Protokollübersicht: KR-086

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Aconitum napellus

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Ranunculaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Wurzel (historisch medizinisch verwendet)

– oberirdische Pflanzenteile

Heute aufgrund der extremen Toxizität praktisch nicht therapeutisch verwendet.

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Aconitin

– Mesaconitin

– Hypaconitin

– Aconitin-Alkaloide

Aconitin ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Metabolisierung erfolgt teilweise hepatisch.

Die klinische Toxizität beruht jedoch primär auf direkter Natriumkanal-Modulation.

 

 

Q3 – CNS

Neurotoxische Effekte möglich:

– Parästhesien

– Taubheitsgefühl

– Schwindel

– Krampfanfälle bei schweren Intoxikationen

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio (Primärachse)

Aconitin wirkt auf spannungsabhängige Natriumkanäle im Myokard.

Mechanismus:

Persistente Aktivierung der Natriumkanäle führt zu:

– ventrikulären Arrhythmien

– Tachykardien

– Bradykardien

– Kammerflimmern

Kardiotoxizität ist die hauptverantwortliche Todesursache bei Aconitum-Vergiftungen.

 

 

Q6 – Renal

Nierenbeteiligung möglich bei schwerer systemischer Vergiftung.

 

 

Q7 – Gastro

Frühe Symptome können sein:

– Übelkeit

– Erbrechen

– abdominale Schmerzen

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontakt mit der Pflanze kann verursachen:

– Hautkribbeln

– lokale Parästhesien

Alkaloide können auch transdermal aufgenommen werden.

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine primäre hepatotoxische Wirkachse.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine relevante genotoxische Primärachse beschrieben.

 

 

Q13 – Reproduktion

Keine primäre reproduktionstoxische Wirkachse dokumentiert, jedoch gilt aufgrund der extremen Toxizität eine Anwendung grundsätzlich als kontraindiziert.

 

 

Q14 – Neurotoxische Natriumkanal-Modulation (Primärachse)

Aconitin bindet an spannungsabhängige Natriumkanäle.

Folgen:

– persistierende Depolarisation

– gestörte Erregungsleitung

– schwere neuro- und kardiotoxische Effekte

Diese Wirkungsweise macht Aconitum zu einer der toxischsten bekannten Pflanzen Europas.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Aconitin-Alkaloide werden rasch resorbiert.

Vergiftungen können entstehen durch:

– orale Aufnahme

– Hautkontakt

– Verwechslung mit essbaren Pflanzen

Symptome treten meist 30–120 Minuten nach Aufnahme auf.

 

Risikogruppen

– Kinder

– Sammler von Wildpflanzen

– Personen mit Pflanzenverwechslung

– traditionelle Anwendungen nicht standardisierter Präparate

 

Methodische Einordnung

Blauer Eisenhut gehört zu den toxikologisch gefährlichsten europäischen Pflanzen.

Die wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem in der Analyse von Alkaloid-bedingten Natriumkanaltoxizitäten, die sowohl neurologische als auch kardiovaskuläre Effekte verursachen.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Toxicological Assessments

Chan TYK – Aconite poisoning

IARC Toxicological Reviews

European Poison Centre Reports

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 086

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/eisenhut⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.

 

Klinische Suchanfragen

 

Diese Monographie zu Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) beantwortet typische klinische Fragestellungen im Zusammenhang mit Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen.

 

Häufige Suchanfragen:

 

– Blauer Eisenhut Nebenwirkungen  

– Blauer Eisenhut Vergiftung Symptome  

– Blauer Eisenhut toxische Dosis / Aconitin Wirkung  

– Blauer Eisenhut Wechselwirkungen mit Medikamenten  

– Blauer Eisenhut Kontraindikationen  

– Blauer Eisenhut Einfluss auf Herzrhythmus / Arrhythmien  

– Blauer Eisenhut neurotoxische Wirkung / Natriumkanal-Modulation  

– Blauer Eisenhut Anwendung Risiko / toxikologische Relevanz  

– Blauer Eisenhut Wechselwirkung mit Antiarrhythmika  

– Blauer Eisenhut klinische Relevanz und Evidenzlage  

 

Die Bewertung erfolgt anhand definierter Risikoachsen (Q1–Q15), mechanistischer Interaktionsachsen (A1–A6) sowie einer evidenzbasierten Klassifikation (E1–E4).