Protokollübersicht: KR-041
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Piper methysticum
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Piperaceae
Verwendete Pflanzenteile: Wurzelstock / Rhizom (Kavae rhizoma)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Kavalactone (z. B. Kavain, Methysticin, Yangonin)
– Dihydrokavain
– Flavokavine (toxikologisch relevant diskutiert)
Q1 – Gerinnung
Keine konsistent belegte primäre gerinnungshemmende Wirkung.
Keine systematisch gesicherten Interaktionen mit Antikoagulanzien.
Q2 – CYP-System (Relevanzachse)
Hemmung von CYP2D6, CYP1A2 und CYP3A4 diskutiert.
Klinische Interaktionen möglich, jedoch heterogen dokumentiert.
Vorsicht bei Kombination mit:
– Antidepressiva
– Antipsychotika
– Benzodiazepinen
– Antiepileptika
Q3 – CNS (Primärachse)
Wirkprofil:
– Anxiolytisch
– Sedierend
– Muskelrelaxierend
Mechanismus:
Modulation GABA-A-Rezeptoren und spannungsabhängiger Ionenkanäle.
Risiken:
– Sedierung
– Reaktionsverlangsamung
– Verstärkung anderer ZNS-dämpfender Substanzen
– Abhängigkeitspotenzial (geringer als bei Benzodiazepinen, aber vorhanden)
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunmodulierende Achse.
Q5 – Kardio
Keine konsistente primäre kardiovaskuläre Wirkung.
Bei Intoxikation möglich: Hypotonie.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse dokumentiert.
Q7 – Gastro
Mögliche Nebenwirkungen:
– Übelkeit
– Appetitlosigkeit
Zentrale Problematik liegt jedoch nicht gastrointestinal, sondern hepatotoxisch.
Q8 – Endokrin
Keine konsistent belegte hormonelle Wirkachse.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Toxizität beschrieben.
Q10 – Dermatologisch
Langzeitkonsum kann zu trockener, schuppiger Haut („Kava-Dermopathie“) führen.
Hepatische Sicherheitsachse (klinisch hochrelevant)
Mehrere Berichte über schwere Leberschädigungen, einschließlich Leberversagen.
Risikofaktoren:
– Hochdosierte Extrakte
– Kombination mit hepatotoxischen Substanzen
– Alkohol
In mehreren Ländern zeitweise Marktrücknahmen erfolgt.
Pharmakokinetische Hinweise
Kavalactone lipophil, hepatisch metabolisiert.
Extraktqualität und Lösungsmittel entscheidend für Risikoprofil.
Nicht äquivalent: traditionelle wässrige Zubereitung vs. organische Extrakte.
Risikogruppen
– Lebererkrankungen
– Alkoholabusus
– Polypharmazie
– Gleichzeitige Sedativa
– Schwangerschaft und Stillzeit
Methodische Einordnung
Wirksamkeit bei generalisierten Angstzuständen in mehreren randomisierten Studien belegt.
Hepatotoxizität ist die zentrale limitierende Sicherheitsachse.
Risiko-Nutzen-Abwägung individuell erforderlich.
Quellen
EMA Assessment Report: Piper methysticum.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Sarris J et al. Kava for anxiety – systematic review.
Teschke R et al. Kava hepatotoxicity reports.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 041
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/kava
Abrufdatum: 23.02.2026
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