Protokollübersicht: KR-053
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Nerium oleander L.
Familie: Apocynaceae
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze mit Blatt-, Blüten- und Fruchtdetail, Weißhintergrund.)
Botanische Identität
Familie: Apocynaceae
Verwendete Pflanzenteile:
Blätter, Blüten, Rinde (pharmakologisch relevant; medizinische Nutzung nicht etabliert)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Herzglykoside (v. a. Oleandrin, Neriin)
– Flavonoide
– Triterpene
Herzglykoside bestimmen das toxikologische Profil der Pflanze.
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsrelevante Wirkachse beschrieben.
Gerinnungsstörungen können sekundär bei schweren Vergiftungen auftreten, sind jedoch keine direkte pharmakologische Zielstruktur.
Q2 – CYP-System
Keine konsistente primäre CYP-Modulation beschrieben.
Die Toxizität von Oleander beruht primär auf pharmakodynamischen Effekten der Herzglykoside, nicht auf metabolischer Enzymmodulation.
Q3 – CNS
Bei Vergiftung möglich:
– Schwindel
– Verwirrtheit
– Lethargie
Diese Effekte sind meist sekundär durch kardiovaskuläre Instabilität oder Elektrolytstörungen bedingt.
Q4 – Immunsystem
Keine relevante immunologische Wirkachse beschrieben.
Q5 – Kardio (Primärachse)
Oleander enthält herzglykosidartige Substanzen, die strukturell und pharmakologisch Digitalis-Glykosiden ähneln.
Mechanismus:
Hemmung der Na⁺/K⁺-ATPase im Myokard.
Folgen:
– erhöhte intrazelluläre Calciumkonzentration
– positive Inotropie
– erhebliche Arrhythmierisiken
Klinische Symptome einer Vergiftung:
– Bradykardie
– AV-Block
– ventrikuläre Arrhythmien
– Kreislaufkollaps
Q6 – Renal
Renale Auswirkungen sind meist sekundär:
– Elektrolytstörungen
– Hyperkaliämie bei schwerer Vergiftung
Keine primäre nephrotoxische Leitwirkung.
Q7 – Gastro
Frühe Symptome einer Vergiftung häufig gastrointestinal:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Bauchschmerzen
– Diarrhö
Diese treten oft vor den kardialen Symptomen auf.
Q8 – Endokrin
Keine direkte endokrine Zielstruktur beschrieben.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Wirkachse.
Q10 – Dermatologisch
Kontakt mit Pflanzensaft kann Hautreizungen verursachen.
Allergische Reaktionen sind möglich, aber selten.
Q11 – Hepatisch
Keine typische hepatotoxische Leitwirkung.
Bei schwerer Vergiftung können sekundäre Leberfunktionsstörungen auftreten.
Q12 – Reproduktion
Keine sichere Anwendung in Schwangerschaft oder Stillzeit.
Aufgrund der hohen Toxizität ist eine medizinische Anwendung grundsätzlich kontraindiziert.
Pharmakokinetische Hinweise
Oleandrin wird gastrointestinal gut resorbiert.
Die pharmakologische Wirkung entspricht in Teilen Digitalis-Glykosiden, mit ähnlicher therapeutischer und toxischer Wirkbreite.
Vergiftungen können bereits durch kleine Mengen der Pflanze auftreten.
Risikogruppen
– Kinder (besonders gefährdet durch geringe toxische Schwelle)
– Patienten mit Herzrhythmusstörungen
– Patienten mit Digitalis-Therapie
– Patienten mit Elektrolytstörungen
– Haustiere und Nutztiere (häufige Vergiftungsfälle)
Methodische Einordnung
Nerium oleander gehört zu den toxikologisch bedeutendsten Zierpflanzen im mediterranen Raum.
Die Pflanze besitzt keine etablierte therapeutische Anwendung in der modernen evidenzbasierten Medizin.
Die pharmakologische Relevanz ergibt sich ausschließlich aus ihrem Vergiftungs- und Interaktionspotenzial.
Quellen
WHO Poisonous Plants Monographs
ESCOP Toxic Plant Reports
EMA toxic plant references
Frohne & Pfänder – Giftpflanzen
StatPearls: Oleander Toxicity
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 053
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/oleander
Abrufdatum: 23.02.2026
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