Protokollübersicht: KR-039

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Matricaria chamomilla

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Synonym: Matricaria recutita

 

Familie: Asteraceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Blüten (Matricariae flos)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Ätherisches Öl (α-Bisabolol, Bisabololoxide)

– Matricin (→ Chamazulen bei Destillation)

– Flavonoide (Apigenin)

– Cumarine

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine klinisch relevante gerinnungshemmende Wirkung belegt.

Cumarine in geringen Mengen, keine antikoagulative Standardwirkung.

 

 

Q2 – CYP-System

Keine konsistent belegte relevante CYP-Modulation.

Interaktionspotenzial insgesamt gering.

 

 

Q3 – CNS

Apigenin zeigt in vitro Affinität zu Benzodiazepin-Rezeptoren.

Klinische sedierende Wirkung mild und nicht vergleichbar mit Benzodiazepinen.

 

 

Q4 – Immunsystem

Antiinflammatorische Effekte gut dokumentiert (lokal).

Keine systemische Immuntherapie.

 

 

Q5 – Kardio

Keine primäre kardiovaskuläre Wirkachse.

 

 

Q6 – Renal

Keine relevante renale Achse dokumentiert.

 

 

Q7 – Gastro (Primärachse)

Wirkmechanismus:

Spasmolytisch, antiinflammatorisch auf Schleimhäute.

Indikationen:

– Dyspeptische Beschwerden

– Krampfartige Magen-Darm-Beschwerden

– Entzündliche Schleimhautzustände

Nebenwirkungen selten und mild.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine konsistent belegte hormonelle Wirkachse.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine relevante hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch (Sekundärachse)

Topisch:

– Entzündungshemmend

– Wundheilungsunterstützend

– Beruhigend bei Hautreizungen

Risiken:

– Kontaktallergien (Korbblütler-Sensitivität)

Pharmakokinetische Hinweise

Ätherisches Öl stark abhängig von Herkunft und Verarbeitung.

Wässrige Teezubereitungen enthalten deutlich weniger lipophile Bestandteile als alkoholische Extrakte.

 

Risikogruppen

– Korbblütler-Allergie

– Stark sensibilisierte Haut

– Säuglinge (kein hochkonzentriertes ätherisches Öl)

 

Methodische Einordnung

Kamille ist eine der am besten untersuchten Arzneipflanzen im Bereich gastrointestinaler und topischer Anwendungen.

Wirksamkeit bei entzündlichen Schleimhauterkrankungen gut belegt.

Systemische Interaktionsachse gering ausgeprägt.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Matricaria chamomilla L., flos.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

McKay DL et al. Chamomile: A herbal medicine of the past with a bright future.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 039

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/kamille

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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