Protokollübersicht: KR-049

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Silybum marianum

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Asteraceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Früchte (Silybi mariani fructus)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Silymarin (Flavonolignangemisch)

– Silybin A/B

– Silychristin

– Silydianin

– Flavonoide

– Fettsäuren (Samenöl)

Silymarin ist der pharmakologisch relevante Leitsubstanzkomplex.

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungshemmende Wirkung.

Interaktionsdaten mit Antikoagulanzien begrenzt, klinische Relevanz gering.

 

 

Q2 – CYP-System

Leichte Modulation von CYP3A4 und CYP2C9 diskutiert.

Klinische Relevanz insgesamt gering, jedoch bei Polypharmazie berücksichtigen.

Interaktionspotenzial v. a. theoretisch.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Antiinflammatorische Effekte präklinisch gut dokumentiert.

Keine etablierte Immuntherapie.

 

 

Q5 – Kardio

Untersuchungen zu metabolischen Parametern vorhanden.

Keine etablierte kardiovaskuläre Therapie.

 

 

Q6 – Renal

Keine konsistente nephrotoxische Wirkung belegt.

Keine primäre renale Indikation.

 

 

Q7 – Gastro

Gelegentlich:

– Übelkeit

– Durchfall

– Völlegefühl

Meist mild.

 

 

Q8 – Endokrin

Untersuchungen zu Glukosestoffwechsel vorhanden (insbesondere bei metabolischem Syndrom).

Keine etablierte endokrine Standardtherapie.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Seltene allergische Reaktionen möglich (Korbblütler-Sensitivität).

Hepatische Achse (Primärachse)

Wirkprofil:

– Membranstabilisierend

– Antioxidativ

– Förderung der Proteinsynthese in Hepatozyten (präklinisch)

Indikationen:

– Unterstützende Therapie bei toxischen Leberschäden

– Chronisch-entzündliche Lebererkrankungen

Evidenzlage:

– Heterogen

– Verbesserungen von Laborparametern beschrieben

– Mortalitätsvorteil nicht konsistent belegt

Pharmakokinetische Hinweise

Silymarin geringe orale Bioverfügbarkeit.

Extraktstandardisierung entscheidend.

Nicht gleichzusetzen: Samenpulver ≠ standardisierter Silymarin-Extrakt.

 

Risikogruppen

– Korbblütler-Allergie

– Polypharmazie

– Schwangerschaft (unzureichende Daten)

 

Methodische Einordnung

Mariendistel gehört zu den am häufigsten eingesetzten leberspezifischen Phytotherapeutika.

Klinische Evidenz für Laborwertverbesserungen vorhanden, jedoch uneinheitlich hinsichtlich harter klinischer Endpunkte.

Sicherheitsprofil insgesamt günstig.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Loguercio C et al. Silymarin in chronic liver disease – review.

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 049

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/mariendistel

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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