Protokollübersicht: KR-094

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Gelsemium sempervirens

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Gelsemiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzel und oberirdische Pflanzenteile (historisch pharmakologisch genutzt)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Gelsemin

– Gelseminin

– Sempervirin

– weitere Indolalkaloide

Gelsemin bestimmt das toxikologische Profil der Pflanze.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Keine klinisch relevanten CYP-Interaktionen dokumentiert.

Toxizität beruht primär auf direkter neurotoxischer Wirkung.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Indolalkaloide wirken stark auf das zentrale Nervensystem.

Mechanismus:

– Hemmung neuronaler Signalübertragung

– Beeinflussung glycinergischer und cholinerger Systeme

– zentrale Atemdepression

Klinische Symptome:

– Schwindel

– Muskelerschlaffung

– Sehstörungen

– Krampfanfälle

– Bewusstseinsstörungen

– Atemlähmung

Vergiftungen können lebensbedrohlich sein.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Sekundäre Effekte möglich:

– Bradykardie

– Hypotonie

– Kreislaufkollaps bei schweren Vergiftungen

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre nephrotoxische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Frühsymptome einer Intoxikation können sein:

– Übelkeit

– Erbrechen

– abdominale Beschwerden

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine spezifische hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Wirkung.

 

 

Q11 – Hepatisch

Leberbeteiligung ist sekundär möglich, jedoch nicht primäre Zielstruktur.

 

 

Q12 – Reproduktion

Tierexperimentelle Hinweise auf:

– embryotoxische Effekte

– mögliche reproduktionstoxische Wirkung

Anwendung während Schwangerschaft kontraindiziert.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Die Alkaloide werden rasch resorbiert und wirken vor allem zentralnervös.

Charakteristisch:

– schnelle neurotoxische Wirkung

– geringe therapeutische Breite

– dosisabhängige Atemdepression

 

Risikogruppen

– Kinder

– Patienten mit neurologischen Erkrankungen

– Personen mit Atemwegserkrankungen

– unbeabsichtigte Aufnahme durch Verwechslung

 

Methodische Einordnung

Gelsemium sempervirens gehört zu den stark neurotoxischen Alkaloidpflanzen.

Historisch wurde die Pflanze in niedrigen Dosen pharmakologisch verwendet, heute besitzt sie vor allem toxikologische Bedeutung. Vergiftungen führen typischerweise zu progressiver neuromuskulärer Lähmung und Atemdepression.

Im K&R-System gehört die Pflanze zum Cluster Q14 (neurotoxische Pflanzen / Alkaloidtoxizität).

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

PubChem – Gelsemine Toxicology

Goldfrank’s Toxicologic Emergencies

European Poison Centre Reports

EMA Toxicological Evaluations

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 094

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/gelsemium-sempervirens⁠�

Abrufdatum: [2026.03.14]

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