Protokollübersicht: KR-019

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Digitalis purpurea

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Plantaginaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (historisch); heute ausschließlich isolierte Herzglykoside arzneilich relevant

 

Wichtiger Grundsatz:

Digitalis als Pflanze ist toxisch. Therapeutisch verwendet werden standardisierte, exakt dosierte Herzglykoside (z. B. Digoxin), nicht Rohpflanzenzubereitungen.

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Cardenolid-Glykoside (z. B. Digitoxin, Digoxin-Vorstufen)

– Gitoxin

– Weitere Herzglykoside

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine direkte gerinnungshemmende Wirkung.

Indirekte Relevanz über Rhythmusstörungen bei Intoxikation möglich.

 

 

Q2 – CYP-System

Digitoxin hepatisch metabolisiert (CYP3A4 beteiligt).

Digoxin überwiegend renal eliminiert, jedoch relevante Arzneimittelinteraktionen.

Interaktionen u. a. mit:

– Makrolid-Antibiotika

– Amiodaron

– Verapamil

– Diuretika (indirekt über Elektrolyte)

 

 

Q3 – CNS

Digitalisintoxikation kann verursachen:

– Verwirrtheit

– Delir

– Sehstörungen (Gelb-/Grünsehen)

– Halluzinationen

Keine therapeutische ZNS-Indikation.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunmodulierende Achse.

 

 

Q5 – Kardio (Primärachse)

Wirkmechanismus:

Hemmung der Na⁺/K⁺-ATPase → erhöhte intrazelluläre Ca²⁺-Konzentration → positive Inotropie.

Therapeutische Anwendung (standardisierte Wirkstoffe):

– Herzinsuffizienz

– Bestimmte supraventrikuläre Tachyarrhythmien

Risiken:

– Bradykardie

– AV-Block

– Kammerarrhythmien

– Intoxikation mit schmalem therapeutischem Fenster

 

 

Q6 – Renal

Digoxin wird überwiegend renal eliminiert.

Niereninsuffizienz → erhöhtes Intoxikationsrisiko.

 

 

Q7 – Gastro

Frühsymptome einer Intoxikation:

– Übelkeit

– Erbrechen

– Appetitlosigkeit

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre hormonelle Wirkachse.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur.

Elektrolytstörungen (Hypokaliämie) erhöhen Intoxikationsrisiko.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkachse.

Pharmakokinetische Hinweise

Extrem schmales therapeutisches Fenster.

Serumspiegelkontrolle bei Arzneimitteltherapie erforderlich.

Rohpflanze → unkontrollierbare Dosierung → hohes Vergiftungsrisiko.

 

Risikogruppen

– Niereninsuffizienz

– Hypokaliämie

– Ältere Patienten

– Polypharmazie

– Selbstmedikation mit Pflanzenmaterial (kontraindiziert)

 

Methodische Einordnung

Digitalis ist ein klassisches Beispiel für die Transformation einer toxischen Pflanze in einen standardisierten Arzneistoff.

Die Pflanze selbst ist nicht zur Selbstanwendung geeignet.

Therapie ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle.

 

Quellen

EMA Assessment Reports: Digoxin, Digitoxin.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Katzung BG. Basic & Clinical Pharmacology – Cardiac Glycosides.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 019

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/digitalis

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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