Protokollübersicht: KR-089

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Hyoscyamus niger

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Solanaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Blätter

– Samen

– gesamte Pflanze toxikologisch relevant

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Hyoscyamin

– Scopolamin

– Atropin

– Tropanalkaloide

Hyoscyamin ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Tropanalkaloide werden überwiegend hepatisch metabolisiert.

Klinisch relevante CYP-Interaktionen sind selten dokumentiert.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Zentrale anticholinerge Neurotoxizität.

Mechanismus:

Blockade muskarinerger Acetylcholinrezeptoren im zentralen Nervensystem.

Beschriebene Symptome:

– Halluzinationen

– Delir

– Desorientierung

– Agitation

– Krampfanfälle

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Anticholinerge Effekte können verursachen:

– Tachykardie

– Herzrhythmusstörungen

– Hypertonie

 

 

Q6 – Renal

Harnretention möglich durch anticholinerge Wirkung.

 

 

Q7 – Gastro

Typische Effekte:

– Mundtrockenheit

– verminderte Darmmotilität

– Obstipation

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Typische anticholinerge Symptome:

– trockene Haut

– verminderte Schweißsekretion

– Hautrötung

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine primäre hepatotoxische Wirkachse beschrieben.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine relevante genotoxische Primärachse dokumentiert.

 

 

Q13 – Reproduktion

Tropanalkaloide sind plazentagängig.

Aufgrund der anticholinergen Wirkung gilt eine Anwendung während der Schwangerschaft als kontraindiziert.

 

 

Q14 – Anticholinerge Neurotoxizität (Primärachse)

Blockade muskarinerger Rezeptoren führt zum anticholinergen Syndrom.

Typisches Vergiftungsbild:

– Mydriasis

– Delir

– Halluzinationen

– Hyperthermie

– Tachykardie

 

Pharmakokinetische Hinweise

Tropanalkaloide werden rasch resorbiert und wirken sowohl zentral als auch peripher.

Vergiftungen können auftreten durch:

– Aufnahme der Samen

– Pflanzenverwechslung

– traditionelle Anwendungen

 

Risikogruppen

– Kinder

– Personen mit neurologischen Erkrankungen

– Patienten mit Glaukom

– Patienten mit Prostatahyperplasie

– Schwangerschaft

 

Methodische Einordnung

Schwarzes Bilsenkraut gehört zu den klassischen tropanalkaloidhaltigen Giftpflanzen Europas.

Die toxikologische Bedeutung liegt im anticholinergen Syndrom, das durch zentrale und periphere Blockade muskarinerger Rezeptoren verursacht wird.

 

Quellen

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EMA Herbal Monographs

European Pharmacopoeia

Chan TYK – Tropane Alkaloid Poisoning

Toxicological Reviews on Solanaceae Alkaloids

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 089

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/bilsenkraut⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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