Protokollübersicht: KR-093
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Anamirta cocculus
Familie: Menispermaceae
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Menispermaceae
Verwendete Pflanzenteile:
Samen („Kockelskörner“)
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Picrotoxin (Picrotoxinin + Picrotin)
– Menispermine
– weitere Sesquiterpen-Lactone
Picrotoxin bestimmt das toxikologische Profil.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkung beschrieben.
Q2 – CYP-System
Keine klar dokumentierten klinisch relevanten CYP-Interaktionen.
Toxische Wirkung erfolgt überwiegend direkt neuropharmakologisch.
Q3 – CNS (Primärachse)
Picrotoxin ist ein nichtkompetitiver Antagonist am GABA-A-Rezeptor.
Mechanismus:
– Blockade inhibitorischer GABA-Signalübertragung
– neuronale Übererregung
– zentrale Krampfbereitschaft
Klinische Symptome:
– Unruhe
– Tremor
– tonisch-klonische Krämpfe
– schwere Krampfanfälle
– Atemversagen
Die Wirkung ist stark neurotoxisch.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunologische Zielstruktur.
Q5 – Kardio
Sekundäre Effekte möglich:
– Tachykardie
– Hypertonie
– Kreislaufinstabilität bei schweren Vergiftungen
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse beschrieben.
Nierenbelastung kann sekundär durch schwere Krampfzustände entstehen.
Q7 – Gastro
Frühsymptome einer Intoxikation können sein:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Bauchschmerzen
Diese sind jedoch nicht die dominierende Toxizitätsachse.
Q8 – Endokrin
Keine relevante endokrine Wirkachse beschrieben.
Q9 – Hämatologisch
Keine spezifische hämatologische Toxizität dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Keine primäre dermatologische Wirkung.
Q11 – Hepatisch
Keine primäre hepatotoxische Achse beschrieben.
Q12 – Reproduktion
Tierexperimentelle Daten deuten auf reproduktionstoxisches Potential bei hohen Dosen hin.
Die Anwendung während Schwangerschaft ist kontraindiziert.
Pharmakokinetische Hinweise
Picrotoxin wird rasch resorbiert und wirkt direkt im zentralen Nervensystem.
Charakteristisch:
– sehr geringe therapeutische Breite
– schnelle neurotoxische Wirkung
– dosisabhängige Krampfentwicklung
Risikogruppen
– Kinder
– Personen mit Epilepsie oder Krampfneigung
– Personen mit neurologischen Erkrankungen
– unbeabsichtigte Aufnahme über kontaminierte Produkte
Methodische Einordnung
Kockelskörner gehören zu den klassischen pflanzlichen Krampfgiften.
Historisch wurden sie als Fischgift und Insektizid verwendet.
Die toxikologische Bedeutung beruht auf der starken Blockade der GABA-vermittelten inhibitorischen Neurotransmission.
In modernen medizinischen Anwendungen spielen sie keine therapeutische Rolle.
Quellen
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
European Poison Centre Data
PubChem – Picrotoxin
Goldfrank’s Toxicologic Emergencies
EMA Toxicology Reports
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. K&R 093
Version 3.0 – Stand: März 2026
Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/anamirta-cocculus�
Abrufdatum: [2026.03.14]
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