Protokollübersicht: KR-073

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

G

lycyrrhiza glabra

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Fabaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel (Liquiritiae radix)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure)

– Liquiritin

– Isoliquiritigenin

– Flavonoide

– Cumarine (geringe Mengen)

Glycyrrhizin ist toxikologisch leitend.

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungshemmende Achse.

Keine konsistent belegte relevante Interaktion mit Antikoagulanzien.

 

 

Q2 – CYP-System

Hinweise auf CYP3A4-Modulation (präklinisch).

Klinische Relevanz insgesamt begrenzt, jedoch bei Polypharmazie berücksichtigen.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre sedierende oder stimulierende Achse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Antiinflammatorische Effekte beschrieben.

Keine systemische Immuntherapie.

 

 

Q5 – Kardio (Sicherheitsrelevant)

Wirkmechanismus:

Glycyrrhizin hemmt 11β-HSD2 → Cortisol wirkt mineralokortikoid → Natriumretention, Kaliumverlust.

Risiken:

– Hypertonie

– Ödeme

– Hypokaliämie

– Herzrhythmusstörungen

Langzeit- oder Hochdosisanwendung potenziell gefährlich.

 

 

Q6 – Renal

Elektrolytverschiebungen sekundär relevant für Nierenfunktion.

Vorsicht bei Niereninsuffizienz.

 

 

Q7 – Gastro (Primärachse)

Wirkprofil:

– Schleimhautprotektiv

– Antiinflammatorisch

– Expektorierend

Indikationen:

– Dyspeptische Beschwerden

– Gastritis

– Hustenreiz

Deglycyrrhizinierte Extrakte (DGL) ohne mineralokortikoide Nebenwirkung.

 

 

Q8 – Endokrin

Pseudoaldosteronismus bei längerer Einnahme.

Endokrine Sicherheitsachse klinisch relevant.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine spezifische dermatologische Achse.

Pharmakokinetische Hinweise

Glycyrrhizin wird intestinal zu Glycyrrhetinsäure metabolisiert.

Dosisabhängige systemische Effekte.

Nicht gleichzusetzen: Lakritz-Süßigkeit ≠ Arzneiextrakt.

 

Risikogruppen

– Hypertonie

– Herzinsuffizienz

– Niereninsuffizienz

– Diuretika-Therapie

– Digitalis

– Schwangerschaft

– Langzeitanwendung

 

Methodische Einordnung

Süßholz besitzt relevante gastroprotektive Effekte, jedoch eine klar definierte mineralokortikoide Sicherheitsachse.

Dosis und Anwendungsdauer sind entscheidend.

DGL-Präparate unterscheiden sich wesentlich vom Vollwurzelextrakt.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Glycyrrhiza glabra L., radix.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Stormer FC et al. Liquorice-induced hypertension – review.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 073

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/Süßholz

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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