Protokollübersicht: KR-097

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Crotalarie

 

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Fabaceae

Relevante Arten:

– Crotalaria spectabilis

– Crotalaria retusa

– Crotalaria juncea

– Crotalaria sagittalis

 

Verwendete Pflanzenteile:

– gesamte Pflanze

– Samen

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Pyrrolizidinalkaloide (PA)

– Monocrotalin

– Retrorsin

– Heliotridin-Derivate

– weitere PA-Strukturen

Diese Alkaloide bestimmen das toxikologische Profil der Pflanze.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Pyrrolizidinalkaloide werden in der Leber metabolisch aktiviert.

Mechanismus:

– CYP-vermittelte Bioaktivierung

– Bildung reaktiver Pyrrol-Metaboliten

– kovalente Bindung an Proteine und DNA

Diese Aktivierung ist Voraussetzung der Toxizität.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre neurotoxische Wirkachse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Bei schweren Intoxikationen können sekundäre kardiale Effekte auftreten.

Einige PA (z. B. Monocrotalin) zeigen experimentell pulmonalvaskuläre Toxizität.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Wirkachse.

 

 

Q7 – Gastro

Frühsymptome können sein:

– Übelkeit

– Bauchschmerzen

– Erbrechen

Diese sind jedoch nicht die Hauptmanifestation.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine spezifische hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q11 – Hepatisch (Primärachse)

Pyrrolizidinalkaloide verursachen:

– veno-okklusive Lebererkrankung

– sinusoidale Obstruktion

– progressive Leberfibrose

Mechanismus:

– Endothelschädigung der Lebervenolen

– vaskuläre Obstruktion

– chronische Leberschädigung

 

 

Q12 – Genotoxizität

Pyrrolizidinalkaloide sind:

– mutagen

– genotoxisch

– kanzerogen

DNA-Adduktbildung wurde experimentell nachgewiesen.

 

 

Q13 – Reproduktion

Tierexperimentelle Daten zeigen:

– embryotoxische Effekte

– fetotoxische Effekte

Die Anwendung während Schwangerschaft ist kontraindiziert.

 

 

Q14 – Neurotoxizität

Keine primäre neurotoxische Wirkachse.

 

 

Q15 – Nahrungs-Arzneimittel-Interaktionsrisiko

Crotalaria-Arten können über kontaminierte Nahrungsmittel oder Futtermittel aufgenommen werden.

Relevante Aspekte:

– kumulative Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden

– additive hepatotoxische Belastung bei gleichzeitiger Medikation

– Risiko chronischer Niedrigdosisexposition

 

Pharmakokinetische Hinweise

Pyrrolizidinalkaloide:

– werden intestinal resorbiert

– in der Leber metabolisch aktiviert

– bilden hochreaktive toxische Pyrrol-Metaboliten

Die Toxizität ist häufig kumulativ und verzögert.

Risikogruppen

– Kinder

– Personen mit Lebererkrankungen

– chronische Aufnahme über kontaminierte Lebensmittel

– Weidetiere (Tiervergiftungen sind häufig dokumentiert)

 

Methodische Einordnung

Crotalaria gehört zu den weltweit bedeutenden Pyrrolizidinalkaloid-Pflanzen.

Die toxikologische Relevanz liegt in:

– chronischer hepatotoxischer Wirkung

– genotoxischem Potential

– Exposition über Lebensmittel, Kräuterprodukte oder Futtermittel.

Im K&R-System wird die Pflanze dem Cluster Q15 zugeordnet.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Assessment Report – Pyrrolizidine Alkaloids

EFSA Scientific Opinion on PA

IARC Monographs

FAO Toxic Plants Database

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 097

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/crotalaria⁠�

Abrufdatum: [2026.03.14]

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.