Protokollübersicht: KR-092

Erstellt: 2026.03.14

Version 1.0

 

Strychnos nux-vomica

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Loganiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

Samen (Nux vomica), seltener Rinde

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Strychnin

– Brucin

– Loganin

– weitere Indolalkaloide

Strychnin bestimmt das toxikologische Profil der Pflanze.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Metabolismus erfolgt überwiegend hepatisch.

Klinisch relevante CYP-Interaktionen sind nicht zentraler Mechanismus der Toxizität.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Strychnin wirkt als kompetitiver Antagonist an Glycin-Rezeptoren im Rückenmark.

Mechanismus:

– Blockade inhibitorischer Glycin-Signalübertragung

– Enthemmung spinaler Reflexbögen

– massive neuronale Übererregbarkeit

Klinische Folgen:

– schwere Muskelkrämpfe

– generalisierte tonische Krampfanfälle

– opisthotone Körperhaltung

– Atemstillstand durch Krampf der Atemmuskulatur

Bereits geringe Mengen können lebensbedrohlich sein.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Sekundäre Effekte möglich:

– Tachykardie

– Hypertonie

– Arrhythmien im Rahmen schwerer Krampfanfälle

 

 

Q6 – Renal

Nierenversagen kann sekundär auftreten:

– Rhabdomyolyse

– schwere metabolische Belastung

 

 

Q7 – Gastro

Frühsymptome einer Vergiftung können sein:

– Übelkeit

– Erbrechen

– abdominale Schmerzen

Diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der Toxizität.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine spezifische hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkung.

Q11 – Hepatisch

Leberbeteiligung ist sekundär möglich, jedoch nicht primäre Zielstruktur.

 

 

Q12 – Reproduktion

Tierexperimentelle Daten zeigen:

– embryotoxische Effekte

– reproduktionstoxisches Potential

Die Anwendung während der Schwangerschaft ist kontraindiziert.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Strychnin wird rasch resorbiert und verteilt sich schnell im zentralen Nervensystem.

Charakteristisch:

– schnelle toxische Wirkung

– geringe therapeutische Breite

– geringe letale Dosis

 

Risikogruppen

– Kinder

– Personen mit neurologischen Erkrankungen

– Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

– unbeabsichtigte Aufnahme über kontaminierte Präparate

 

Methodische Einordnung

Strychnos nux-vomica gehört zu den klassischen hochtoxischen Pflanzenalkaloid-Quellen.

Historisch wurde Strychnin in geringen Dosen pharmakologisch verwendet, heute besitzt die Pflanze vor allem toxikologische Bedeutung.

Vergiftungen führen typischerweise zu schweren spinalen Krampfsyndromen und stellen einen medizinischen Notfall dar.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Toxicological Assessments

PubChem – Strychnine Toxicology

Goldfrank’s Toxicologic Emergencies

European Poison Centre Data

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 092

Version 3.0 – Stand: 2026.03.14

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/strychnos-nux-vomica⁠�

 

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