Cluster

Kardiovaskuläres System


Cluster Q5


K&R 001

 

Weißdorn

(Crataegus monogyna / Crataegus laevigata)

 

Primäre Interaktionsachse

Myokardiale Funktionsmodulation (positive Inotropie, verbesserte diastolische Relaxation).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Periphere Vasodilatation; milde Blutdrucksenkung.

 

Mechanismus

Oligomere Procyanidine und Flavonoide verbessern die koronare Durchblutung und steigern moderat die Kontraktilität des Herzmuskels.

Verbesserung der endothelialen Funktion und Reduktion des peripheren Gefäßwiderstands beschrieben.

Keine relevante CYP-Induktion oder -Hemmung.

 

Klinische Relevanz

– Untersucht bei leichter Herzinsuffizienz (NYHA I–II).

– Additive Wirkung bei gleichzeitiger Einnahme von Antihypertensiva möglich.

– Theoretische Verstärkung kardial wirksamer Medikamente (z. B. Digitalis), klinisch meist gering ausgeprägt.

– Kein relevantes Arrhythmierisiko dokumentiert.

 

Evidenzklassifizierung

Herzinsuffizienz (milde Formen): E2

Belastungstoleranz: E2

Blutdruckeffekt: E2–E3

Klinisch relevante Interaktionen: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Herzinsuffizienz

– Hypotonie

– Kombination mit Antihypertensiva

– Multimorbide ältere Patienten

– Polypharmazie

 


K&R 002

 

Digitalis

(Digitalis purpurea / Digitalis lanata)

 

Primäre Interaktionsachse

Herzglykosidwirkung (Na⁺/K⁺-ATPase-Hemmung).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Arrhythmierisiko; enge therapeutische Breite; Elektrolyt-abhängige Toxizität (v. a. Kalium).

 

Mechanismus

Hemmung der Na⁺/K⁺-ATPase im Myokard → intrazellulärer Calciumanstieg → positive Inotropie.

Erhöhte vagale Aktivität → Verlangsamung der AV-Überleitung.

Sehr geringe therapeutische Breite, toxische Schwelle klinisch relevant.

 

Klinische Relevanz

– Bradykardie, AV-Block, ventrikuläre Arrhythmien bei Überdosierung.

– Hypokaliämie (z. B. durch Diuretika) erhöht Toxizitätsrisiko erheblich.

– Interaktionen mit Diuretika, Antiarrhythmika und bestimmten Antibiotika.

– Digitoxin/Digoxin-Spiegelveränderungen klinisch kritisch.

 

Evidenzklassifizierung

Kardiale Wirkung: E1

Arrhythmierisiko: E1

Elektrolytabhängige Toxizität: E1

Interaktionsrelevanz: E1

 

Besondere Risikogruppen

– Herzinsuffizienz

– Vorhofflimmern

– Diuretikatherapie

– Elektrolytstörungen

– Niereninsuffizienz

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 003

 

Ginkgo

(Ginkgo biloba)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Vasomodulation; mögliche Beeinflussung endothelialer Funktion.

 

Mechanismus

Ginkgolide hemmen den plättchenaktivierenden Faktor (PAF). Dadurch wird die Thrombozytenaggregation reduziert.

Flavonoide wirken antioxidativ und beeinflussen die Mikrozirkulation.

Keine konsistente starke CYP-Induktion; kardiovaskuläre Relevanz primär pharmakodynamisch.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien (z. B. DOAK, Warfarin) oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Perioperatives Blutungsrisiko.

– Keine relevante direkte Arrhythmieinduktion.

– Blutdruckveränderungen klinisch meist gering.

 

Evidenzklassifizierung

PAF-Hemmung: E1–E2

Blutungsberichte (inkl. intrakraniell): E2–E3

Klinisch relevante Interaktionen mit Antikoagulanzien: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten unter Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung (ASS, Clopidogrel)

– Geplante operative Eingriffe

– Hämorrhagische Diathese

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 004

 

Knoblauch

(Allium sativum)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Milde Blutdrucksenkung; Lipidmodulation; potenzielle CYP-Interaktionen.

 

Mechanismus

Allicin und weitere Schwefelverbindungen hemmen die Thrombozytenaggregation und beeinflussen thromboxanabhängige Signalwege.

Zusätzlich endotheliale NO-Freisetzung und leichte Vasodilatation beschrieben.

Blutdrucksenkende Effekte vermutlich über Gefäßrelaxation und reduzierte periphere Resistenz.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

– Additive Blutdrucksenkung bei gleichzeitiger antihypertensiver Therapie.

