Protokollübersicht: KR-054

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Orthosiphon 

 

Familie: Lamiaceae

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

(Standardisierte Referenzabbildung: vollständige Pflanze mit Blatt-, Blüten- und Wurzeldetail, Weißhintergrund.)

 

Botanische Identität

 

Familie: Lamiaceae

Verwendete Pflanzenteile:

 

Blätter und oberirdische Pflanzenteile (Orthosiphonis folium / herba)

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Flavonoide (z. B. Sinensetin, Eupatorin)

– Phenolsäuren (z. B. Rosmarinsäure)

– Terpenoide

– Kaliumsalze

Die pharmakologische Wirkung wird vor allem mit den flavonoidreichen Extrakten in Verbindung gebracht.

Q-Matrix

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine konsistente gerinnungshemmende Wirkung beschrieben.

Eine klinisch relevante Interaktion mit Antikoagulanzien ist derzeit nicht belegt.

 

 

Q2 – CYP-System

Daten zur Modulation von CYP-Isoenzymen sind begrenzt.

In-vitro-Untersuchungen deuten auf mögliche metabolische Interaktionen hin, jedoch fehlt eine klinische Bestätigung.

Bewertung:

Keine gesicherte CYP-Interaktionsachse.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse beschrieben.

Sedierende oder stimulierende Effekte sind nicht konsistent belegt.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinische Daten zeigen entzündungsmodulierende Effekte bestimmter Flavonoide.

Eine klinische immunologische Leitwirkung ist jedoch nicht etabliert.

 

 

Q5 – Kardio

Milde blutdrucksenkende Effekte wurden vereinzelt beschrieben.

Die Datenlage ist heterogen und klinisch nicht ausreichend für eine therapeutische Einordnung.

 

 

Q6 – Renal (Primärachse)

Orthosiphon wird traditionell als diuretisch wirkende Pflanze eingesetzt.

Beschriebene Effekte:

– erhöhte Diurese

– erhöhte Natrium- und Kaliumausscheidung

– mögliche Förderung der Harnwegsdurchspülung

Diese Effekte werden hauptsächlich mit Flavonoiden und Kaliumsalzen in Verbindung gebracht.

Bewertung:

Q6 ist die zentrale pharmakologische Achse dieser Pflanze.

 

 

Q7 – Gastro

Gelegentlich berichtet:

– leichte Magenbeschwerden

– Übelkeit

Diese Nebenwirkungen sind selten und meist mild.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine gesicherte endokrine Zielstruktur.

Einzelne präklinische Hinweise auf metabolische Effekte wurden beschrieben, jedoch ohne klinische Relevanz.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Wirkachse.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine typische dermatologische Wirkung.

Allergische Reaktionen sind möglich, aber selten dokumentiert.

 

 

Q11 – Hepatisch

Keine konsistent belegte hepatotoxische Wirkung.

Die Leber stellt keine primäre Risikostruktur dar.

 

 

Q12 – Reproduktion

Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen ausreichende Sicherheitsdaten.

Eine Anwendung wird daher vorsorglich nicht empfohlen.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Die pharmakologischen Effekte sind stark extraktabhängig.

Standardisierte Extrakte zeigen reproduzierbarere diuretische Effekte als unstandardisierte Pflanzenzubereitungen.

 

Risikogruppen

– Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

– Patienten mit Elektrolytstörungen

– Patienten mit Diuretikatherapie

– Schwangerschaft und Stillzeit

– Patienten mit Polypharmazie

 

Methodische Einordnung

Orthosiphon gehört zu den klassischen Durchspülungspflanzen der Phytotherapie.

Die klinische Evidenz konzentriert sich hauptsächlich auf:

– Diurese

– unterstützende Behandlung leichter Harnwegsbeschwerden

Die Qualität der Studien ist heterogen; viele Untersuchungen basieren auf standardisierten Extrakten.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Orthosiphon aristatus folium

ESCOP Monographs

European Medicines Agency – Assessment Report Orthosiphon

Pharmacognosy Reviews – Orthosiphon

 

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 054

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/orthosiphon

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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