Protokollübersicht: KR-035
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Zingiber officinale
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Zingiberaceae
Verwendete Pflanzenteile: Rhizom (Zingiberis rhizoma)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Gingerole (v. a. 6-Gingerol)
– Shogaole
– Zingeron
– Ätherisches Öl (Zingiberen)
Q1 – Gerinnung (Relevanzachse)
In vitro Hemmung der Thrombozytenaggregation beschrieben.
Klinische Relevanz bei üblicher Dosierung moderat, bei hochdosierten Extrakten relevant.
Vorsicht bei Kombination mit:
– Antikoagulanzien
– Thrombozytenaggregationshemmern
– NSAID
Blutungsrisiko theoretisch erhöht.
Q2 – CYP-System
Begrenzte Hinweise auf CYP2C9- und CYP3A4-Modulation.
Klinische Relevanz gering bis moderat, dosisabhängig.
Interaktionspotenzial bei Polypharmazie berücksichtigen.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse.
Antiemetische Wirkung über periphere Mechanismen.
Q4 – Immunsystem
Antiinflammatorische Effekte präklinisch gut dokumentiert.
Keine etablierte systemische Immuntherapie.
Q5 – Kardio
Untersuchungen zu Lipid- und Blutdruckmodulation vorhanden.
Keine etablierte kardiovaskuläre Therapie.
Indirekte Relevanz über Gerinnungsachse.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse dokumentiert.
Q7 – Gastro (Primärachse)
Wirkmechanismus:
Prokinetisch und antiemetisch.
Beeinflussung serotonerger Rezeptoren im Gastrointestinaltrakt.
Indikationen:
– Übelkeit (Reisekrankheit)
– Schwangerschaftsbedingte Übelkeit (Daten moderat)
– Postoperative Übelkeit (adjunktiv)
Nebenwirkungen:
– Sodbrennen
– Magenreizungen
Q8 – Endokrin
Mögliche blutzuckersenkende Effekte diskutiert.
Interaktion mit Antidiabetika theoretisch möglich.
Q9 – Hämatologisch
Indirekte Relevanz über Thrombozytenaggregation (Q1).
Keine primäre hämatologische Toxizität.
Q10 – Dermatologisch
Topische Anwendungen bei Muskel- und Gelenkbeschwerden.
Selten Hautreizungen.
Pharmakokinetische Hinweise
Gingerole werden teilweise zu Shogaolen umgewandelt.
Bioverfügbarkeit moderat.
Extraktstandardisierung stark variabel.
Risikogruppen
– Antikoagulierte Patienten
– Gallensteinleiden (gallensekretionsfördernd)
– Schwangerschaft (therapeutische Dosierung meist sicher, Hochdosis vermeiden)
– Refluxerkrankung
Methodische Einordnung
Ingwer ist gut untersucht bei Übelkeit.
Wirksamkeit moderat belegt, insbesondere bei standardisierten Extrakten.
Gerinnungsrelevanz dosisabhängig und klinisch zu berücksichtigen.
Quellen
EMA Herbal Monograph: Zingiber officinale Roscoe, rhizoma.
ESCOP Monographs.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Viljoen E et al. Ginger for nausea and vomiting – systematic review.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 035
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
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Abrufdatum: 23.02.2026
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