– Perioperatives Blutungsrisiko.

– Keine relevante Arrhythmieinduktion dokumentiert.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Blutdrucksenkung: E2

Klinisch relevante Blutungsberichte: E2–E3

CYP-Interaktionen: uneinheitlich, meist E3

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten unter Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hypertonie unter Medikation

– Multimorbide ältere Patienten

 



K&R 005

 

Ingwer

(Zingiber officinale)

 

Primäre Interaktionsachse

Thrombozytenaggregationshemmung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Milde Vasodilatation; potenzielle Blutdrucksenkung; Einfluss auf Thromboxan- und Prostaglandinsynthese.

 

Mechanismus

Gingerole und Shogaole hemmen die Thromboxan-Synthese und beeinflussen COX-abhängige Signalwege.

Teilweise Hemmung der Plättchenaggregation in vitro und in Humanstudien beschrieben.

Vasodilatatorische Effekte vermutlich über endotheliale Mechanismen.

 

Klinische Relevanz

– Erhöhtes Blutungsrisiko bei Kombination mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern möglich.

– Additive Blutdrucksenkung bei antihypertensiver Medikation denkbar.

– Perioperatives Blutungsrisiko bei hochdosierten Extrakten.

– Keine relevante Arrhythmieinduktion dokumentiert.

 

Evidenzklassifizierung

Thrombozytenhemmung: E2

Blutdruckeffekte: E2–E3

Klinische Blutungsberichte: E3

CYP-Interaktionen: nicht konsistent belegt (E3–E4)

 

Besondere Risikogruppen

– Patienten unter Antikoagulation

– Thrombozytenaggregationshemmung

– Geplante operative Eingriffe

– Hypertonie unter Medikation

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 006

 

Ginseng

(Panax ginseng)

 

Primäre Interaktionsachse

Blutdruck- und Gefäßtonusmodulation.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Beeinflussung der Thrombozytenaggregation; mögliche Interaktion mit Antikoagulanzien; sympathomimetische Aktivierung (dosisabhängig).

 

Mechanismus

Ginsenoside beeinflussen endotheliale NO-Synthese und Gefäßrelaxation.

Teilweise blutdrucksenkende Effekte, in Einzelfällen auch Blutdruckanstieg beschrieben (dosis- und patientenabhängig).

Modulation der Thrombozytenfunktion in vitro und in Humanstudien gezeigt.

Keine konsistente starke CYP-Induktion; kardiovaskuläre Wirkung primär pharmakodynamisch.

 

Klinische Relevanz

– Additive Blutdrucksenkung bei antihypertensiver Therapie möglich.

– Einzelberichte über Blutdruckanstieg oder Tachykardie bei höheren Dosierungen.

– Beeinflussung der INR bei Warfarin beschrieben (uneinheitliche Datenlage).

– Potenziell erhöhte Blutungs- oder Gerinnungsrisiken je nach Interaktionskontext.

 

Evidenzklassifizierung

Gefäßmodulation / Blutdruck: E2

Thrombozyteneffekte: E2–E3

Interaktion mit Warfarin: E2–E3

Arrhythmierisiko: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hypertonie

– Patienten unter Antikoagulation

– Koronare Herzkrankheit

– Arrhythmien

– Multimorbide ältere Patienten

– Polypharmazie

 


K&R 007

 

Süßholz

(Glycyrrhiza glabra)

 

Primäre Interaktionsachse

Mineralokortikoide Wirkung (Pseudoaldosteronismus).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Elektrolytverschiebung (Hypokaliämie); Blutdruckanstieg.

 

Mechanismus

Glycyrrhizin hemmt 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2.

Dadurch wirkt endogenes Cortisol verstärkt an Mineralokortikoidrezeptoren.

Folgen: Natriumretention, Kaliumverlust, Volumenanstieg, Blutdruckerhöhung.

 

Klinische Relevanz

– Hypertonieentwicklung oder -verschlechterung.

– Hypokaliämie mit Arrhythmierisiko.

– Erhöhte Digitalis-Toxizität bei Kaliumverlust.

– Interaktion mit Diuretika (verstärkte Elektrolytstörung).

– Risiko bei Herzinsuffizienz.

