Protokollübersicht: KR-052
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Azadirachta indica
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Meliaceae
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Samen, Samenöl, Rinde
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Azadirachtin
– Nimbin
– Nimbidin
– Gedunin
– Limonoide
Zusammensetzung stark abhängig vom Pflanzenteil und Extraktionsverfahren.
Q1 – Gerinnung
Keine konsistent belegte primäre gerinnungshemmende Wirkung.
Keine klar dokumentierte klinische Interaktionsachse mit Antikoagulanzien.
Q2 – CYP-System
Begrenzte präklinische Hinweise auf CYP-Modulation.
Klinische Relevanz unzureichend untersucht.
Interaktionspotenzial bei Polypharmazie nicht auszuschließen.
Q3 – CNS
Hohe Dosen von Neemöl (v. a. bei Kindern) mit neurotoxischen Ereignissen assoziiert.
Berichtet wurden:
– Krampfanfälle
– Bewusstseinsstörungen
Systemische orale Anwendung daher kritisch zu bewerten.
Q4 – Immunsystem
Immunmodulatorische Effekte präklinisch beschrieben.
Keine etablierte systemische Immuntherapie.
Q5 – Kardio
Keine primäre kardiovaskuläre Indikation.
Q6 – Renal
Keine klar belegte nephrotoxische Achse.
Datenlage begrenzt.
Q7 – Gastro
Orale Anwendung kann verursachen:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Durchfall
Neemöl oral nicht empfohlen.
Q8 – Endokrin
Tierexperimentelle Hinweise auf antifertile Effekte.
Keine gesicherte hormonelle Therapie.
Vorsicht bei Kinderwunsch.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Toxizität konsistent belegt.
Q10 – Dermatologisch (Primärachse bei topischer Anwendung)
Wirkprofil:
– Antimikrobiell
– Antimykotisch
– Insektenabweisend
Topische Anwendung bei:
– Hautinfektionen
– Parasitären Befällen
– Akne
Risiken:
– Kontaktdermatitis
– Hautreizungen
Hepatotoxische Achse
Einzelfallberichte über Leberschädigung bei oraler Anwendung.
Besonders relevant bei hochkonzentriertem Neemöl.
Pharmakokinetische Hinweise
Starke Unterschiede zwischen Blattpräparaten und Samenöl.
Neemöl systemisch toxischer als Blattzubereitungen.
Risikogruppen
– Säuglinge und Kleinkinder (kein Neemöl oral)
– Schwangerschaft (kontraindiziert)
– Lebererkrankungen
– Kinderwunsch
Methodische Einordnung
Neem ist topisch gut etabliert.
Systemische orale Anwendung ist toxikologisch kritisch zu bewerten.
Sicherheitsprofil stark abhängig vom Pflanzenteil und der Darreichungsform.
Quellen
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
EMA Assessment Report zu Azadirachta indica (Bewertungsübersicht).
Sinniah D et al. Neem oil poisoning reports.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 052
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/neem
Abrufdatum: 23.02.2026
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