q9 – Hämatologisch
Vereinzelte Berichte über Veränderungen der Leberwerte, keine konsistente hämatologische Toxizität belegt.
Q10 – Dermatologisch
Seltene allergische Hautreaktionen beschrieben.
Pharmakokinetische Hinweise
Andrographolid zeigt begrenzte orale Bioverfügbarkeit.
Standardisierte Extrakte deutlich besser untersuchbar als Rohkraut.
Risikogruppen
– Schwangerschaft (unzureichende Sicherheitsdaten)
– Stillzeit
– Autoimmunerkrankungen
– Patienten unter immunsuppressiver Therapie
– Patienten mit komplexer CYP-abhängiger Medikation
Methodische Einordnung
Die immunbezogenen Effekte sind überwiegend präklinisch abgesichert.
Klinische Daten bei Atemwegsinfekten vorhanden, jedoch methodisch heterogen.
Keine ausreichende Langzeitsicherheitsdokumentation.
Quellen
EMA Assessment Report: Andrographis paniculata.
ESCOP Monographs.
Poolsup N et al. Clinical efficacy of Andrographis paniculata in upper respiratory tract infections.
Panossian A et al. Pharmacology of Andrographolide.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 004
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/Andrographis
Abrufdatum: 23.02.2026
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