 

Evidenzklassifizierung

11β-HSD2-Hemmung: E1

Blutdruckanstieg: E1–E2

Hypokaliämie: E1

Interaktion mit Diuretika/Digitalis: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Hypertonie

– Herzinsuffizienz

– Diuretikatherapie

– Digitalis-Therapie

– Niereninsuffizienz

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 008

 

Oleander

(Nerium oleander)

 

Primäre Interaktionsachse

Herzglykosidwirkung (Na⁺/K⁺-ATPase-Hemmung).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Schwere Arrhythmogene Potenz; Elektrolytabhängige Toxizität (v. a. Kalium).

 

Mechanismus

Oleandrin und verwandte Cardenolide hemmen die Na⁺/K⁺-ATPase im Myokard.

Intrazellulärer Calciumanstieg → positive Inotropie.

Gleichzeitig erhöhte Arrhythmieneigung durch gestörte elektrische Stabilität.

 

Klinische Relevanz

– Bradykardie, AV-Block, ventrikuläre Arrhythmien.

– Übelkeit, Erbrechen als frühe Toxizitätszeichen.

– Hypo- oder Hyperkaliämie verstärkt kardiale Toxizität.

– Lebensbedrohliche Vergiftungen bereits bei geringer Menge möglich.

– Keine therapeutische Breite im phytotherapeutischen Kontext.

 

Evidenzklassifizierung

Kardiale Wirkung: E1

Arrhythmierisiko: E1

Toxikologische Fallberichte: E1

 

Besondere Risikogruppen

– Herzinsuffizienz

– Arrhythmien

– Elektrolytstörungen

– Kinder (Vergiftungsrisiko)

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 009

 

Ephedra

(Ephedra sinica)

 

Primäre Interaktionsachse

Sympathomimetische Aktivierung (α- und β-adrenerge Rezeptorwirkung).

 

Sekundäre Interaktionsachse

Blutdrucksteigerung; Tachykardie; Arrhythmierisiko; zerebrovaskuläre Ereignisse.

 

Mechanismus

Ephedrin und Pseudoephedrin wirken indirekt sympathomimetisch durch Freisetzung von Noradrenalin sowie direkte Stimulation adrenerger Rezeptoren.

Folgen: Vasokonstriktion, Herzfrequenzanstieg, erhöhter systolischer und diastolischer Blutdruck.

 

Klinische Relevanz

– Hypertonie und hypertensive Krisen möglich.

– Tachykardie und supraventrikuläre oder ventrikuläre Arrhythmien.

– Erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt oder Schlaganfall, insbesondere bei Risikopatienten.

– Kritisch in Kombination mit MAO-Hemmern oder anderen Sympathomimetika.

– Zahlreiche regulatorische Einschränkungen aufgrund kardiovaskulärer Nebenwirkungen.

 

Evidenzklassifizierung

Blutdrucksteigerung: E1

Arrhythmierisiko: E1–E2

Schwere kardiovaskuläre Ereignisse: E2

 

Besondere Risikogruppen

– Hypertonie

– Koronare Herzkrankheit

– Arrhythmien

– Zerebrovaskuläre Erkrankungen

– Kombination mit Stimulanzien oder MAO-Hemmern

– Multimorbide ältere Patienten

 


K&R 010

 

Kava

(Piper methysticum)

 

Primäre Interaktionsachse

Periphere Vasodilatation mit potenzieller Blutdrucksenkung.

 

Sekundäre Interaktionsachse

Zentrale Sedierung mit indirekter Kreislaufdämpfung; mögliche Interaktion mit antihypertensiver Medikation.

 

Mechanismus

Kavalactone wirken zentral dämpfend (GABA-Modulation) und können periphere Gefäßrelaxation begünstigen.

Blutdrucksenkende Effekte sind nicht stark ausgeprägt, aber bei empfindlichen Patienten möglich.

Keine direkte kardiale Glykosidwirkung und keine sympathomimetische Aktivierung.

 

Klinische Relevanz

– Additive Hypotonie bei Kombination mit Antihypertensiva möglich.

– Orthostatische Beschwerden bei sedationsbedingter Kreislaufdämpfung.

– Keine ausgeprägte Arrhythmieinduktion dokumentiert.

– Hepatotoxische Effekte können sekundär systemische Medikation beeinflussen.

 

Evidenzklassifizierung

Blutdruckeffekte: E2–E3

Klinisch relevante Arrhythmien: keine konsistente Evidenz

Interaktion mit Antihypertensiva: E3

 

Besondere Risikogruppen

– Hypotonie

– Antihypertensive Therapie

– Herzinsuffizienz mit niedriger Auswurffraktion

– Multimorbide ältere Patienten

– Lebererkrankungen